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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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wäre. Du Schaum von allen rechtschaffe-
nen Kerlen/ hast du auch so viel Hertze/ daß du
mich provociren kanst/ oder bist du auch so
viel werth/ daß ich deinen Buckel meines
Stockes würdige. Du elende Creatur/ re-
de doch ietzund etwas/ daß ich böse auf dich
werden kan oder schreibe es meiner Barm-
herzigkeit zu/ wofern ich dich nach würden
nicht tractiren kan. Da stund nun der Tür-
ckenstecher/ und hatte alle Boßheit inwendig/
wie die Ziegen das Fett. Nach langem War-
ten/ nahm der andere ihm der Degen auß der
Hand/ und prügelte ihn so zierlich im Hause
herum/ daß der Wirth sich darzwischen legen
muste. Damit war die Comoedie zu Ende/
und hatten die andern das Ansehen umbsonst
gehabt. Als nun Gelanor die tröstliche Hi-
storie erzehlen hörete/ fragten sie weiter/ was
denn der Kerle vor Ursache gehabt/ solch ei-
nen Tumult anzufangen. Da kam einer/
und gab diesen Bericht; der gute Mensch ha-
be sich so sehr in den König von Schweden
verliebt/ daß er nicht leiden könte/ wenn ie-
mand eine widrige Zeitung von demselben er-
zehlen wolte. Weil nun der andere vorgege-
ben/ der König wäre von den Dantzigern auf
die Weichselmünde gefangen geführt wor-

den


waͤre. Du Schaum von allen rechtſchaffe-
nen Kerlen/ haſt du auch ſo viel Hertze/ daß du
mich provociren kanſt/ oder biſt du auch ſo
viel werth/ daß ich deinen Buckel meines
Stockes wuͤrdige. Du elende Creatur/ re-
de doch ietzund etwas/ daß ich boͤſe auf dich
werden kan oder ſchreibe es meiner Barm-
herzigkeit zu/ wofern ich dich nach wuͤrden
nicht tractiren kan. Da ſtund nun der Tuͤr-
ckenſtecher/ und hatte alle Boßheit inwendig/
wie die Ziegen das Fett. Nach langem War-
ten/ nahm der andere ihm der Degen auß der
Hand/ und pruͤgelte ihn ſo zierlich im Hauſe
herum/ daß der Wirth ſich darzwiſchen legen
muſte. Damit war die Comœdie zu Ende/
und hatten die andern das Anſehen umbſonſt
gehabt. Als nun Gelanor die troͤſtliche Hi-
ſtorie erzehlen hoͤrete/ fragten ſie weiter/ was
denn der Kerle vor Urſache gehabt/ ſolch ei-
nen Tumult anzufangen. Da kam einer/
und gab dieſen Bericht; der gute Menſch ha-
be ſich ſo ſehr in den Koͤnig von Schweden
verliebt/ daß er nicht leiden koͤnte/ wenn ie-
mand eine widrige Zeitung von demſelben er-
zehlen wolte. Weil nun der andere vorgege-
ben/ der Koͤnig waͤre von den Dantzigern auf
die Weichſelmuͤnde gefangen gefuͤhrt wor-

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[159/0165] waͤre. Du Schaum von allen rechtſchaffe- nen Kerlen/ haſt du auch ſo viel Hertze/ daß du mich provociren kanſt/ oder biſt du auch ſo viel werth/ daß ich deinen Buckel meines Stockes wuͤrdige. Du elende Creatur/ re- de doch ietzund etwas/ daß ich boͤſe auf dich werden kan oder ſchreibe es meiner Barm- herzigkeit zu/ wofern ich dich nach wuͤrden nicht tractiren kan. Da ſtund nun der Tuͤr- ckenſtecher/ und hatte alle Boßheit inwendig/ wie die Ziegen das Fett. Nach langem War- ten/ nahm der andere ihm der Degen auß der Hand/ und pruͤgelte ihn ſo zierlich im Hauſe herum/ daß der Wirth ſich darzwiſchen legen muſte. Damit war die Comœdie zu Ende/ und hatten die andern das Anſehen umbſonſt gehabt. Als nun Gelanor die troͤſtliche Hi- ſtorie erzehlen hoͤrete/ fragten ſie weiter/ was denn der Kerle vor Urſache gehabt/ ſolch ei- nen Tumult anzufangen. Da kam einer/ und gab dieſen Bericht; der gute Menſch ha- be ſich ſo ſehr in den Koͤnig von Schweden verliebt/ daß er nicht leiden koͤnte/ wenn ie- mand eine widrige Zeitung von demſelben er- zehlen wolte. Weil nun der andere vorgege- ben/ der Koͤnig waͤre von den Dantzigern auf die Weichſelmuͤnde gefangen gefuͤhrt wor- den

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 159. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/165>, abgerufen am 20.04.2019.