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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Eurylas war zu muthe/ als wenn ihm die Tür-
cken und Tartarn wären zu gleich ins Land
gefallen. Gelanor und Florindo stellten
sich gantz unbekant/ und assen vor sich fort/
ingleichen machte Eurylas auch nicht viel
Wesens. Nun war dem guten Stümper/
welcher vor dießmahl Horribilicribrifax heis-
sen mag/ immer leid/ die Gäste möchten etwan
nicht wissen/ wer er wäre/ und möchten dan-
nenhero vor seinem Zorne nicht gar zu hoch er-
schrecken: Gleichwohl aber wolte sich kein
Discurs fügen/ dabey er seine Heldenmässige
Thaten hätte angebracht. Darum mußte
er sich mit des Wirths Sohn einlassen/ der
sich auf der nechsten Schule sonsten auffh[ielt]
und dazumal zu dem Hr. Vater in pat[r]iam
verreiset war: Junge sagte er zu seinem S[e]r-
viteur,
wo hast du meinen Säbel/ bring ihn
nur in der Scheide her/ zeuch ihn nicht auß/ du
möchtest Schaden thun. Hiemit wandte er
sich zu dem jungen Lappen/ der viel wuste/ was
der Krieg vor ein Ding wäre/ und sagte:
Das ist ein Säbel/ der mir im Polnischen Krie-
ge Dienste gethan hat. Jch wolte ihm so
viel Ducaten gönnen/ so viel als Tartar-
Köpffe davor abgeflogen sind. Jch ward bey
der köstlichen Klinge des Blutvergiessens so

ge-
H jv


Eurylas war zu muthe/ als wenn ihm die Tuͤr-
cken und Tartarn waͤren zu gleich ins Land
gefallen. Gelanor und Florindo ſtellten
ſich gantz unbekant/ und aſſen vor ſich fort/
ingleichen machte Eurylas auch nicht viel
Weſens. Nun war dem guten Stuͤmper/
welcher vor dießmahl Horribilicribrifax heiſ-
ſen mag/ immer leid/ die Gaͤſte moͤchten etwan
nicht wiſſen/ wer er waͤre/ und moͤchten dan-
nenhero vor ſeinem Zorne nicht gar zu hoch er-
ſchrecken: Gleichwohl aber wolte ſich kein
Diſcurs fuͤgen/ dabey er ſeine Heldenmaͤſſige
Thaten haͤtte angebracht. Darum mußte
er ſich mit des Wirths Sohn einlaſſen/ der
ſich auf der nechſten Schule ſonſten auffh[ielt]
und dazumal zu dem Hr. Vater in pat[r]iam
verreiſet war: Junge ſagte er zu ſeinem S[e]r-
viteur,
wo haſt du meinen Saͤbel/ bring ihn
nur in der Scheide her/ zeuch ihn nicht auß/ du
moͤchteſt Schaden thun. Hiemit wandte er
ſich zu dem jungen Lappen/ der viel wuſte/ was
der Krieg vor ein Ding waͤre/ und ſagte:
Das iſt ein Saͤbel/ der mir im Polniſchẽ Krie-
ge Dienſte gethan hat. Jch wolte ihm ſo
viel Ducaten goͤnnen/ ſo viel als Tartar-
Koͤpffe davor abgeflogen ſind. Jch ward bey
der koͤſtlichen Klinge des Blutvergieſſens ſo

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H jv
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[175/0181] Eurylas war zu muthe/ als wenn ihm die Tuͤr- cken und Tartarn waͤren zu gleich ins Land gefallen. Gelanor und Florindo ſtellten ſich gantz unbekant/ und aſſen vor ſich fort/ ingleichen machte Eurylas auch nicht viel Weſens. Nun war dem guten Stuͤmper/ welcher vor dießmahl Horribilicribrifax heiſ- ſen mag/ immer leid/ die Gaͤſte moͤchten etwan nicht wiſſen/ wer er waͤre/ und moͤchten dan- nenhero vor ſeinem Zorne nicht gar zu hoch er- ſchrecken: Gleichwohl aber wolte ſich kein Diſcurs fuͤgen/ dabey er ſeine Heldenmaͤſſige Thaten haͤtte angebracht. Darum mußte er ſich mit des Wirths Sohn einlaſſen/ der ſich auf der nechſten Schule ſonſten auffhielt und dazumal zu dem Hr. Vater in patriam verreiſet war: Junge ſagte er zu ſeinem Ser- viteur, wo haſt du meinen Saͤbel/ bring ihn nur in der Scheide her/ zeuch ihn nicht auß/ du moͤchteſt Schaden thun. Hiemit wandte er ſich zu dem jungen Lappen/ der viel wuſte/ was der Krieg vor ein Ding waͤre/ und ſagte: Das iſt ein Saͤbel/ der mir im Polniſchẽ Krie- ge Dienſte gethan hat. Jch wolte ihm ſo viel Ducaten goͤnnen/ ſo viel als Tartar- Koͤpffe davor abgeflogen ſind. Jch ward bey der koͤſtlichen Klinge des Blutvergieſſens ſo ge- H jv

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 175. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/181>, abgerufen am 21.04.2019.