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Weckherlin, Georg Rodolf: Gaistliche und Weltliche Gedichte. Amsterdam, 1641.

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Weltliche

Bey einem Auffzug für ein Ring-
rennen. 1616.

Lucidor.
An das Frawen Zimmer.
JHr Nymfen diser welt der einig wehrte pracht
Mit deren lieblichkeit die himmel sich erlaben;
Die Götter haben sich schier mangelhafft gemacht
Euch reichlich zu begaben.
Auch ist das lob so groß von der vollkommenheit
Dadurch die Helden jhr der freyheit gern beraubet/
Daß es das grobe Volck für eine eytelkeit
Schier haltend vngern glaubet.
Weil aber ich nu sih daß ewer angesicht
Mit so liebreicher brunst das beste hertz versehret/
Sprich Jch daß ewer lob mit einigem gedicht
Die warheit nicht vermehret.
Dan ewrer augenschein ist so süß/ keusch vnd klar
Daß wer sich jmmer Euch zu loben wolt bemühen/
Der kan/ wie weiß er auch/ mit seiner witz gefahr
Kaum seiner schand entfliehen.

Jch
Weltliche

Bey einem Auffzug fuͤr ein Ring-
rennen. 1616.

Lucidor.
An das Frawen Zimmer.
JHr Nymfen diſer welt der einig wehrte pracht
Mit deren lieblichkeit die himmel ſich erlaben;
Die Goͤtter haben ſich ſchier mangelhafft gemacht
Euch reichlich zu begaben.
Auch iſt das lob ſo groß von der vollkommenheit
Dadurch die Helden jhr der freyheit gern beraubet/
Daß es das grobe Volck fuͤr eine eytelkeit
Schier haltend vngern glaubet.
Weil aber ich nu ſih daß ewer angeſicht
Mit ſo liebreicher brunſt das beſte hertz verſehret/
Sprich Jch daß ewer lob mit einigem gedicht
Die warheit nicht vermehret.
Dan ewrer augenſchein iſt ſo ſuͤß/ keuſch vnd klar
Daß wer ſich jmmer Euch zu loben wolt bemuͤhen/
Der kan/ wie weiß er auch/ mit ſeiner witz gefahr
Kaum ſeiner ſchand entfliehen.

Jch
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[274/0292] Weltliche Bey einem Auffzug fuͤr ein Ring- rennen. 1616. Lucidor. An das Frawen Zimmer. JHr Nymfen diſer welt der einig wehrte pracht Mit deren lieblichkeit die himmel ſich erlaben; Die Goͤtter haben ſich ſchier mangelhafft gemacht Euch reichlich zu begaben. Auch iſt das lob ſo groß von der vollkommenheit Dadurch die Helden jhr der freyheit gern beraubet/ Daß es das grobe Volck fuͤr eine eytelkeit Schier haltend vngern glaubet. Weil aber ich nu ſih daß ewer angeſicht Mit ſo liebreicher brunſt das beſte hertz verſehret/ Sprich Jch daß ewer lob mit einigem gedicht Die warheit nicht vermehret. Dan ewrer augenſchein iſt ſo ſuͤß/ keuſch vnd klar Daß wer ſich jmmer Euch zu loben wolt bemuͤhen/ Der kan/ wie weiß er auch/ mit ſeiner witz gefahr Kaum ſeiner ſchand entfliehen. Jch

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Zitationshilfe: Weckherlin, Georg Rodolf: Gaistliche und Weltliche Gedichte. Amsterdam, 1641, S. 274. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weckherlin_gedichte_1641/292>, abgerufen am 23.03.2019.