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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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währen. Eurylas sagte; der wunderliche
Kautz habe wohl verdienet/ daß man ihn et-
was vexirte/ der Alte war es wohl zu frieden.
Derhalben/ als sie wieder zusammen in die
Kutsche sassen/ fiengen sie darvon an zu reden/
wie das dieser Sausewind in keiner Sache
beständig wäre/ als in seiner Unbeständigkeit.
Er entschuldigre sich/ und wuste seine Ursa-
chen recht vernünfftig und nachdencklich an-
zuführen. Denn als Eurylas fragte/ wa-
rumb er sein Studieren nicht fortgesetzt/ so
erzehlte er seinen gantzen Lebenslauff. Jch
solte/ sagte er/ freylich studieren/ und einen Ju-
risten abgeben/ aber ich bedachte dieß/ wie
leicht könte ich eine Sache wider einen Edel-
mann gewinnen/ der mirs nachtrüge/ und mir
wohl gar einen Fang mit dem kalten Eisen
gäbe: Oder wenn ich im Winter einen Ter-
min hätte/ und stolperte mein Pferd auf dem
Eise/ daß mir das Bein im Stieffel zerbrä-
che/ und niemand wäre bey mir/ müste ich
nicht als ein Hund verderben? Oder wenn
ich von meinen Clienten tractirt würde/ daß
ich in der Nacht reisen müste/ und führte mich
ein Jrrwisch in das Wasser; Nein/ nein/ ich
möchte nicht. Die Kauffmannschafft beliebte
mir/ aber in wenig Wochen fiel mir ein/ sieh

da/


waͤhren. Eurylas ſagte; der wunderliche
Kautz habe wohl verdienet/ daß man ihn et-
was vexirte/ der Alte war es wohl zu frieden.
Derhalben/ als ſie wieder zuſammen in die
Kutſche ſaſſen/ fiengen ſie darvon an zu reden/
wie das dieſer Sauſewind in keiner Sache
beſtaͤndig waͤre/ als in ſeiner Unbeſtaͤndigkeit.
Er entſchuldigre ſich/ und wuſte ſeine Urſa-
chen recht vernuͤnfftig und nachdencklich an-
zufuͤhren. Denn als Eurylas fragte/ wa-
rumb er ſein Studieren nicht fortgeſetzt/ ſo
erzehlte er ſeinen gantzen Lebenslauff. Jch
ſolte/ ſagte er/ freylich ſtudieren/ und einen Ju-
riſten abgeben/ aber ich bedachte dieß/ wie
leicht koͤnte ich eine Sache wider einen Edel-
mann gewinnen/ der mirs nachtruͤge/ und mir
wohl gar einen Fang mit dem kalten Eiſen
gaͤbe: Oder wenn ich im Winter einen Ter-
min haͤtte/ und ſtolperte mein Pferd auf dem
Eiſe/ daß mir das Bein im Stieffel zerbraͤ-
che/ und niemand waͤre bey mir/ muͤſte ich
nicht als ein Hund verderben? Oder wenn
ich von meinen Clienten tractirt wuͤrde/ daß
ich in der Nacht reiſen muͤſte/ und führte mich
ein Jrrwiſch in das Waſſer; Nein/ nein/ ich
moͤchte nicht. Die Kauffmannſchafft beliebte
mir/ aber in wenig Wochen fiel mir ein/ ſieh

da/
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[185/0191] waͤhren. Eurylas ſagte; der wunderliche Kautz habe wohl verdienet/ daß man ihn et- was vexirte/ der Alte war es wohl zu frieden. Derhalben/ als ſie wieder zuſammen in die Kutſche ſaſſen/ fiengen ſie darvon an zu reden/ wie das dieſer Sauſewind in keiner Sache beſtaͤndig waͤre/ als in ſeiner Unbeſtaͤndigkeit. Er entſchuldigre ſich/ und wuſte ſeine Urſa- chen recht vernuͤnfftig und nachdencklich an- zufuͤhren. Denn als Eurylas fragte/ wa- rumb er ſein Studieren nicht fortgeſetzt/ ſo erzehlte er ſeinen gantzen Lebenslauff. Jch ſolte/ ſagte er/ freylich ſtudieren/ und einen Ju- riſten abgeben/ aber ich bedachte dieß/ wie leicht koͤnte ich eine Sache wider einen Edel- mann gewinnen/ der mirs nachtruͤge/ und mir wohl gar einen Fang mit dem kalten Eiſen gaͤbe: Oder wenn ich im Winter einen Ter- min haͤtte/ und ſtolperte mein Pferd auf dem Eiſe/ daß mir das Bein im Stieffel zerbraͤ- che/ und niemand waͤre bey mir/ muͤſte ich nicht als ein Hund verderben? Oder wenn ich von meinen Clienten tractirt wuͤrde/ daß ich in der Nacht reiſen muͤſte/ und führte mich ein Jrrwiſch in das Waſſer; Nein/ nein/ ich moͤchte nicht. Die Kauffmannſchafft beliebte mir/ aber in wenig Wochen fiel mir ein/ ſieh da/

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 185. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/191>, abgerufen am 23.04.2019.