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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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ihn auß dem Gedränge heraußgerissen/ und
mit sich in das Wirthshaus zur'Apfelkammer
geführet hantte. Gelanor sagte hierauff/ er
hätte nur gemeint/ es wären solche Schnap-
häne in grossen Städten anzutreffen. Da
habe er sich offt verwundert/ warum ein Men-
sche seinem eigenem Glücke so feind sey/ daß er
sich dem Beutelschneider-Leben so unbesonnen
ergeben könne. Bey einem Herrn wolle man-
cher nicht ein loses Wort einfressen/ da er doch
alle Beförderung von ihm zu gewarten hät-
te; hingegen liesse er sich hernach die Bauern
lahm und ungesund prügeln/ und müste wohl
darzu gewärtig seyn/ daß er mit einem gnädi-
gen Staupbesen zum überfluß bedacht würde:
Der Wirth kehrte sich weg/ und stellte sich als
wäre im Hause etwas zu befehlen/ denn er hat-
te auch einen Vetter/ der zu Hamburg auf dem
Kack etliche Ballette getantzt hatte.

CAP. XIX.

GElanor gieng also auch vom Fenster hin-
weg und gieng hinunter in das Haus/ da
stund der Hausknecht und weinte bittere Zäh-
ren/ Eurylas, der dabey war/ fragte was ihm
zu Leide geschehen wäre. Ach ihr Herren/

sagte


ihn auß dem Gedraͤnge heraußgeriſſen/ und
mit ſich in das Wirthshaus zur’Apfelkammer
gefuͤhret hātte. Gelanor ſagte hierauff/ er
haͤtte nur gemeint/ es waͤren ſolche Schnap-
haͤne in groſſen Staͤdten anzutreffen. Da
habe er ſich offt verwundert/ warum ein Men-
ſche ſeinem eigenem Gluͤcke ſo feind ſey/ daß er
ſich dem Beutelſchneider-Leben ſo unbeſonnen
ergeben koͤnne. Bey einem Herrn wolle man-
cher nicht ein loſes Wort einfreſſen/ da er doch
alle Befoͤrderung von ihm zu gewarten haͤt-
te; hingegen lieſſe er ſich hernach die Bauern
lahm und ungeſund pruͤgeln/ und muͤſte wohl
darzu gewaͤrtig ſeyn/ daß er mit einem gnaͤdi-
gen Staupbeſen zum uͤberfluß bedacht wuͤrde:
Der Wirth kehrte ſich weg/ und ſtellte ſich als
waͤre im Hauſe etwas zu befehlen/ denn er hat-
te auch einen Vetter/ der zu Hamburg auf dem
Kack etliche Ballette getantzt hatte.

CAP. XIX.

GElanor gieng alſo auch vom Fenſter hin-
weg und gieng hinunter in das Haus/ da
ſtund der Hausknecht und weinte bittere Zaͤh-
ren/ Eurylas, der dabey war/ fragte was ihm
zu Leide geſchehen waͤre. Ach ihr Herren/

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[170/0176] ihn auß dem Gedraͤnge heraußgeriſſen/ und mit ſich in das Wirthshaus zur’Apfelkammer gefuͤhret hātte. Gelanor ſagte hierauff/ er haͤtte nur gemeint/ es waͤren ſolche Schnap- haͤne in groſſen Staͤdten anzutreffen. Da habe er ſich offt verwundert/ warum ein Men- ſche ſeinem eigenem Gluͤcke ſo feind ſey/ daß er ſich dem Beutelſchneider-Leben ſo unbeſonnen ergeben koͤnne. Bey einem Herrn wolle man- cher nicht ein loſes Wort einfreſſen/ da er doch alle Befoͤrderung von ihm zu gewarten haͤt- te; hingegen lieſſe er ſich hernach die Bauern lahm und ungeſund pruͤgeln/ und muͤſte wohl darzu gewaͤrtig ſeyn/ daß er mit einem gnaͤdi- gen Staupbeſen zum uͤberfluß bedacht wuͤrde: Der Wirth kehrte ſich weg/ und ſtellte ſich als waͤre im Hauſe etwas zu befehlen/ denn er hat- te auch einen Vetter/ der zu Hamburg auf dem Kack etliche Ballette getantzt hatte. CAP. XIX. GElanor gieng alſo auch vom Fenſter hin- weg und gieng hinunter in das Haus/ da ſtund der Hausknecht und weinte bittere Zaͤh- ren/ Eurylas, der dabey war/ fragte was ihm zu Leide geſchehen waͤre. Ach ihr Herren/ ſagte

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 170. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/176>, abgerufen am 22.04.2019.