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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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CAP. I.

FLorindo der Herr selbst/ Gelanor der
Hoffmeister/ und Eurylas der Verwalter/
zogen mit ihrem Mahler und drey Dienern
von dannen/ traffen auch innerhalb acht Tagen
wenig denckwürdiges an. Weil es doch all-
zeit die Art mit den Leuten hat/ daß sie nur
das jenige hochhalten/ was weit entlegen ist;
und hingegen ihre eigene Sachen verachten
oder hindan setzen/nach dem Sprichwort: A-
sinus peregrinus majori venit pretio, quam
eqvus domesticus.
Also eileten sie von ihrem
Vaterlande hinweg/ und meinten nicht in der
Nachbarschafft viel merckwürdiges anzutref-
fen. Als sie aber etliche funffzig Meilen hin-
rer sich hatten/ kamen sie auf den Abend sehr
müde in das Wirthshaus. Der Wirth war
allem Ansehen nach ein feiner höfflicher Mann/
der sich gegen fremde Gäste sehr wohl anlassen
konte. Absonderlich wuste er sich in Gesprä-
chen mit iederman sehr annehmlich aufzuhal-
ten/ daß die Compagnie vermeinte/ es würde
nun einmahl Zeit seyn/ etwas genauer in die
närrische Welt zu gucken. Fragten derowe-
gen/ ob nicht etwas sonderliches in selbiger

Ge-



CAP. I.

FLorindo der Herr ſelbſt/ Gelanor der
Hoffmeiſter/ und Eurylas der Verwalter/
zogen mit ihrem Mahler und drey Dienern
von dañen/ traffen auch innerhalb acht Tagen
wenig denckwuͤrdiges an. Weil es doch all-
zeit die Art mit den Leuten hat/ daß ſie nur
das jenige hochhalten/ was weit entlegen iſt;
und hingegen ihre eigene Sachen verachten
oder hindan ſetzen/nach dem Sprichwort: A-
ſinus peregrinus majori venit pretio, quàm
eqvus domeſticus.
Alſo eileten ſie von ihrem
Vaterlande hinweg/ und meinten nicht in der
Nachbarſchafft viel meꝛckwuͤrdiges anzutref-
fen. Als ſie aber etliche funffzig Meilen hin-
rer ſich hatten/ kamen ſie auf den Abend ſehr
muͤde in das Wirthshaus. Der Wirth war
allem Anſehen nach ein feiner hoͤfflicher Mann/
der ſich gegen fremde Gaͤſte ſehr wohl anlaſſen
konte. Abſonderlich wuſte er ſich in Geſpraͤ-
chen mit iederman ſehr annehmlich aufzuhal-
ten/ daß die Compagnie vermeinte/ es wuͤrde
nun einmahl Zeit ſeyn/ etwas genauer in die
naͤrriſche Welt zu gucken. Fragten derowe-
gen/ ob nicht etwas ſonderliches in ſelbiger

Ge-
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[16/0022] CAP. I. FLorindo der Herr ſelbſt/ Gelanor der Hoffmeiſter/ und Eurylas der Verwalter/ zogen mit ihrem Mahler und drey Dienern von dañen/ traffen auch innerhalb acht Tagen wenig denckwuͤrdiges an. Weil es doch all- zeit die Art mit den Leuten hat/ daß ſie nur das jenige hochhalten/ was weit entlegen iſt; und hingegen ihre eigene Sachen verachten oder hindan ſetzen/nach dem Sprichwort: A- ſinus peregrinus majori venit pretio, quàm eqvus domeſticus. Alſo eileten ſie von ihrem Vaterlande hinweg/ und meinten nicht in der Nachbarſchafft viel meꝛckwuͤrdiges anzutref- fen. Als ſie aber etliche funffzig Meilen hin- rer ſich hatten/ kamen ſie auf den Abend ſehr muͤde in das Wirthshaus. Der Wirth war allem Anſehen nach ein feiner hoͤfflicher Mann/ der ſich gegen fremde Gaͤſte ſehr wohl anlaſſen konte. Abſonderlich wuſte er ſich in Geſpraͤ- chen mit iederman ſehr annehmlich aufzuhal- ten/ daß die Compagnie vermeinte/ es wuͤrde nun einmahl Zeit ſeyn/ etwas genauer in die naͤrriſche Welt zu gucken. Fragten derowe- gen/ ob nicht etwas ſonderliches in ſelbiger Ge-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/22>, S. 16, abgerufen am 20.11.2017.