Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

Bild:
<< vorherige Seite


che Laster so beschaffen sind/ daß ich sie we-
der loben noch lieben kan/ solches geht die
Leute so eigentlich nicht an. Es ist auch
keiner gemeint/ als wer sichs annehmen
will. Und diesem wünsch ich gut Glück
zur Besserung/ vielleicht wirckt diese Pos-
sierliche Apothecker-Büchse bey etlichen
mehr/ als wenn ich den Catonem mit gros-
sen Commentariis hätte auflegen lassen.
Plato hat gesagt: Imperare est legitime
fallere populum.
Es scheint als müste
man die Tugend auch per piam fraudem,
der kützlichten und neubegierigen Welt auf
eine solche Manier beybringen/ drum
wünsche ich nichts mehr/ als die Welt wol-
le sich zu ihrem Besten allhier betriegen
lassen. Sie bilde sich lauter lustige und
zeitvertreibende Sachen bey diesen Nar-
ren ein: wenn sie nur unvermerckt die klu-
gen Lebens-Regeln mit lesen und erwegen
will. Und wer will die Satyrische Art
zu schreiben der ietzigen Zeit verbieten/ da
solches bey den klugen Griechen und Rö-
mern mit sonderbahrer Beliebung erhalten
worden? Jch mache es ja so unhöfflich und

un-


che Laſter ſo beſchaffen ſind/ daß ich ſie we-
der loben noch lieben kan/ ſolches geht die
Leute ſo eigentlich nicht an. Es iſt auch
keiner gemeint/ als wer ſichs annehmen
will. Und dieſem wuͤnſch ich gut Gluͤck
zur Beſſerung/ vielleicht wirckt dieſe Poſ-
ſierliche Apothecker-Buͤchſe bey etlichen
mehr/ als wenn ich den Catonem mit groſ-
ſen Commentariis haͤtte auflegen laſſen.
Plato hat geſagt: Imperare eſt legitimè
fallere populum.
Es ſcheint als muͤſte
man die Tugend auch per piam fraudem,
der kuͤtzlichten und neubegierigen Welt auf
eine ſolche Manier beybringen/ drum
wuͤnſche ich nichts mehr/ als die Welt wol-
le ſich zu ihrem Beſten allhier betriegen
laſſen. Sie bilde ſich lauter luſtige und
zeitvertreibende Sachen bey dieſen Nar-
ren ein: wenn ſie nur unvermerckt die klu-
gen Lebens-Regeln mit leſen und erwegen
will. Und wer will die Satyriſche Art
zu ſchreiben der ietzigen Zeit verbieten/ da
ſolches bey den klugen Griechen und Roͤ-
mern mit ſonderbahrer Beliebung erhalten
worden? Jch mache es ja ſo unhoͤfflich und

un-
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div type="preface" n="1">
        <p><pb facs="#f0012" n="6"/><lb/>
che La&#x017F;ter &#x017F;o be&#x017F;chaffen &#x017F;ind/ daß ich &#x017F;ie we-<lb/>
der loben noch lieben kan/ &#x017F;olches geht die<lb/>
Leute &#x017F;o eigentlich nicht an. Es i&#x017F;t auch<lb/>
keiner gemeint/ als wer &#x017F;ichs annehmen<lb/>
will. Und die&#x017F;em wu&#x0364;n&#x017F;ch ich gut Glu&#x0364;ck<lb/>
zur Be&#x017F;&#x017F;erung/ vielleicht wirckt die&#x017F;e Po&#x017F;-<lb/>
&#x017F;ierliche Apothecker-Bu&#x0364;ch&#x017F;e bey etlichen<lb/>
mehr/ als wenn ich den <hi rendition="#aq">Catonem</hi> mit gro&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en <hi rendition="#aq">Commentariis</hi> ha&#x0364;tte auflegen la&#x017F;&#x017F;en.<lb/><hi rendition="#aq">Plato</hi> hat ge&#x017F;agt: <hi rendition="#aq">Imperare e&#x017F;t legitimè<lb/>
fallere populum.</hi> Es &#x017F;cheint als mu&#x0364;&#x017F;te<lb/>
man die Tugend auch <hi rendition="#aq">per piam fraudem,</hi><lb/>
der ku&#x0364;tzlichten und neubegierigen Welt auf<lb/>
eine &#x017F;olche Manier beybringen/ drum<lb/>
wu&#x0364;n&#x017F;che ich nichts mehr/ als die Welt wol-<lb/>
le &#x017F;ich zu ihrem Be&#x017F;ten allhier betriegen<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en. Sie bilde &#x017F;ich lauter lu&#x017F;tige und<lb/>
zeitvertreibende Sachen bey die&#x017F;en Nar-<lb/>
ren ein: wenn &#x017F;ie nur unvermerckt die klu-<lb/>
gen Lebens-Regeln mit le&#x017F;en und erwegen<lb/>
will. Und wer will die Satyri&#x017F;che Art<lb/>
zu &#x017F;chreiben der ietzigen Zeit verbieten/ da<lb/>
&#x017F;olches bey den klugen Griechen und Ro&#x0364;-<lb/>
mern mit &#x017F;onderbahrer Beliebung erhalten<lb/>
worden? Jch mache es ja &#x017F;o unho&#x0364;fflich und<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">un-</fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[6/0012] che Laſter ſo beſchaffen ſind/ daß ich ſie we- der loben noch lieben kan/ ſolches geht die Leute ſo eigentlich nicht an. Es iſt auch keiner gemeint/ als wer ſichs annehmen will. Und dieſem wuͤnſch ich gut Gluͤck zur Beſſerung/ vielleicht wirckt dieſe Poſ- ſierliche Apothecker-Buͤchſe bey etlichen mehr/ als wenn ich den Catonem mit groſ- ſen Commentariis haͤtte auflegen laſſen. Plato hat geſagt: Imperare eſt legitimè fallere populum. Es ſcheint als muͤſte man die Tugend auch per piam fraudem, der kuͤtzlichten und neubegierigen Welt auf eine ſolche Manier beybringen/ drum wuͤnſche ich nichts mehr/ als die Welt wol- le ſich zu ihrem Beſten allhier betriegen laſſen. Sie bilde ſich lauter luſtige und zeitvertreibende Sachen bey dieſen Nar- ren ein: wenn ſie nur unvermerckt die klu- gen Lebens-Regeln mit leſen und erwegen will. Und wer will die Satyriſche Art zu ſchreiben der ietzigen Zeit verbieten/ da ſolches bey den klugen Griechen und Roͤ- mern mit ſonderbahrer Beliebung erhalten worden? Jch mache es ja ſo unhoͤfflich und un-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe handelt es sich um die 2. Auflage… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/12
Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 6. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/12>, abgerufen am 24.03.2019.