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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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CAP. XXVIII.

JN dessen als dieses in der Herberge vor-
gieng/ kaufften Gelanor und Florindo
zu Kleidern ein/ und verwunderten sich wohl
über die Närrische Welt/ daß alle halbe Jahr
fast eine hauptsächliche Veränderung in Zeu-
gen und Kleidern vorgenommen wird. Doch
weil die Narrheit so gemeine ist/ so lacht sichs
nicht mehr/ wann man viel von ihren Gedan-
cken wolte anführen. Ferner kamen sie in
den Buchladen/ da traff Gelanor etliche von
seiner Tischgesellschafft auß dem Wirths-
hause an/ mit diesen gerieth er in einen discurs
von den neuen Büchern. Absonderlich war
ein neuer Prophete auffgestanden/ der hatte
etliche zwantzig Jahr hinauß geweissaget/ was
sich in der Welt unfehlbar begeben würde.
Zum Exempel von dem Jahr 1672. hatte er
folgende Muthmassung:

VENIO NUNCAD ANNUM
M. DC. LXXII.
Cui
Ob visum in Cassiopeia sidus seculare,
sed ominosum debemus Jubileum.
Reviviscent seculares historiae.
Ebulliet

Effu.
CAP. XXVIII.

JN deſſen als dieſes in der Herberge vor-
gieng/ kaufften Gelanor und Florindo
zu Kleidern ein/ und verwunderten ſich wohl
uͤber die Naͤrriſche Welt/ daß alle halbe Jahr
faſt eine hauptſaͤchliche Veraͤnderung in Zeu-
gen und Kleidern vorgenommen wird. Doch
weil die Narrheit ſo gemeine iſt/ ſo lacht ſichs
nicht mehr/ wann man viel von ihren Gedan-
cken wolte anfuͤhren. Ferner kamen ſie in
den Buchladen/ da traff Gelanor etliche von
ſeiner Tiſchgeſellſchafft auß dem Wirths-
hauſe an/ mit dieſen gerieth er in einen diſcurs
von den neuen Buͤchern. Abſonderlich war
ein neuer Prophete auffgeſtanden/ der hatte
etliche zwantzig Jahr hinauß geweiſſaget/ was
ſich in der Welt unfehlbar begeben wuͤrde.
Zum Exempel von dem Jahr 1672. hatte er
folgende Muthmaſſung:

VENIO NUNCAD ANNUM
M. DC. LXXII.
Cui
Ob viſum in Caſſiopeia ſidus ſeculare,
ſed ominoſum debemus Jubileum.
Reviviſcent ſeculares hiſtoriæ.
Ebulliet

Effu.
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[242/0248] CAP. XXVIII. JN deſſen als dieſes in der Herberge vor- gieng/ kaufften Gelanor und Florindo zu Kleidern ein/ und verwunderten ſich wohl uͤber die Naͤrriſche Welt/ daß alle halbe Jahr faſt eine hauptſaͤchliche Veraͤnderung in Zeu- gen und Kleidern vorgenommen wird. Doch weil die Narrheit ſo gemeine iſt/ ſo lacht ſichs nicht mehr/ wann man viel von ihren Gedan- cken wolte anfuͤhren. Ferner kamen ſie in den Buchladen/ da traff Gelanor etliche von ſeiner Tiſchgeſellſchafft auß dem Wirths- hauſe an/ mit dieſen gerieth er in einen diſcurs von den neuen Buͤchern. Abſonderlich war ein neuer Prophete auffgeſtanden/ der hatte etliche zwantzig Jahr hinauß geweiſſaget/ was ſich in der Welt unfehlbar begeben wuͤrde. Zum Exempel von dem Jahr 1672. hatte er folgende Muthmaſſung: VENIO NUNCAD ANNUM M. DC. LXXII. Cui Ob viſum in Caſſiopeia ſidus ſeculare, ſed ominoſum debemus Jubileum. Reviviſcent ſeculares hiſtoriæ. Ebulliet Effu.

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/248>, S. 242, abgerufen am 20.11.2017.