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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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tzer Gebürge von Sanct-Gallen biß Sanct-
Görgen Tag/ und wird im Schlaffe so faist/
daß/ wer es nicht gesehen hat/ meynen solte/ es
wär erlogen. Summirum Summarum/
ich nimm darzu die Kräuter Herba, die wach-
sen in dem Land Regio auf dem Berge Mons,
an dem Wasser Aqua, in dem Monat Men-
sis
genannt/ darauß wird mein Salb/ und i wil
kain ehrlicher Mann syn/ wo iemand im Rö-
mische Reiche solch Salb hat. Kommt her
ihr Herre/ käfft in der Zeit/ so habt ihr in der
Noth. Der gleichen lahme Fratzen brachte
er vor/ und erzehlte etliche wunderliche und
ungläubliche Exempel von seinen Curen.
Nichts desto weniger hatten sich viel Leute
umb ihn gesamlet und kaufften ihn fast mit
seinem Krame gantz auß/ denn die Salbe
halff inwendig und außwendig vor alles. U-
ber diß kamen viel Patienten/ und consulir-
ten diesen Herrn Doctor. Einer beschwerete
sich/ er dürffte auf den Abend kaum zwölff
Kannen Vier/ und irgend ein halb Nössel
Brandtewein trincken/ so fühlte ers den fol-
genden Tag immer im Kopffe. Ein ande-
rer klagte/ sein Pferd wäre ihm gestohlen wor-
den/ ob er keine Artzney hätte/ daß er es wie-
der kriegte. Der dritte gab vor seine Elle-

bogen


tzer Gebuͤrge von Sanct-Gallen biß Sanct-
Goͤrgen Tag/ und wird im Schlaffe ſo faiſt/
daß/ wer es nicht geſehen hat/ meynen ſolte/ es
waͤr erlogen. Summirum Summarum/
ich nimm darzu die Kraͤuter Herba, die wach-
ſen in dem Land Regio auf dem Berge Mons,
an dem Waſſer Aqua, in dem Monat Men-
ſis
genañt/ darauß wird mein Salb/ und i wil
kain ehrlicher Mann ſyn/ wo iemand im Roͤ-
miſche Reiche ſolch Salb hat. Kommt her
ihr Herre/ kaͤfft in der Zeit/ ſo habt ihr in der
Noth. Der gleichen lahme Fratzen brachte
er vor/ und erzehlte etliche wunderliche und
unglaͤubliche Exempel von ſeinen Curen.
Nichts deſto weniger hatten ſich viel Leute
umb ihn geſamlet und kaufften ihn faſt mit
ſeinem Krame gantz auß/ denn die Salbe
halff inwendig und außwendig vor alles. U-
ber diß kamen viel Patienten/ und conſulir-
ten dieſen Herrn Doctor. Einer beſchwerete
ſich/ er duͤrffte auf den Abend kaum zwoͤlff
Kannen Vier/ und irgend ein halb Noͤſſel
Brandtewein trincken/ ſo fuͤhlte ers den fol-
genden Tag immer im Kopffe. Ein ande-
rer klagte/ ſein Pferd waͤre ihm geſtohlen wor-
den/ ob er keine Artzney haͤtte/ daß er es wie-
der kriegte. Der dritte gab vor ſeine Elle-

bogen
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[162/0168] tzer Gebuͤrge von Sanct-Gallen biß Sanct- Goͤrgen Tag/ und wird im Schlaffe ſo faiſt/ daß/ wer es nicht geſehen hat/ meynen ſolte/ es waͤr erlogen. Summirum Summarum/ ich nimm darzu die Kraͤuter Herba, die wach- ſen in dem Land Regio auf dem Berge Mons, an dem Waſſer Aqua, in dem Monat Men- ſis genañt/ darauß wird mein Salb/ und i wil kain ehrlicher Mann ſyn/ wo iemand im Roͤ- miſche Reiche ſolch Salb hat. Kommt her ihr Herre/ kaͤfft in der Zeit/ ſo habt ihr in der Noth. Der gleichen lahme Fratzen brachte er vor/ und erzehlte etliche wunderliche und unglaͤubliche Exempel von ſeinen Curen. Nichts deſto weniger hatten ſich viel Leute umb ihn geſamlet und kaufften ihn faſt mit ſeinem Krame gantz auß/ denn die Salbe halff inwendig und außwendig vor alles. U- ber diß kamen viel Patienten/ und conſulir- ten dieſen Herrn Doctor. Einer beſchwerete ſich/ er duͤrffte auf den Abend kaum zwoͤlff Kannen Vier/ und irgend ein halb Noͤſſel Brandtewein trincken/ ſo fuͤhlte ers den fol- genden Tag immer im Kopffe. Ein ande- rer klagte/ ſein Pferd waͤre ihm geſtohlen wor- den/ ob er keine Artzney haͤtte/ daß er es wie- der kriegte. Der dritte gab vor ſeine Elle- bogen

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 162. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/168>, abgerufen am 22.04.2019.