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Weckherlin, Georg Rodolf: Gaistliche und Weltliche Gedichte. Amsterdam, 1641.

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Gedichte.
12.
Vnendliche Liebs pein.
JCh brenn auß lieb vnd lust/ doch kan der brunst
verdruß
Meines haupts feuchtigkeit vnd thränen nicht
verzöhren:
Jch wein auß lieb vnd layd/ doch kan mein zeher-
fluß
Meiner brust grossen brunst vnd flammen gar
nicht wöhren.
Ja/ vilmehr pfleget stehts meiner brunst vberfluß
Den quellen meines layds die nahrug zu beschören:
Ja/ vilmehr pfleget stehts meines layds zeherguß
Die flammen meiner Lieb zu störcken vnd zu nöhren.
Jn dem mein weinen nu/ in dem nu meine brunst
Einander jhre hilff zu wechslen nicht verneinen/
So leyd ich dise lieb/ vnd lieb das layd vmbsunst.
Dan findend in dem fewr/ das ewiglich muß scheinen/
Vnd in dem stehten fluß der zehern keine gunst/
So muß (O schmertz!) mein hertz stehts brennen
vnd stehts weinen.
Jhrer
P 3
Gedichte.
12.
Vnendliche Liebs pein.
JCh brenn auß lieb vnd luſt/ doch kan der brunſt
verdruß
Meines haupts feuchtigkeit vnd thraͤnen nicht
verzoͤhren:
Jch wein auß lieb vnd layd/ doch kan mein zeher-
fluß
Meiner bruſt groſſen brunſt vnd flammen gar
nicht woͤhren.
Ja/ vilmehr pfleget ſtehts meiner brunſt vberfluß
Den quellen meines layds die nahrũg zu beſchoͤrẽ:
Ja/ vilmehr pfleget ſtehts meines layds zeherguß
Die flam̃en meiner Lieb zu ſtoͤrcken vñ zu noͤhren.
Jn dem mein weinen nu/ in dem nu meine brunſt
Einander jhre hilff zu wechſlen nicht verneinen/
So leyd ich diſe lieb/ vnd lieb das layd vmbſunſt.
Dan findend in dem fewr/ das ewiglich muß ſcheinē/
Vnd in dem ſtehten fluß der zehern keine gunſt/
So muß (O ſchmertz!) mein hertz ſtehts brennen
vnd ſtehts weinen.
Jhrer
P 3
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[213/0231] Gedichte. 12. Vnendliche Liebs pein. JCh brenn auß lieb vnd luſt/ doch kan der brunſt verdruß Meines haupts feuchtigkeit vnd thraͤnen nicht verzoͤhren: Jch wein auß lieb vnd layd/ doch kan mein zeher- fluß Meiner bruſt groſſen brunſt vnd flammen gar nicht woͤhren. Ja/ vilmehr pfleget ſtehts meiner brunſt vberfluß Den quellen meines layds die nahrũg zu beſchoͤrẽ: Ja/ vilmehr pfleget ſtehts meines layds zeherguß Die flam̃en meiner Lieb zu ſtoͤrcken vñ zu noͤhren. Jn dem mein weinen nu/ in dem nu meine brunſt Einander jhre hilff zu wechſlen nicht verneinen/ So leyd ich diſe lieb/ vnd lieb das layd vmbſunſt. Dan findend in dem fewr/ das ewiglich muß ſcheinē/ Vnd in dem ſtehten fluß der zehern keine gunſt/ So muß (O ſchmertz!) mein hertz ſtehts brennen vnd ſtehts weinen. Jhrer P 3

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Zitationshilfe: Weckherlin, Georg Rodolf: Gaistliche und Weltliche Gedichte. Amsterdam, 1641, S. 213. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weckherlin_gedichte_1641/231>, abgerufen am 14.12.2018.