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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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und sagte die rechte Wahrheit: da fieng der
Fincken-Ritter an/ ich sehe es/ du bist ausser
Schuld/ denn du kanst/ nicht lesen/ da hastu ein
Gold gülden Patengeld/ unser Haus-Knecht
soll vor mich stehen/ aber morgen will ich zu
euch zum Biere kommen/ und da will ich dem
Schreiber seine Arbeit gesegnen. Der Knecht
referirte solches dem Eurylas, der war uner-
schrocken/ und vexierte unterdessen den Mah-
ler/ als welchen immer leid war/ daß man ihn
in der Patschke stecken lasse. Denn ob/ sie
zwar nicht Willens gewesen/ sich an dem Or-
te lang auf zu halten/ war doch ein Pferd ver-
nagelt worden/ daß sie also wieder ihren Wil-
len dem Thiere seine Ruh gönnen musten. Der
morgende Tag kam/ das Mittagsmahl war
fertig/ als sich der Edle Wohl-Ehrenveste
Herr Ober Stiefel Inspector einstellete. Er
hatte eine braune Kappe an/ und ein elend Ca-
misol darunter/ das hieb und stich frey war:
an der Seite hieng eine breite Blötze/ damit
er auf einen Hieb sieben Krautköpfe hätte kön-
nen abhauen. Ein Junge muste ihm einen
Säbel nachtragen/ der so schrecklich außsah/
daß einem von dem ersten Anblicke hätte mögen
der Kopff vor die Füsse fallen.

Mit einem Worte alles zu begreiffen/ dem

Eury-


und ſagte die rechte Wahrheit: da fieng der
Fincken-Ritter an/ ich ſehe es/ du biſt auſſer
Schuld/ denn du kanſt/ nicht leſen/ da haſtu ein
Gold guͤlden Patengeld/ unſer Haus-Knecht
ſoll vor mich ſtehen/ aber morgen will ich zu
euch zum Biere kommen/ und da will ich dem
Schreiber ſeine Arbeit geſegnen. Der Knecht
referirte ſolches dem Eurylas, der war uner-
ſchrocken/ und vexierte unterdeſſen den Mah-
ler/ als welchen immer leid war/ daß man ihn
in der Patſchke ſtecken laſſe. Denn ob/ ſie
zwar nicht Willens geweſen/ ſich an dem Or-
te lang auf zu halten/ war doch ein Pferd ver-
nagelt worden/ daß ſie alſo wieder ihren Wil-
len dem Thiere ſeine Ruh goͤnnen muſten. Der
morgende Tag kam/ das Mittagsmahl war
fertig/ als ſich der Edle Wohl-Ehrenveſte
Herr Ober Stiefel Inſpector einſtellete. Er
hatte eine braune Kappe an/ und ein elend Ca-
miſol darunter/ das hieb und ſtich frey war:
an der Seite hieng eine breite Bloͤtze/ damit
er auf einen Hieb ſieben Krautkoͤpfe haͤtte koͤn-
nen abhauen. Ein Junge muſte ihm einen
Saͤbel nachtragen/ der ſo ſchrecklich außſah/
daß einem von dem eꝛſten Anblicke haͤtte moͤgen
der Kopff vor die Fuͤſſe fallen.

Mit einem Worte alles zu begreiffen/ dem

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[174/0180] und ſagte die rechte Wahrheit: da fieng der Fincken-Ritter an/ ich ſehe es/ du biſt auſſer Schuld/ denn du kanſt/ nicht leſen/ da haſtu ein Gold guͤlden Patengeld/ unſer Haus-Knecht ſoll vor mich ſtehen/ aber morgen will ich zu euch zum Biere kommen/ und da will ich dem Schreiber ſeine Arbeit geſegnen. Der Knecht referirte ſolches dem Eurylas, der war uner- ſchrocken/ und vexierte unterdeſſen den Mah- ler/ als welchen immer leid war/ daß man ihn in der Patſchke ſtecken laſſe. Denn ob/ ſie zwar nicht Willens geweſen/ ſich an dem Or- te lang auf zu halten/ war doch ein Pferd ver- nagelt worden/ daß ſie alſo wieder ihren Wil- len dem Thiere ſeine Ruh goͤnnen muſten. Der morgende Tag kam/ das Mittagsmahl war fertig/ als ſich der Edle Wohl-Ehrenveſte Herr Ober Stiefel Inſpector einſtellete. Er hatte eine braune Kappe an/ und ein elend Ca- miſol darunter/ das hieb und ſtich frey war: an der Seite hieng eine breite Bloͤtze/ damit er auf einen Hieb ſieben Krautkoͤpfe haͤtte koͤn- nen abhauen. Ein Junge muſte ihm einen Saͤbel nachtragen/ der ſo ſchrecklich außſah/ daß einem von dem eꝛſten Anblicke haͤtte moͤgen der Kopff vor die Fuͤſſe fallen. Mit einem Worte alles zu begreiffen/ dem Eury-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 174. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/180>, abgerufen am 25.04.2019.