Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

Bild:
<< vorherige Seite


denn die praesumptio wäre da/ daß die guten
Leute ihre Handgriffe besser verstünden: aber
in der Schule mag ie derman stören/ wer ein
Bißgen zu befehlen hat. Die Theologi,
wenn sie gefragt werden/ wieweit sich ein
Fürst vi Superioritatis in die Consistorial-
Sachen mit ein zu mischen habe/ bringen die
distinction vor/ inter actus religionis inter-
nos & externos
. Das ist/ etliche Sachen
giengen die Religion und Artickel selbst an/
und beträffen ihre Warheit/ die bloß auß der
Schrifft müsten decidirt werden/ und solches
wäre derselben Ammt/ welche dem Studio
lang obgelegen/ und von den Fragen judici-
ren könten: Etliche Sachen aber giengen die
Religion nur zufälliger Weise an/ e. g. ob die
Theologi auch ihre actus internos recht ex-
ercirten,
es etwas im Lande sich ereignete/ das
der Religion könte schädlich seyn u. d. g. Und
solche gehörten dem jenigen/ der nechst der
Hohen Obrigkeit auch Inspectionem & po-
testatem religionis
auf sich habe. Jch will
diese distinction auf die Schule appliciren/
damit niemand meyne/ als wolte ich lauter
Freyherren haben. Die externa inspectio
ist gar gut/ ob alle Praeceptores ihr Ampt ver-
richten/ ob sie der Jugend einige Bosheit

ge-
G jv


denn die præſumptio waͤre da/ daß die guten
Leute ihre Handgriffe beſſer verſtuͤnden: aber
in der Schule mag ie derman ſtoͤren/ wer ein
Bißgen zu befehlen hat. Die Theologi,
wenn ſie gefragt werden/ wieweit ſich ein
Fuͤrſt vi Superioritatis in die Conſiſtorial-
Sachen mit ein zu miſchen habe/ bringen die
diſtinction vor/ inter actus religionis inter-
nos & externos
. Das iſt/ etliche Sachen
giengen die Religion und Artickel ſelbſt an/
und betraͤffen ihre Warheit/ die bloß auß der
Schrifft muͤſtẽ decidirt werden/ und ſolches
waͤre derſelben Ammt/ welche dem Studio
lang obgelegen/ und von den Fragen judici-
ren koͤnten: Etliche Sachen aber giengen die
Religion nur zufaͤlliger Weiſe an/ e. g. ob die
Theologi auch ihre actus internos recht ex-
ercirten,
es etwas im Lande ſich ereignete/ das
der Religion koͤnte ſchaͤdlich ſeyn u. d. g. Und
ſolche gehoͤrten dem jenigen/ der nechſt der
Hohen Obrigkeit auch Inſpectionem & po-
teſtatem religionis
auf ſich habe. Jch will
dieſe diſtinction auf die Schule appliciren/
damit niemand meyne/ als wolte ich lauter
Freyherren haben. Die externa inſpectio
iſt gar gut/ ob alle Præceptores ihr Ampt ver-
richten/ ob ſie der Jugend einige Bosheit

