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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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nicht mehr vor seinen Compagnon erkennen/
wo er den Schimpff nicht revengirte. Hor[-]
ribilicribrifax
versetzte/ er wüste nichts davon/
doch wolte er es keinem rathen/ daß er sich an
ihn machte/ wenn er nicht sein Leben in Gefahr
setzen wolte. Eurylas kriegte hierauff den
Mahler bey dem Flägel/ und sagte/ wie sitzt ihr
da/ als wenn ihr eure drey Pfund allein behal-
ten wollet/ macht fort/ und schmeist euren Ver-
räther an den Hals/ oder der kleinste Junge/
den ich auf der Gasse finde/ soll euch Nasen-
stüber geben. Habt ihr ihm gestern zur Bra-
vade
einen Brieff schreiben können/ so trettet
ihm auch heute unter das Gesichte. Jndem
sich nun der Mahler besann/ ob er sich in Leib-
und Lebens Gefahr wagen wolte/ gieng der
andere mit rechten Bachmattß-Schritten zu
der Stube hinauß. Und wie der Hausknecht
erzehlte/ hatte er vorgegeben/ er wäre über-
mannet gewesen/ und wüste wohl/ wie hoch ein
Todschlag gestraffet würde/ wenn man ihn
noch so raisonable begangen hätte; doch solte
ihm einer auß der gantzen Compagnie im
Kriege begegnen/ er wolte ihm den Säbel zu ko-
[st]en geben. Ho ho! sagte Eurylas, haben wir
solang noch Zeit/ so vexiren wir den Mosco-
witer noch einmahl. Damit redte einer dieß/

der


nicht mehr vor ſeinen Compagnon erkennen/
wo er den Schimpff nicht revengirte. Hor[-]
ribilicribrifax
verſetzte/ er wuͤſte nichts davon/
doch wolte er es keinem rathen/ daß er ſich an
ihn machte/ wenn er nicht ſein Leben in Gefahr
ſetzen wolte. Eurylas kriegte hierauff den
Mahler bey dem Flaͤgel/ und ſagte/ wie ſitzt ihr
da/ als wenn ihr eure drey Pfund allein behal-
ten wollet/ macht fort/ und ſchmeiſt euren Ver-
raͤther an den Hals/ oder der kleinſte Junge/
den ich auf der Gaſſe finde/ ſoll euch Naſen-
ſtuͤber geben. Habt ihr ihm geſtern zur Bra-
vade
einen Brieff ſchreiben koͤnnen/ ſo trettet
ihm auch heute unter das Geſichte. Jndem
ſich nun der Mahler beſann/ ob er ſich in Leib-
und Lebens Gefahr wagen wolte/ gieng der
andere mit rechten Bachmattß-Schritten zu
der Stube hinauß. Und wie der Hausknecht
erzehlte/ hatte er vorgegeben/ er waͤre uͤber-
mannet geweſen/ und wuͤſte wohl/ wie hoch ein
Todſchlag geſtraffet wuͤrde/ wenn man ihn
noch ſo raiſonable begangen haͤtte; doch ſolte
ihm einer auß der gantzen Compagnie im
Kriege begegnẽ/ er wolte ihm den Saͤbel zu ko-
[ſt]en geben. Ho ho! ſagte Eurylas, haben wir
ſolang noch Zeit/ ſo vexiren wir den Moſco-
witer noch einmahl. Damit redte einer dieß/

der
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[180/0186] nicht mehr vor ſeinen Compagnon erkennen/ wo er den Schimpff nicht revengirte. Hor- ribilicribrifax verſetzte/ er wuͤſte nichts davon/ doch wolte er es keinem rathen/ daß er ſich an ihn machte/ wenn er nicht ſein Leben in Gefahr ſetzen wolte. Eurylas kriegte hierauff den Mahler bey dem Flaͤgel/ und ſagte/ wie ſitzt ihr da/ als wenn ihr eure drey Pfund allein behal- ten wollet/ macht fort/ und ſchmeiſt euren Ver- raͤther an den Hals/ oder der kleinſte Junge/ den ich auf der Gaſſe finde/ ſoll euch Naſen- ſtuͤber geben. Habt ihr ihm geſtern zur Bra- vade einen Brieff ſchreiben koͤnnen/ ſo trettet ihm auch heute unter das Geſichte. Jndem ſich nun der Mahler beſann/ ob er ſich in Leib- und Lebens Gefahr wagen wolte/ gieng der andere mit rechten Bachmattß-Schritten zu der Stube hinauß. Und wie der Hausknecht erzehlte/ hatte er vorgegeben/ er waͤre uͤber- mannet geweſen/ und wuͤſte wohl/ wie hoch ein Todſchlag geſtraffet wuͤrde/ wenn man ihn noch ſo raiſonable begangen haͤtte; doch ſolte ihm einer auß der gantzen Compagnie im Kriege begegnẽ/ er wolte ihm den Saͤbel zu ko- ſten geben. Ho ho! ſagte Eurylas, haben wir ſolang noch Zeit/ ſo vexiren wir den Moſco- witer noch einmahl. Damit redte einer dieß/ der

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 180. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/186>, abgerufen am 22.04.2019.