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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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te er die Ermelbannder anders: bald war ihm
die Schleiffe auf gefahren/ damit er die Haa-
re biß an die Ohren auffgebunden hatte; Bald
nahm er den Hut/ und drehte ihn auf dem Fin-
ger etliche mahl herumb. Als sie ins Wirths-
Haus kamen/ und die andern ihre Messer und
Gabel außzogen/ grieff dieser mit allen Fünf-
fen in den Salat/ und machte sonst abscheuli-
che Gauckelpossen. Endlich tadelte er das
Brod/ es wäre nicht recht außgebacken/ in
Franckreich könte man schön Brod backen:
da sagte der Alte: Ach du elender Teufel/ das
Brod ist länger im Backofen gewesen/ als du
in Franckreich. Da merckten die anderen/
daß der Kerl ein gereister Monsieur wär/ und
daß er eben deßwegen so liederlich gethan/ daß
man ihm die Frantzösische Reise ansehen solte.
Darneben observirten sie/ daß der gute
Mensch vielleicht auf der Post durch Pariß
möchte geritten seyn/ wie jener/ der beklagte
sich/ es hülffe ihm nichts/ daß er auf Pariß ge-
zogen wäre/ denn es wäre zu seiner Zeit so fin-
ster drinn gewesen/ daß man kein Hauß von
dem andern unterscheiden können. Und als
man nachfragte/ war der Postilion gleich in
der Mitternacht mit ihm durch passirt/ als der
Mond im letzten Viertel gewesen. Doch

war


te er die Ermelbānder anders: bald war ihm
die Schleiffe auf gefahren/ damit er die Haa-
re biß an die Ohren auffgebunden hatte; Bald
nahm er den Hut/ und drehte ihn auf dem Fin-
ger etliche mahl herumb. Als ſie ins Wirths-
Haus kamen/ und die andern ihre Meſſer und
Gabel außzogen/ grieff dieſer mit allen Fuͤnf-
fen in den Salat/ und machte ſonſt abſcheuli-
che Gauckelpoſſen. Endlich tadelte er das
Brod/ es waͤre nicht recht außgebacken/ in
Franckreich koͤnte man ſchoͤn Brod backen:
da ſagte der Alte: Ach du elender Teufel/ das
Brod iſt laͤnger im Backofen geweſen/ als du
in Franckreich. Da merckten die anderen/
daß der Kerl ein gereiſter Monſieur waͤr/ und
daß er eben deßwegen ſo liederlich gethan/ daß
man ihm die Frantzoͤſiſche Reiſe anſehen ſolte.
Darneben obſervirten ſie/ daß der gute
Menſch vielleicht auf der Poſt durch Pariß
moͤchte geritten ſeyn/ wie jener/ der beklagte
ſich/ es huͤlffe ihm nichts/ daß er auf Pariß ge-
zogen waͤre/ denn es waͤre zu ſeiner Zeit ſo fin-
ſter drinn geweſen/ daß man kein Hauß von
dem andern unterſcheiden koͤnnen. Und als
man nachfragte/ war der Poſtilion gleich in
der Mitternacht mit ihm durch paſſirt/ als der
Mond im letzten Viertel geweſen. Doch

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[183/0189] te er die Ermelbānder anders: bald war ihm die Schleiffe auf gefahren/ damit er die Haa- re biß an die Ohren auffgebunden hatte; Bald nahm er den Hut/ und drehte ihn auf dem Fin- ger etliche mahl herumb. Als ſie ins Wirths- Haus kamen/ und die andern ihre Meſſer und Gabel außzogen/ grieff dieſer mit allen Fuͤnf- fen in den Salat/ und machte ſonſt abſcheuli- che Gauckelpoſſen. Endlich tadelte er das Brod/ es waͤre nicht recht außgebacken/ in Franckreich koͤnte man ſchoͤn Brod backen: da ſagte der Alte: Ach du elender Teufel/ das Brod iſt laͤnger im Backofen geweſen/ als du in Franckreich. Da merckten die anderen/ daß der Kerl ein gereiſter Monſieur waͤr/ und daß er eben deßwegen ſo liederlich gethan/ daß man ihm die Frantzoͤſiſche Reiſe anſehen ſolte. Darneben obſervirten ſie/ daß der gute Menſch vielleicht auf der Poſt durch Pariß moͤchte geritten ſeyn/ wie jener/ der beklagte ſich/ es huͤlffe ihm nichts/ daß er auf Pariß ge- zogen waͤre/ denn es waͤre zu ſeiner Zeit ſo fin- ſter drinn geweſen/ daß man kein Hauß von dem andern unterſcheiden koͤnnen. Und als man nachfragte/ war der Poſtilion gleich in der Mitternacht mit ihm durch paſſirt/ als der Mond im letzten Viertel geweſen. Doch war

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 183. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/189>, abgerufen am 22.04.2019.