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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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gaß auch nichts in Obacht zu nehmen/ wie es
vorgeschrieben war. Nach langer Müh kam
er auf die Gemächer/ die er mit allerhand
Schildereyen außputzen solte/ wie denn alle In-
ventiones
schon vorgeschrieben waren. Und
da war ein Saal/ bey dem die Verordnung
geschehen/ es solten in den drey grossen
Feldern der Thüre gegen über die drey
ärgsten Narren auf der Welt abge-
mahlet werden.
Jn diesem Stück erei-
gneten sich nun grosse Scrupel/ indem nie-
mand gewiß sagen konte/ welches denn eben
in der grossen und weitläufftigen Narrenschu-
le der Welt/ die 3. grösten und vornehmsten
Narren seyn müsten/ und ob nicht auf allen
Fall/ wenn ein Schluß solte getroffen werden/
man einen praecedentz Streit um die Narren-
Kappe/ oder wohl gar einen injurien-proceß
möchte an den Hals bekommen/ nach dem be-
kanten Sprichwort: Quo stultior, eo su-
perbior.
Es fiel auch dieses inconveniens
mit ein/ daß einer/ der ietzund ein kleiner Narr
wäre/ in kurtzer Zeit mit einer höhern Charge
möchte versehen/ und vielleicht über die Ober-
sten gesetzet werden. Denn weil heute zu Ta-
ge die Ehre nichts ist als ein blosser Titel/ so
könte man leicht verstehen was das heist/ Senio-
res ludunt titulis, ut pueriastragulis.
Zwar

der


gaß auch nichts in Obacht zu nehmen/ wie es
vorgeſchrieben war. Nach langer Muͤh kam
er auf die Gemaͤcher/ die er mit allerhand
Schildeꝛeyen außputzen ſolte/ wie denn alle In-
ventiones
ſchon vorgeſchrieben waren. Und
da war ein Saal/ bey dem die Verordnung
geſchehen/ es ſolten in den drey groſſen
Feldern der Thuͤre gegen uͤber die drey
aͤrgſten Narren auf der Welt abge-
mahlet werden.
Jn dieſem Stuͤck erei-
gneten ſich nun groſſe Scrupel/ indem nie-
mand gewiß ſagen konte/ welches denn eben
in der groſſen und weitlaͤufftigen Narrenſchu-
le der Welt/ die 3. groͤſten und vornehmſten
Narren ſeyn muͤſten/ und ob nicht auf allen
Fall/ wenn ein Schluß ſolte getroffen werden/
man einen præcedentz Streit um die Narren-
Kappe/ oder wohl gar einen injurien-proceß
moͤchte an den Hals bekommen/ nach dem be-
kanten Sprichwort: Quo ſtultior, eò ſu-
perbior.
Es fiel auch dieſes inconveniens
mit ein/ daß einer/ der ietzund ein kleiner Narr
waͤre/ in kurtzer Zeit mit einer hoͤhern Charge
moͤchte verſehen/ und vielleicht uͤber die Ober-
ſten geſetzet werden. Denn weil heute zu Ta-
ge die Ehre nichts iſt als ein bloſſer Titel/ ſo
koͤnte man leicht verſtehẽ was das heiſt/ Senio-
reſ ludunt titulis, ut pueriaſtragulis.
Zwar

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[12/0018] gaß auch nichts in Obacht zu nehmen/ wie es vorgeſchrieben war. Nach langer Muͤh kam er auf die Gemaͤcher/ die er mit allerhand Schildeꝛeyen außputzen ſolte/ wie denn alle In- ventiones ſchon vorgeſchrieben waren. Und da war ein Saal/ bey dem die Verordnung geſchehen/ es ſolten in den drey groſſen Feldern der Thuͤre gegen uͤber die drey aͤrgſten Narren auf der Welt abge- mahlet werden. Jn dieſem Stuͤck erei- gneten ſich nun groſſe Scrupel/ indem nie- mand gewiß ſagen konte/ welches denn eben in der groſſen und weitlaͤufftigen Narrenſchu- le der Welt/ die 3. groͤſten und vornehmſten Narren ſeyn muͤſten/ und ob nicht auf allen Fall/ wenn ein Schluß ſolte getroffen werden/ man einen præcedentz Streit um die Narren- Kappe/ oder wohl gar einen injurien-proceß moͤchte an den Hals bekommen/ nach dem be- kanten Sprichwort: Quo ſtultior, eò ſu- perbior. Es fiel auch dieſes inconveniens mit ein/ daß einer/ der ietzund ein kleiner Narr waͤre/ in kurtzer Zeit mit einer hoͤhern Charge moͤchte verſehen/ und vielleicht uͤber die Ober- ſten geſetzet werden. Denn weil heute zu Ta- ge die Ehre nichts iſt als ein bloſſer Titel/ ſo koͤnte man leicht verſtehẽ was das heiſt/ Senio- reſ ludunt titulis, ut pueriaſtragulis. Zwar der

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/18>, abgerufen am 18.03.2019.