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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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so müste er unfehlbar der Höchste in der gan[-]
tzen Welt seyn. Magnum & parva sunt re-
lata.
Will einer nun wissen/ was in diesem
oder jenem Stücke das Gröste in der gantzen
Welt sey/ der muß auch einen Blick in die
gantze Welt thun. Und ich halte/ der selige
Herr habe einen klugen Vesitzer seines Hau-
ses dadurch bestätigen wollen/ indem solcher
Krafft der Bedingung/ sich in der Welt zuvor
versuchen/ und also in Betrachtung vielfälti-
ger Narren/ desto verständiger werden müste.
Diese Rede wolte dem jungen Fäntgen nicht
zu Sinne/ daß er sich so viel Meilen hinter den
Backofen verlauffen solte: absonderlich war
ihm dieß zuwider/ daß er seine Liebste so lange
verlassen müste/ mit welcher er sich/ nach der
Gewonheit aller reichen Erben/ verplempert
hatte. Aber es halff nichts/ wolte er nicht/ so
war schon ein ander da/ der es umb dieß Geld
thun wolte. Derhalben weil wider den Tod
kein Kraut gewachsen war/ so ward unverzüg-
lich zu der Reise geschickt/ und freueten sich
die andern/ wenn dieser auf dem langen We-
ge umbkäme/ in seinen Gütern zu bleiben. Es
machte ihm auch einer ein Propempticum,
und setzte diese Worte mit dazu:

I decus inostrum, melioribus utere fatis.

Er meinte aber/ das wären die meliora fa-

ta,


ſo muͤſte er unfehlbar der Hoͤchſte in der gan[-]
tzen Welt ſeyn. Magnum & parva ſunt re-
lata.
Will einer nun wiſſen/ was in dieſem
oder jenem Stuͤcke das Groͤſte in der gantzen
Welt ſey/ der muß auch einen Blick in die
gantze Welt thun. Und ich halte/ der ſelige
Herr habe einen klugen Veſitzer ſeines Hau-
ſes dadurch beſtaͤtigen wollen/ indem ſolcher
Krafft der Bedingung/ ſich in der Welt zuvor
verſuchen/ und alſo in Betrachtung vielfaͤlti-
ger Narren/ deſto verſtaͤndiger werden muͤſte.
Dieſe Rede wolte dem jungen Faͤntgen nicht
zu Sinne/ daß er ſich ſo viel Meilen hinter den
Backofen verlauffen ſolte: abſonderlich war
ihm dieß zuwider/ daß er ſeine Liebſte ſo lange
verlaſſen muͤſte/ mit welcher er ſich/ nach der
Gewonheit aller reichen Erben/ verplempert
hatte. Aber es halff nichts/ wolte er nicht/ ſo
war ſchon ein ander da/ der es umb dieß Geld
thun wolte. Derhalben weil wider den Tod
kein Kꝛaut gewachſen war/ ſo ward unverzuͤg-
lich zu der Reiſe geſchickt/ und freueten ſich
die andern/ wenn dieſer auf dem langen We-
ge umbkaͤme/ in ſeinen Guͤtern zu bleiben. Es
machte ihm auch einer ein Propempticum,
und ſetzte dieſe Worte mit dazu:

I decus inoſtrum, melioribus utere fatis.

Er meinte aber/ das waͤren die meliora fa-

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[14/0020] ſo muͤſte er unfehlbar der Hoͤchſte in der gan- tzen Welt ſeyn. Magnum & parva ſunt re- lata. Will einer nun wiſſen/ was in dieſem oder jenem Stuͤcke das Groͤſte in der gantzen Welt ſey/ der muß auch einen Blick in die gantze Welt thun. Und ich halte/ der ſelige Herr habe einen klugen Veſitzer ſeines Hau- ſes dadurch beſtaͤtigen wollen/ indem ſolcher Krafft der Bedingung/ ſich in der Welt zuvor verſuchen/ und alſo in Betrachtung vielfaͤlti- ger Narren/ deſto verſtaͤndiger werden muͤſte. Dieſe Rede wolte dem jungen Faͤntgen nicht zu Sinne/ daß er ſich ſo viel Meilen hinter den Backofen verlauffen ſolte: abſonderlich war ihm dieß zuwider/ daß er ſeine Liebſte ſo lange verlaſſen muͤſte/ mit welcher er ſich/ nach der Gewonheit aller reichen Erben/ verplempert hatte. Aber es halff nichts/ wolte er nicht/ ſo war ſchon ein ander da/ der es umb dieß Geld thun wolte. Derhalben weil wider den Tod kein Kꝛaut gewachſen war/ ſo ward unverzuͤg- lich zu der Reiſe geſchickt/ und freueten ſich die andern/ wenn dieſer auf dem langen We- ge umbkaͤme/ in ſeinen Guͤtern zu bleiben. Es machte ihm auch einer ein Propempticum, und ſetzte dieſe Worte mit dazu: I decus inoſtrum, melioribus utere fatis. Er meinte aber/ das waͤren die meliora fa- ta,

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 14. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/20>, abgerufen am 26.03.2019.