ge-
G jv
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0157" n="151"/><lb/>
denn die <hi rendition="#aq">præ&#x017F;umptio</hi> wa&#x0364;re da/ daß die guten<lb/>
Leute ihre Handgriffe be&#x017F;&#x017F;er ver&#x017F;tu&#x0364;nden: aber<lb/>
in der Schule mag ie derman &#x017F;to&#x0364;ren/ wer ein<lb/>
Bißgen zu befehlen hat. Die <hi rendition="#aq">Theologi,</hi><lb/>
wenn &#x017F;ie gefragt werden/ wieweit &#x017F;ich ein<lb/>
Fu&#x0364;r&#x017F;t <hi rendition="#aq">vi Superioritatis</hi> in die <hi rendition="#aq">Con&#x017F;i&#x017F;torial-</hi><lb/>
Sachen mit ein zu mi&#x017F;chen habe/ bringen die<lb/><hi rendition="#aq">di&#x017F;tinction</hi> vor/ <hi rendition="#aq">inter actus religionis inter-<lb/>
nos &amp; externos</hi>. Das i&#x017F;t/ etliche Sachen<lb/>
giengen die Religion und Artickel &#x017F;elb&#x017F;t an/<lb/>
und betra&#x0364;ffen ihre Warheit/ die bloß auß der<lb/>
Schrifft mu&#x0364;&#x017F;te&#x0303; <hi rendition="#aq">decidirt</hi> werden/ und &#x017F;olches<lb/>
wa&#x0364;re der&#x017F;elben Ammt/ welche dem <hi rendition="#aq">Studio</hi><lb/>
lang obgelegen/ und von den Fragen <hi rendition="#aq">judici-</hi><lb/>
ren ko&#x0364;nten: Etliche <hi rendition="#fr">S</hi>achen aber giengen die<lb/>
Religion nur zufa&#x0364;lliger Wei&#x017F;e an/ <hi rendition="#aq">e. g.</hi> ob die<lb/><hi rendition="#aq">Theologi</hi> auch ihre <hi rendition="#aq">actus internos</hi> recht <hi rendition="#aq">ex-<lb/>
ercirten,</hi> es etwas im Lande &#x017F;ich ereignete/ das<lb/>
der Religion ko&#x0364;nte &#x017F;cha&#x0364;dlich &#x017F;eyn u. d. g. Und<lb/>
&#x017F;olche geho&#x0364;rten dem jenigen/ der nech&#x017F;t der<lb/>
Hohen Obrigkeit auch <hi rendition="#aq">In&#x017F;pectionem &amp; po-<lb/>
te&#x017F;tatem religionis</hi> auf &#x017F;ich habe. Jch will<lb/>
die&#x017F;e <hi rendition="#aq">di&#x017F;tinction</hi> auf die Schule <hi rendition="#aq">applici</hi>ren/<lb/>
damit niemand meyne/ als wolte ich lauter<lb/>
Freyherren haben. Die <hi rendition="#aq">externa in&#x017F;pectio</hi><lb/>
i&#x017F;t gar gut/ ob alle <hi rendition="#aq">Præceptores</hi> ihr Ampt ver-<lb/>
richten/ ob &#x017F;ie der Jugend einige Bosheit<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">G jv</fw><fw place="bottom" type="catch">ge-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[151/0157] denn die præſumptio waͤre da/ daß die guten Leute ihre Handgriffe beſſer verſtuͤnden: aber in der Schule mag ie derman ſtoͤren/ wer ein Bißgen zu befehlen hat. Die Theologi, wenn ſie gefragt werden/ wieweit ſich ein Fuͤrſt vi Superioritatis in die Conſiſtorial- Sachen mit ein zu miſchen habe/ bringen die diſtinction vor/ inter actus religionis inter- nos & externos. Das iſt/ etliche Sachen giengen die Religion und Artickel ſelbſt an/ und betraͤffen ihre Warheit/ die bloß auß der Schrifft muͤſtẽ decidirt werden/ und ſolches waͤre derſelben Ammt/ welche dem Studio lang obgelegen/ und von den Fragen judici- ren koͤnten: Etliche Sachen aber giengen die Religion nur zufaͤlliger Weiſe an/ e. g. ob die Theologi auch ihre actus internos recht ex- ercirten, es etwas im Lande ſich ereignete/ das der Religion koͤnte ſchaͤdlich ſeyn u. d. g. Und ſolche gehoͤrten dem jenigen/ der nechſt der Hohen Obrigkeit auch Inſpectionem & po- teſtatem religionis auf ſich habe. Jch will dieſe diſtinction auf die Schule appliciren/ damit niemand meyne/ als wolte ich lauter Freyherren haben. Die externa inſpectio iſt gar gut/ ob alle Præceptores ihr Ampt ver- richten/ ob ſie der Jugend einige Bosheit ge- G jv

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe handelt es sich um die 2. Auflage… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/157
Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/157>, abgerufen am 21.04.2019.