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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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ward der Praeceptor Classicus genant/ der
Cantor, Baccalarius, und infima & suprema
Collega
zugleich war) gemeint/ es sey genug
wenn er schriebe Ehrenwohlgeachter. Nun
sey der Groschen vergebens außgegeben/ da
der Steiß-Paucker vor das Geld hantte Edel
und Wohl-Ehrenvest können hinschreiben.
Eurylas sprach ihm Trost zu/ er solte sich zu
frieden geben/ wenn es ja an Gevattern man-
gelte/ so hätten sie einen Mahler bey sich/ der
das Christliche Werck auf sich nehmen könte.
Der Hausknecht wolte sich noch nicht zu frie-
den geben/ biß er einen andren Brieff geschrie-
ben/ und seinen außerlesenen Gevatter versöh-
net hätte; da nam Eurylas den Mahler und
dictirte ihm folgenden Brieff.

Edler/ Wohl-Ehrenvefter/ Großachtba-
rer/ Hochbenahmter/ Hoch- und Wohl-
Mannhaffter/ Hoch-Ehren-Wohlge-
achter und Hocherbarer Herr.

Eurer Edlen und Wohl-Ehrenvesten
Herrligkeit kan ich nicht bergen/ daß meine
Tugendsame Hausehre die Christliche Kir-
che mit einer Männlichen Person vermehret.
Wenn ich denn auß tragendem väterlichen
Ampte mich nach vornehmen Paten ümbse-
hen muß/ Und aber Eure Edle Wohl-Ehren-

veste


ward der Præceptor Claſſicus genant/ der
Cantor, Baccalarius, und infima & ſuprema
Collega
zugleich war) gemeint/ es ſey genug
wenn er ſchriebe Ehrenwohlgeachter. Nun
ſey der Groſchen vergebens außgegeben/ da
der Steiß-Paucker vor das Geld hãtte Edel
und Wohl-Ehrenveſt koͤnnen hinſchreiben.
Eurylas ſprach ihm Troſt zu/ er ſolte ſich zu
frieden geben/ wenn es ja an Gevattern man-
gelte/ ſo haͤtten ſie einen Mahler bey ſich/ der
das Chriſtliche Werck auf ſich nehmen koͤnte.
Der Hausknecht wolte ſich noch nicht zu frie-
den geben/ biß er einen andren Brieff geſchrie-
ben/ und ſeinen außerleſenen Gevatter verſoͤh-
net haͤtte; da nam Eurylas den Mahler und
dictirte ihm folgenden Brieff.

Edler/ Wohl-Ehrenvefter/ Großachtba-
rer/ Hochbenahmter/ Hoch- und Wohl-
Mannhaffter/ Hoch-Ehren-Wohlge-
achter und Hocherbarer Herr.

Eurer Edlen und Wohl-Ehrenveſten
Herrligkeit kan ich nicht bergen/ daß meine
Tugendſame Hausehre die Chriſtliche Kir-
che mit einer Maͤnnlichen Perſon vermehret.
Wenn ich denn auß tragendem vaͤterlichen
Ampte mich nach vornehmen Paten uͤmbſe-
hen muß/ Und aber Eure Edle Wohl-Ehren-

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[172/0178] ward der Præceptor Claſſicus genant/ der Cantor, Baccalarius, und infima & ſuprema Collega zugleich war) gemeint/ es ſey genug wenn er ſchriebe Ehrenwohlgeachter. Nun ſey der Groſchen vergebens außgegeben/ da der Steiß-Paucker vor das Geld hãtte Edel und Wohl-Ehrenveſt koͤnnen hinſchreiben. Eurylas ſprach ihm Troſt zu/ er ſolte ſich zu frieden geben/ wenn es ja an Gevattern man- gelte/ ſo haͤtten ſie einen Mahler bey ſich/ der das Chriſtliche Werck auf ſich nehmen koͤnte. Der Hausknecht wolte ſich noch nicht zu frie- den geben/ biß er einen andren Brieff geſchrie- ben/ und ſeinen außerleſenen Gevatter verſoͤh- net haͤtte; da nam Eurylas den Mahler und dictirte ihm folgenden Brieff. Edler/ Wohl-Ehrenvefter/ Großachtba- rer/ Hochbenahmter/ Hoch- und Wohl- Mannhaffter/ Hoch-Ehren-Wohlge- achter und Hocherbarer Herr. Eurer Edlen und Wohl-Ehrenveſten Herrligkeit kan ich nicht bergen/ daß meine Tugendſame Hausehre die Chriſtliche Kir- che mit einer Maͤnnlichen Perſon vermehret. Wenn ich denn auß tragendem vaͤterlichen Ampte mich nach vornehmen Paten uͤmbſe- hen muß/ Und aber Eure Edle Wohl-Ehren- veſte

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/178>, S. 172, abgerufen am 18.11.2017.