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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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gehört; ihr sollet die Gastwirth/ und Wein-
schencken besser erfreuen.

CAP. XI.

DJe andern stimmeten mit ein/ und wo-
fern die alten Aberglauben noch kräff-
tig sind/ so ist kein Zweifel/ die Ohren müssen
dem ehrlichen Stümper wol geklungen haben.
Jn dem sie nun in dem Gespräche begriffen
waren/ kam ein Kerl/ und fragte ob ein Herr
unter dem Hauffen einen Schreiber bedürffte.
Gelanor, dem es an solcher Auffwartung schon
offt gemangelt hatte/ nahm ihn mit auf seine
Stube/ und sagte/ er solte ihm zur Probe einen
Brieff schreiben (denn er war mehr als ein
Copiste) darinn er einen guten Freund com-
plimentir
te/ der unlängst hätte Hochzeit ge-
halten; Mit Bitte sein aussenbleiben zuent-
schuldigen/ und mit einem wenigen Hochzeit-
Geschencke vorlieb zunehmen. Nun war der
Schreiber geschwind über das Dintenfaß
her/ und setzte folgenden wunderschönen Brieff
innerhalb sechs Viertelstunden auf.

Hooch geneugter und Follkom-
men liebender Freund.

Daß seine sich-so plötzlich fergnügenwollen-
de Jugend/ in das lüstrende und augenreiz-

zende


gehoͤrt; ihr ſollet die Gaſtwirth/ und Wein-
ſchencken beſſer erfreuen.

CAP. XI.

DJe andern ſtimmeten mit ein/ und wo-
fern die alten Aberglauben noch kraͤff-
tig ſind/ ſo iſt kein Zweifel/ die Ohren muͤſſen
dem ehrlichen Stuͤmper wol geklungẽ haben.
Jn dem ſie nun in dem Geſpraͤche begriffen
waren/ kam ein Kerl/ und fragte ob ein Herr
unter dem Hauffen einen Schreiber beduͤrffte.
Gelanor, dem es an ſolcher Auffwartung ſchon
offt gemangelt hatte/ nahm ihn mit auf ſeine
Stube/ und ſagte/ er ſolte ihm zur Probe einen
Brieff ſchreiben (denn er war mehr als ein
Copiſte) darinn er einen guten Freund com-
plimentir
te/ der unlaͤngſt haͤtte Hochzeit ge-
halten; Mit Bitte ſein auſſenbleiben zuent-
ſchuldigen/ und mit einem wenigen Hochzeit-
Geſchencke vorlieb zunehmen. Nun war der
Schreiber geſchwind uͤber das Dintenfaß
her/ und ſetzte folgenden wunderſchoͤnen Brieff
innerhalb ſechs Viertelſtunden auf.

Hooch geneugter und Follkom-
men liebender Freund.

Daß ſeine ſich-ſo ploͤtzlich fergnuͤgenwollen-
de Jugend/ in das luͤſtrende und augenreiz-

zende
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[113/0119] gehoͤrt; ihr ſollet die Gaſtwirth/ und Wein- ſchencken beſſer erfreuen. CAP. XI. DJe andern ſtimmeten mit ein/ und wo- fern die alten Aberglauben noch kraͤff- tig ſind/ ſo iſt kein Zweifel/ die Ohren muͤſſen dem ehrlichen Stuͤmper wol geklungẽ haben. Jn dem ſie nun in dem Geſpraͤche begriffen waren/ kam ein Kerl/ und fragte ob ein Herr unter dem Hauffen einen Schreiber beduͤrffte. Gelanor, dem es an ſolcher Auffwartung ſchon offt gemangelt hatte/ nahm ihn mit auf ſeine Stube/ und ſagte/ er ſolte ihm zur Probe einen Brieff ſchreiben (denn er war mehr als ein Copiſte) darinn er einen guten Freund com- plimentirte/ der unlaͤngſt haͤtte Hochzeit ge- halten; Mit Bitte ſein auſſenbleiben zuent- ſchuldigen/ und mit einem wenigen Hochzeit- Geſchencke vorlieb zunehmen. Nun war der Schreiber geſchwind uͤber das Dintenfaß her/ und ſetzte folgenden wunderſchoͤnen Brieff innerhalb ſechs Viertelſtunden auf. Hooch geneugter und Follkom- men liebender Freund. Daß ſeine ſich-ſo ploͤtzlich fergnuͤgenwollen- de Jugend/ in das luͤſtrende und augenreiz- zende

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 113. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/119>, abgerufen am 22.10.2019.