Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weigel, Valentin: Gnothi seauton. Nosce te ipsum. Erkenne dich selber O Mensch. Neustadt, 1618.

Bild:
<< vorherige Seite

Erkenne dich selber/
Ewer Standt vnd Ampt nicht allein aus dem Gestirne sey/
Sondern auch aus dem leydigen Teuffel. Jst derohalben
vnmuglich/ das jhr die Alte Sternische Geburt durch
Theologiam hinleget/ vnd deine Newe Geburt euch ma-
chet (welche jhr zwar in der Tauffe empfangen) Sondern
jhr sterbet/ als verführer vnnd falsche Lehrer mit Ewren
verdampten Kriegen. Durch euch ist die gantze Welt al-
so verzeubert/ das sie Gleubet man könne nicht Selig wer-
den/ dann durchs Kriegen. Nimmermehr möchten die
herrschafften in der Welt in solche Blindheit gerathen sein/
das sie fürnehmen/ den Glauben mit dem Schwerdt zuver-
fechten/ oder vmb ein Dorff oder Schloß Krieg zufuhren/
wann jhr falsche außleger der Schrifft nicht zu Hofe vnd zu
Felde ein vrsache wehret.

Das Zwanzigste Capitel.
Das kein Eheman noch Ehefraw/ so we-
nig als ein Hurer vnnd Ehbrecher in

Himmel komme.

DEr Ehstand ist ein Sacrament vnter den Sieben/
von GOtt selbst angefangen in dem Paradeiß/
vnd durch Christum den Sohne/ Approbieret vnd
bestettiget/ das er sol ein Reyner/ Keuscher Standt sein.
Dieweil aber der Mensche so Vihisch Lebet/ so gehöret er
vnter den Planeten Veneris sampt vielen seinen Sternen/
auch in das funffte vnnd Siebende Hauß des Himmels.
Das gnungsam neben der heiligen Schrifft zeugnuß giebet/
wie kein Ehman noch Ehfraw in den Himmel komme/ eben

so

Erkenne dich ſelber/
Ewer Standt vnd Ampt nicht allein aus dem Geſtirne ſey/
Sondern auch aus dem leydigen Teuffel. Jſt derohalben
vnmůglich/ das jhr die Alte Sterniſche Geburt durch
Theologiam hinleget/ vnd deine Newe Geburt euch ma-
chet (welche jhr zwar in der Tauffe empfangen) Sondern
jhr ſterbet/ als verfuͤhrer vnnd falſche Lehrer mit Ewren
verdampten Kriegen. Durch euch iſt die gantze Welt al-
ſo verzeubert/ das ſie Gleubet man koͤnne nicht Selig wer-
den/ dann durchs Kriegen. Nimmermehr moͤchten die
herrſchafften in der Welt in ſolche Blindheit gerathen ſein/
das ſie fuͤrnehmen/ den Glauben mit dem Schwerdt zuver-
fechten/ oder vmb ein Dorff oder Schloß Krieg zufůhren/
wann jhr falſche außleger der Schrifft nicht zu Hofe vnd zu
Felde ein vrſache wehret.

Das Zwanzigſte Capitel.
Das kein Eheman noch Ehefraw/ ſo we-
nig als ein Hurer vnnd Ehbrecher in

Himmel komme.

DEr Ehſtand iſt ein Sacrament vnter den Sieben/
von GOtt ſelbſt angefangen in dem Paradeiß/
vnd durch Chriſtum den Sohne/ Approbieret vnd
beſtettiget/ das er ſol ein Reyner/ Keuſcher Standt ſein.
Dieweil aber der Menſche ſo Vihiſch Lebet/ ſo gehoͤret er
vnter den Planeten Veneris ſampt vielen ſeinen Sternen/
auch in das fůnffte vnnd Siebende Hauß des Himmels.
Das gnungſam neben der heiligen Schrifft zeugnuß giebet/
wie kein Ehman noch Ehfraw in den Himmel komme/ eben

