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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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schaffen seyn/ welche sich dermahl eins seiner
Affection werde zu rühmen haben. Jch ver-
bleibe inzwischen in den Schrancken meiner
Demuth/ und verwundere mich über die Tu-
genden/ welche ich nicht verdienen kan. Und
zwar diß alles in Qvalität.

Seine
getreue Dienerin
Amaryllis.

Jn Warheit sagte Florindo, mit diesem
Frauenzimmer möchte ich selbst Brieffe wech-
seln/ so gar zierlich und kurtz kan sie ein Com-
plimentgen abstechen/ also daß man weder ihre
Höflichkeit tadeln/ noch auß ihrer Freymütig-
keit einige Liebe öffentlich schliessen kan.

Der andre Brieff.
Mein Herr/ etc.

SO offt ich seine Hand erblicke/ so offt
muß ich mich über meine Gebrechligkeit
betrüben/ welche mir nicht zuläst/ daß ich seinen
Lobes-Erhebungen statt geben kan. Und in
Warheit/ ich zweifle offt/ ob der Brieff eben
mich angehe/ und ob nicht eine andere mich ei-
nes unbilligen Raubes beschuldigen werde/
welche diese angenehme Zeilen mit besserem
Rechte solte gelesen haben. Geschicht diß/ so

leb


ſchaffen ſeyn/ welche ſich dermahl eins ſeiner
Affection werde zu ruͤhmen haben. Jch ver-
bleibe inzwiſchen in den Schrancken meiner
Demuth/ und verwundere mich uͤber die Tu-
genden/ welche ich nicht verdienen kan. Und
zwar diß alles in Qvalitaͤt.

Seine
getreue Dienerin
Amaryllis.

Jn Warheit ſagte Florindo, mit dieſem
Frauenzimmer moͤchte ich ſelbſt Brieffe wech-
ſeln/ ſo gar zierlich und kurtz kan ſie ein Com-
plimentgen abſtechen/ alſo daß man weder ihre
Hoͤflichkeit tadeln/ noch auß ihrer Freymuͤtig-
keit einige Liebe oͤffentlich ſchlieſſen kan.

Der andre Brieff.
Mein Herr/ ꝛc.

SO offt ich ſeine Hand erblicke/ ſo offt
muß ich mich uͤber meine Gebrechligkeit
betruͤben/ welche mir nicht zulaͤſt/ daß ich ſeinen
Lobes-Erhebungen ſtatt geben kan. Und in
Warheit/ ich zweifle offt/ ob der Brieff eben
mich angehe/ und ob nicht eine andere mich ei-
nes unbilligen Raubes beſchuldigen werde/
welche dieſe angenehme Zeilen mit beſſerem
Rechte ſolte geleſen haben. Geſchicht diß/ ſo

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[96/0102] ſchaffen ſeyn/ welche ſich dermahl eins ſeiner Affection werde zu ruͤhmen haben. Jch ver- bleibe inzwiſchen in den Schrancken meiner Demuth/ und verwundere mich uͤber die Tu- genden/ welche ich nicht verdienen kan. Und zwar diß alles in Qvalitaͤt. Seine getreue Dienerin Amaryllis. Jn Warheit ſagte Florindo, mit dieſem Frauenzimmer moͤchte ich ſelbſt Brieffe wech- ſeln/ ſo gar zierlich und kurtz kan ſie ein Com- plimentgen abſtechen/ alſo daß man weder ihre Hoͤflichkeit tadeln/ noch auß ihrer Freymuͤtig- keit einige Liebe oͤffentlich ſchlieſſen kan. Der andre Brieff. Mein Herr/ ꝛc. SO offt ich ſeine Hand erblicke/ ſo offt muß ich mich uͤber meine Gebrechligkeit betruͤben/ welche mir nicht zulaͤſt/ daß ich ſeinen Lobes-Erhebungen ſtatt geben kan. Und in Warheit/ ich zweifle offt/ ob der Brieff eben mich angehe/ und ob nicht eine andere mich ei- nes unbilligen Raubes beſchuldigen werde/ welche dieſe angenehme Zeilen mit beſſerem Rechte ſolte geleſen haben. Geſchicht diß/ ſo leb

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 96. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/102>, abgerufen am 20.10.2019.