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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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zwantzig Thaler und zwantzig Groschen. Der
Alte lachte hierauff/ und verwieß seinem Vet-
ter/ daß er nicht allein so liederlich lebte/ son-
dern auch den Lebenslauff zu erzehlen keinen
Scheu trüge. Das wäre die höchste Narr-
heit/ daß man auf keiner Meynung beständig
bliebe/ und habe Seneca wohl gesagt: Stultus
quotidie incipit vivere
. Uber dieß habe er
sich dergleichen Ursachen abschrecken lassen/
welche mehr zu verlachen/ als zu bedencken
wären. Denn auf solche Masse dürffte man
nicht in der Welt bleiben/ alldieweil man auf
allen Seiten der Gefahr unterworffen sey.
Ein andermahl solle er dencken/ daß ein an-
dächtiges Gebete/ und ein gnädiger Gott/ al-
len furchtsamen Sachen leicht abhelffen
könne.

CAP. XXI.

MJt solchen Reden brachten sie die Zeit
hin/ biß in die Stadt/ da sie gleich im
Wirthe hause viel Personen antraffen/ welche
in einer benachbarten Stadt auf der Messe
gewesen. Gelanor fragte/ ob was neues da-
selbst passirte/ und da sagte einer diß/ der ander
das. Endlich sagte ein Kerl der am schwar-

tzen


zwantzig Thaler und zwantzig Groſchen. Der
Alte lachte hierauff/ und verwieß ſeinem Vet-
ter/ daß er nicht allein ſo liederlich lebte/ ſon-
dern auch den Lebenslauff zu erzehlen keinen
Scheu truͤge. Das waͤre die hoͤchſte Narr-
heit/ daß man auf keiner Meynung beſtaͤndig
bliebe/ und habe Seneca wohl geſagt: Stultus
quotidie incipit vivere
. Uber dieß habe er
ſich dergleichen Urſachen abſchrecken laſſen/
welche mehr zu verlachen/ als zu bedencken
waͤren. Denn auf ſolche Maſſe duͤrffte man
nicht in der Welt bleiben/ alldieweil man auf
allen Seiten der Gefahr unterworffen ſey.
Ein andermahl ſolle er dencken/ daß ein an-
daͤchtiges Gebete/ und ein gnaͤdiger Gott/ al-
len furchtſamen Sachen leicht abhelffen
koͤnne.

CAP. XXI.

MJt ſolchen Reden brachten ſie die Zeit
hin/ biß in die Stadt/ da ſie gleich im
Wirthe hauſe viel Perſonen antraffen/ welche
in einer benachbarten Stadt auf der Meſſe
geweſen. Gelanor fragte/ ob was neues da-
ſelbſt paſſirte/ und da ſagte einer diß/ der ander
das. Endlich ſagte ein Kerl der am ſchwar-

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[189/0195] zwantzig Thaler und zwantzig Groſchen. Der Alte lachte hierauff/ und verwieß ſeinem Vet- ter/ daß er nicht allein ſo liederlich lebte/ ſon- dern auch den Lebenslauff zu erzehlen keinen Scheu truͤge. Das waͤre die hoͤchſte Narr- heit/ daß man auf keiner Meynung beſtaͤndig bliebe/ und habe Seneca wohl geſagt: Stultus quotidie incipit vivere. Uber dieß habe er ſich dergleichen Urſachen abſchrecken laſſen/ welche mehr zu verlachen/ als zu bedencken waͤren. Denn auf ſolche Maſſe duͤrffte man nicht in der Welt bleiben/ alldieweil man auf allen Seiten der Gefahr unterworffen ſey. Ein andermahl ſolle er dencken/ daß ein an- daͤchtiges Gebete/ und ein gnaͤdiger Gott/ al- len furchtſamen Sachen leicht abhelffen koͤnne. CAP. XXI. MJt ſolchen Reden brachten ſie die Zeit hin/ biß in die Stadt/ da ſie gleich im Wirthe hauſe viel Perſonen antraffen/ welche in einer benachbarten Stadt auf der Meſſe geweſen. Gelanor fragte/ ob was neues da- ſelbſt paſſirte/ und da ſagte einer diß/ der ander das. Endlich ſagte ein Kerl der am ſchwar- tzen

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 189. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/195>, abgerufen am 21.04.2019.