ſo
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0078" n="71"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Erkenne dich &#x017F;elber/</hi></fw><lb/>
Ewer Standt vnd Ampt nicht allein aus dem Ge&#x017F;tirne &#x017F;ey/<lb/>
Sondern auch aus dem leydigen Teuffel. J&#x017F;t derohalben<lb/>
vnm&#x016F;glich/ das jhr die Alte Sterni&#x017F;che Geburt durch<lb/><hi rendition="#aq">Theologiam</hi> hinleget/ vnd deine Newe Geburt euch ma-<lb/>
chet (welche jhr zwar in der Tauffe empfangen) Sondern<lb/>
jhr &#x017F;terbet/ als verfu&#x0364;hrer vnnd fal&#x017F;che Lehrer mit Ewren<lb/>
verdampten Kriegen. Durch euch i&#x017F;t die gantze Welt al-<lb/>
&#x017F;o verzeubert/ das &#x017F;ie Gleubet man ko&#x0364;nne nicht Selig wer-<lb/>
den/ dann durchs Kriegen. Nimmermehr mo&#x0364;chten die<lb/>
herr&#x017F;chafften in der Welt in &#x017F;olche Blindheit gerathen &#x017F;ein/<lb/>
das &#x017F;ie fu&#x0364;rnehmen/ den Glauben mit dem Schwerdt zuver-<lb/>
fechten/ oder vmb ein Dorff oder Schloß Krieg zuf&#x016F;hren/<lb/>
wann jhr fal&#x017F;che außleger der Schrifft nicht zu Hofe vnd zu<lb/>
Felde ein vr&#x017F;ache wehret.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#b">Das Zwanzig&#x017F;te Capitel.<lb/>
Das kein Eheman noch Ehefraw/ &#x017F;o we-<lb/>
nig als ein Hurer vnnd Ehbrecher in</hi><lb/>
Himmel komme.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>Er Eh&#x017F;tand i&#x017F;t ein Sacrament vnter den Sieben/<lb/>
von GOtt &#x017F;elb&#x017F;t angefangen in dem Paradeiß/<lb/>
vnd durch Chri&#x017F;tum den Sohne/ Approbieret vnd<lb/>
be&#x017F;tettiget/ das er &#x017F;ol ein Reyner/ Keu&#x017F;cher Standt &#x017F;ein.<lb/>
Dieweil aber der Men&#x017F;che &#x017F;o Vihi&#x017F;ch Lebet/ &#x017F;o geho&#x0364;ret er<lb/>
vnter den Planeten <hi rendition="#aq">Veneris</hi> &#x017F;ampt vielen &#x017F;einen Sternen/<lb/>
auch in das f&#x016F;nffte vnnd Siebende Hauß des Himmels.<lb/>
Das gnung&#x017F;am neben der heiligen Schrifft zeugnuß giebet/<lb/>
wie kein Ehman noch Ehfraw in den Himmel komme/ eben<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;o</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[71/0078] Erkenne dich ſelber/ Ewer Standt vnd Ampt nicht allein aus dem Geſtirne ſey/ Sondern auch aus dem leydigen Teuffel. Jſt derohalben vnmůglich/ das jhr die Alte Sterniſche Geburt durch Theologiam hinleget/ vnd deine Newe Geburt euch ma- chet (welche jhr zwar in der Tauffe empfangen) Sondern jhr ſterbet/ als verfuͤhrer vnnd falſche Lehrer mit Ewren verdampten Kriegen. Durch euch iſt die gantze Welt al- ſo verzeubert/ das ſie Gleubet man koͤnne nicht Selig wer- den/ dann durchs Kriegen. Nimmermehr moͤchten die herrſchafften in der Welt in ſolche Blindheit gerathen ſein/ das ſie fuͤrnehmen/ den Glauben mit dem Schwerdt zuver- fechten/ oder vmb ein Dorff oder Schloß Krieg zufůhren/ wann jhr falſche außleger der Schrifft nicht zu Hofe vnd zu Felde ein vrſache wehret. Das Zwanzigſte Capitel. Das kein Eheman noch Ehefraw/ ſo we- nig als ein Hurer vnnd Ehbrecher in Himmel komme. DEr Ehſtand iſt ein Sacrament vnter den Sieben/ von GOtt ſelbſt angefangen in dem Paradeiß/ vnd durch Chriſtum den Sohne/ Approbieret vnd beſtettiget/ das er ſol ein Reyner/ Keuſcher Standt ſein. Dieweil aber der Menſche ſo Vihiſch Lebet/ ſo gehoͤret er vnter den Planeten Veneris ſampt vielen ſeinen Sternen/ auch in das fůnffte vnnd Siebende Hauß des Himmels. Das gnungſam neben der heiligen Schrifft zeugnuß giebet/ wie kein Ehman noch Ehfraw in den Himmel komme/ eben ſo

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weigel_gnothi02_1618
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weigel_gnothi02_1618/78
Zitationshilfe: Weigel, Valentin: Gnothi seauton. Nosce te ipsum. Erkenne dich selber O Mensch. Neustadt, 1618, S. 71. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weigel_gnothi02_1618/78>, abgerufen am 06.12.2019.