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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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CAP. X.

NUn war diese Compagnie niemahls
müssig/ sondern gebrauchten sich aller
Zeitvertreibung/ welche an selbigem Orte
frembden Personen zugelassen war. Sie
unterliessen auch nicht alle närrische Actiones
wohl zu observiren/ doch würde der geneigte
Leser mit unserer Weitläufftigkeit nicht zu-
frieden seyn/ wenn wir alle minutias allhier
hätten einmischen wollen. Dannenhero wir
auch verhoffen entschuldiget zu seyn/ wofern
wir das jenige nur kürtzlich erwehnen/ wel-
ches unserm Bedüncken nach, das merckwür-
digste seyn wird. Und daher wird die obge-
dachte Jungfer Zusammenkunfft nothwendig
müssen berühret werden/ wenn wir nur etlicher
Händel/ so vorhergangen/ werden gedacht
haben. Einmahl traff Gelanor in der Kir-
che einen alten Bekandten an/ mit welchem
er vor diesem auf Universitäten gantz vertrau-
lich gelebt hatte. Von diesem ließ er sich mit
in ein ander Wirths-haus nöthigen/ da er
auch seinen Florindo Ehrenhalben mit neh-
men muste. Sie satzten sich/ und liessen sich
die Mahlzeit wohlbekommen. Unter andern
war ein Kerle bey Tische/ der noch einen
Fuchspeltz von Winters her am Leibe hatte/

und
CAP. X.

NUn war dieſe Compagnie niemahls
muͤſſig/ ſondern gebrauchten ſich aller
Zeitvertreibung/ welche an ſelbigem Orte
frembden Perſonen zugelaſſen war. Sie
unterlieſſen auch nicht alle naͤrriſche Actiones
wohl zu obſerviren/ doch wuͤrde der geneigte
Leſer mit unſerer Weitlaͤufftigkeit nicht zu-
frieden ſeyn/ wenn wir alle minutias allhier
haͤtten einmiſchen wollen. Dannenhero wir
auch verhoffen entſchuldiget zu ſeyn/ wofern
wir das jenige nur kuͤrtzlich erwehnen/ wel-
ches unſerm Beduͤncken nach, das merckwuͤr-
digſte ſeyn wird. Und daher wird die obge-
dachte Jungfer Zuſammenkunfft nothwendig
muͤſſen beruͤhret werden/ weñ wir nur etlicher
Haͤndel/ ſo vorhergangen/ werden gedacht
haben. Einmahl traff Gelanor in der Kir-
che einen alten Bekandten an/ mit welchem
er vor dieſem auf Univerſitaͤten gantz vertrau-
lich gelebt hatte. Von dieſem ließ er ſich mit
in ein ander Wirths-haus noͤthigen/ da er
auch ſeinen Florindo Ehrenhalben mit neh-
men muſte. Sie ſatzten ſich/ und lieſſen ſich
die Mahlzeit wohlbekommen. Unter andern
war ein Kerle bey Tiſche/ der noch einen
Fuchspeltz von Winters her am Leibe hatte/

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[106/0112] CAP. X. NUn war dieſe Compagnie niemahls muͤſſig/ ſondern gebrauchten ſich aller Zeitvertreibung/ welche an ſelbigem Orte frembden Perſonen zugelaſſen war. Sie unterlieſſen auch nicht alle naͤrriſche Actiones wohl zu obſerviren/ doch wuͤrde der geneigte Leſer mit unſerer Weitlaͤufftigkeit nicht zu- frieden ſeyn/ wenn wir alle minutias allhier haͤtten einmiſchen wollen. Dannenhero wir auch verhoffen entſchuldiget zu ſeyn/ wofern wir das jenige nur kuͤrtzlich erwehnen/ wel- ches unſerm Beduͤncken nach, das merckwuͤr- digſte ſeyn wird. Und daher wird die obge- dachte Jungfer Zuſammenkunfft nothwendig muͤſſen beruͤhret werden/ weñ wir nur etlicher Haͤndel/ ſo vorhergangen/ werden gedacht haben. Einmahl traff Gelanor in der Kir- che einen alten Bekandten an/ mit welchem er vor dieſem auf Univerſitaͤten gantz vertrau- lich gelebt hatte. Von dieſem ließ er ſich mit in ein ander Wirths-haus noͤthigen/ da er auch ſeinen Florindo Ehrenhalben mit neh- men muſte. Sie ſatzten ſich/ und lieſſen ſich die Mahlzeit wohlbekommen. Unter andern war ein Kerle bey Tiſche/ der noch einen Fuchspeltz von Winters her am Leibe hatte/ und

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 106. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/112>, abgerufen am 14.10.2019.