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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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braucht werden/ so will ich endlich gern sehen/
was Hochteutsch heissen wird. Hl. Ziriacks
machte eine ungnädige Mine/ darauß Ge-
lanor
abnahm/ er würde nunmehr schlechte
Lust zu dienen haben. Derhalben gab er ihm
einen halben Thaler vor die Schreibgebühr/
und gedachte/ es wäre doch alles Zureden
vergebens/ wann sich ein Mensch allbereit in
die süsse Thorheit so tieff eingelassen hätte.

CAP. XII.

NAch diesem gedachte unsere Compagnie
weiter zu reisen/ als der Wirth bat/ sie
möchten doch etlichen vornehmen Leuten in
seinem Garten Gesellschafft leisten/ es hantte
der junge Stutzer gegen über eine Collation
angestellt/ und sey zwar viel Frauenzimmer ge-
beten/ doch möchte er sonst niemands bekan-
tes dabey haben. Dann es sey ein alter Do-
ctor von 60. Jahren/ der habe sich in ein Mäd-
gen verliebt/ und wolle gern allein bey ihr seyn/
daß ihn kein ander Bürgers-Sohn abstechen
möchte. Nun wolte zwar Gelanor die Leute
gerne eigentlich kennen lernen: Doch meynte
er/ es möchte bey dem Wirth nur ein Ehren-
Wort seyn/ und bedanckte sich also auffs be-

ste


braucht werden/ ſo will ich endlich gern ſehen/
was Hochteutſch heiſſen wird. Hl. Ziriacks
machte eine ungnaͤdige Mine/ darauß Ge-
lanor
abnahm/ er wuͤrde nunmehr ſchlechte
Luſt zu dienen haben. Derhalben gab er ihm
einen halben Thaler vor die Schreibgebuͤhr/
und gedachte/ es waͤre doch alles Zureden
vergebens/ wann ſich ein Menſch allbereit in
die ſuͤſſe Thorheit ſo tieff eingelaſſen haͤtte.

CAP. XII.

NAch dieſem gedachte unſere Compagnie
weiter zu reiſen/ als der Wirth bat/ ſie
moͤchten doch etlichen vornehmen Leuten in
ſeinem Garten Geſellſchafft leiſten/ es hãtte
der junge Stutzer gegen uͤber eine Collation
angeſtellt/ und ſey zwar viel Frauenzimmer ge-
beten/ doch moͤchte er ſonſt niemands bekan-
tes dabey haben. Dann es ſey ein alter Do-
ctor von 60. Jahren/ der habe ſich in ein Maͤd-
gen verliebt/ und wolle gern allein bey ihr ſeyn/
daß ihn kein ander Buͤrgers-Sohn abſtechen
moͤchte. Nun wolte zwar Gelanor die Leute
gerne eigentlich kennen lernen: Doch meynte
er/ es moͤchte bey dem Wirth nur ein Ehren-
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[120/0126] braucht werden/ ſo will ich endlich gern ſehen/ was Hochteutſch heiſſen wird. Hl. Ziriacks machte eine ungnaͤdige Mine/ darauß Ge- lanor abnahm/ er wuͤrde nunmehr ſchlechte Luſt zu dienen haben. Derhalben gab er ihm einen halben Thaler vor die Schreibgebuͤhr/ und gedachte/ es waͤre doch alles Zureden vergebens/ wann ſich ein Menſch allbereit in die ſuͤſſe Thorheit ſo tieff eingelaſſen haͤtte. CAP. XII. NAch dieſem gedachte unſere Compagnie weiter zu reiſen/ als der Wirth bat/ ſie moͤchten doch etlichen vornehmen Leuten in ſeinem Garten Geſellſchafft leiſten/ es hãtte der junge Stutzer gegen uͤber eine Collation angeſtellt/ und ſey zwar viel Frauenzimmer ge- beten/ doch moͤchte er ſonſt niemands bekan- tes dabey haben. Dann es ſey ein alter Do- ctor von 60. Jahren/ der habe ſich in ein Maͤd- gen verliebt/ und wolle gern allein bey ihr ſeyn/ daß ihn kein ander Buͤrgers-Sohn abſtechen moͤchte. Nun wolte zwar Gelanor die Leute gerne eigentlich kennen lernen: Doch meynte er/ es moͤchte bey dem Wirth nur ein Ehren- Wort ſeyn/ und bedanckte ſich alſo auffs be- ſte

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/126>, S. 120, abgerufen am 21.11.2017.