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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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vergossener losen Worte hauptsächlich in die
Büchse blasen müssen/ dadurch sey er von den
schönsten Mitteln so elend herunter kommen.
Der andere Bruder habe Anfangs Theolo-
giam
studiert/ hernachmahls habe er sich in
die Alchimisterey verliebt/ dabey er so viel
Gold gemacht/ daß er ietzund in seinem gan-
tzen Vermögen nicht eines Ducatens mäch-
tig sey. Gelanor sagte/ so büssen die guten
Brüder woll vor ihre Narrheit. Wer hats
den ersten geheissen/ daß er die Richter-Stu-
be ohne Noth beschweret hat. Ach wer
bey den Juristen in die
Information, und
bey den Apoteckern zu Tische geht/ dem
kömmt es ein Jahr über sehr hoch.

Der andere hätte seine Postille davor reiten
mögen/ so hat ihn der Hencker geritten/ daß
er gemeynt hat/ein Hirsch im Walde/sey bes-
ser als der Hase in der Küche. Solche
thumme Geldverderber sind nicht werth/ daß
man sie klagt. Der Wirth gab hierauff
sein Bedencken darzu/ es wäre nicht ohne/ die
guten Leute hätten ihre Sachen besser können
wahrnehmen/ als daß sie nun in diesem Lum-
pen, Städtgen nicht viel herrlicher/ als die
Bauren leben müsten. Doch aber bildete
er sich gäntzlich ein/ es sey GOttes Straffe/

die


vergoſſener loſen Worte hauptſaͤchlich in die
Buͤchſe blaſen muͤſſen/ dadurch ſey er von den
ſchoͤnſten Mitteln ſo elend herunter kommen.
Der andere Bruder habe Anfangs Theolo-
giam
ſtudiert/ hernachmahls habe er ſich in
die Alchimiſterey verliebt/ dabey er ſo viel
Gold gemacht/ daß er ietzund in ſeinem gan-
tzen Vermoͤgen nicht eines Ducatens maͤch-
tig ſey. Gelanor ſagte/ ſo buͤſſen die guten
Bruͤder woll vor ihre Narrheit. Wer hats
den erſten geheiſſen/ daß er die Richter-Stu-
be ohne Noth beſchweret hat. Ach wer
bey den Juriſten in die
Information, und
bey den Apoteckern zu Tiſche geht/ dem
koͤmmt es ein Jahr uͤber ſehr hoch.

Der andere haͤtte ſeine Poſtille davor reiten
moͤgen/ ſo hat ihn der Hencker geritten/ daß
er gemeynt hat/ein Hirſch im Walde/ſey beſ-
ſer als der Haſe in der Kuͤche. Solche
thumme Geldverderber ſind nicht werth/ daß
man ſie klagt. Der Wirth gab hierauff
ſein Bedencken darzu/ es waͤre nicht ohne/ die
guten Leute haͤtten ihre Sachen beſſer koͤnnen
wahrnehmen/ als daß ſie nun in dieſem Lum-
pen, Staͤdtgen nicht viel herrlicher/ als die
Bauren leben muͤſten. Doch aber bildete
er ſich gaͤntzlich ein/ es ſey GOttes Straffe/

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[166/0172] vergoſſener loſen Worte hauptſaͤchlich in die Buͤchſe blaſen muͤſſen/ dadurch ſey er von den ſchoͤnſten Mitteln ſo elend herunter kommen. Der andere Bruder habe Anfangs Theolo- giam ſtudiert/ hernachmahls habe er ſich in die Alchimiſterey verliebt/ dabey er ſo viel Gold gemacht/ daß er ietzund in ſeinem gan- tzen Vermoͤgen nicht eines Ducatens maͤch- tig ſey. Gelanor ſagte/ ſo buͤſſen die guten Bruͤder woll vor ihre Narrheit. Wer hats den erſten geheiſſen/ daß er die Richter-Stu- be ohne Noth beſchweret hat. Ach wer bey den Juriſten in die Information, und bey den Apoteckern zu Tiſche geht/ dem koͤmmt es ein Jahr uͤber ſehr hoch. Der andere haͤtte ſeine Poſtille davor reiten moͤgen/ ſo hat ihn der Hencker geritten/ daß er gemeynt hat/ein Hirſch im Walde/ſey beſ- ſer als der Haſe in der Kuͤche. Solche thumme Geldverderber ſind nicht werth/ daß man ſie klagt. Der Wirth gab hierauff ſein Bedencken darzu/ es waͤre nicht ohne/ die guten Leute haͤtten ihre Sachen beſſer koͤnnen wahrnehmen/ als daß ſie nun in dieſem Lum- pen, Staͤdtgen nicht viel herrlicher/ als die Bauren leben muͤſten. Doch aber bildete er ſich gaͤntzlich ein/ es ſey GOttes Straffe/ die

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 166. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/172>, abgerufen am 19.04.2019.