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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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und nahm seinen freundlichen Abschied. Hier-
auff erhub sich ein trefflich Gelächter/ und
sagte Gelanor, ist das nicht ein barmhertziger
Geelschnabel mit seinem vornehmen Vater/
wäre der Vater selbst hier/ und es träffe ein/
was der Sohn vor ein Zeugniß giebt/ so wol-
ten wir sehen/ ob wir ihn vor den vornehmsten
in der Compagnie könten passiren lassen. A-
ber wie kömmt der Haußfeix darzu/ daß er sich
in allem mit dem Vater vergleichen will.
Der Vater mag vielleicht 50. Jahr alt seyn;
ist denn deßwegen dieser elende Sechzehn-
pfenniger auch so alt. Es heist/ folge des
Vaters Thaten nach/ und laß dirs so saur
werden/ so wird die Ehre ungedrungen und
ungezwungen darzu kommen. Mit der Ehre
ist es so beschaffen:
Quod sequitur fugio, quod fugit ipse
sequor
.

Solche discursen fielen vor/ also daß sie nicht
einmahl gedachten/ wo der schöne Vater-
Sohn seine affront verfressen würde.

CAP. XXIV.

JMmittelst begunte einem am Tische sehr
übel zu werden/ weil er den vorigen Tag

einen


und nahm ſeinen freundlichen Abſchied. Hier-
auff erhub ſich ein trefflich Gelaͤchter/ und
ſagte Gelanor, iſt das nicht ein barmhertziger
Geelſchnabel mit ſeinem vornehmen Vater/
waͤre der Vater ſelbſt hier/ und es traͤffe ein/
was der Sohn vor ein Zeugniß giebt/ ſo wol-
ten wir ſehen/ ob wir ihn vor den vornehmſten
in der Compagnie koͤnten paſſiren laſſen. A-
ber wie koͤmmt der Haußfeix darzu/ daß er ſich
in allem mit dem Vater vergleichen will.
Der Vater mag vielleicht 50. Jahr alt ſeyn;
iſt denn deßwegen dieſer elende Sechzehn-
pfenniger auch ſo alt. Es heiſt/ folge des
Vaters Thaten nach/ und laß dirs ſo ſaur
werden/ ſo wird die Ehre ungedrungen und
ungezwungen darzu kommen. Mit der Ehre
iſt es ſo beſchaffen:
Quod ſequitur fugio, quod fugit ipſe
ſequor
.

Solche diſcurſen fielen vor/ alſo daß ſie nicht
einmahl gedachten/ wo der ſchoͤne Vater-
Sohn ſeine affront verfreſſen wuͤrde.

CAP. XXIV.

JMmittelſt begunte einem am Tiſche ſehr
uͤbel zu werden/ weil er den vorigen Tag

einen
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[212/0218] und nahm ſeinen freundlichen Abſchied. Hier- auff erhub ſich ein trefflich Gelaͤchter/ und ſagte Gelanor, iſt das nicht ein barmhertziger Geelſchnabel mit ſeinem vornehmen Vater/ waͤre der Vater ſelbſt hier/ und es traͤffe ein/ was der Sohn vor ein Zeugniß giebt/ ſo wol- ten wir ſehen/ ob wir ihn vor den vornehmſten in der Compagnie koͤnten paſſiren laſſen. A- ber wie koͤmmt der Haußfeix darzu/ daß er ſich in allem mit dem Vater vergleichen will. Der Vater mag vielleicht 50. Jahr alt ſeyn; iſt denn deßwegen dieſer elende Sechzehn- pfenniger auch ſo alt. Es heiſt/ folge des Vaters Thaten nach/ und laß dirs ſo ſaur werden/ ſo wird die Ehre ungedrungen und ungezwungen darzu kommen. Mit der Ehre iſt es ſo beſchaffen: Quod ſequitur fugio, quod fugit ipſe ſequor. Solche diſcurſen fielen vor/ alſo daß ſie nicht einmahl gedachten/ wo der ſchoͤne Vater- Sohn ſeine affront verfreſſen wuͤrde. CAP. XXIV. JMmittelſt begunte einem am Tiſche ſehr uͤbel zu werden/ weil er den vorigen Tag einen

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 212. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/218>, abgerufen am 18.10.2019.