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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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seinen Gästen zu/ fragte wie sie geschlaffen/
und ob sie gesonnen/ nach dem warmen Bade
zu reisen; Es sey ihm hertzlich leid/ daß seiner
Liebsten diese Nacht ein schwerer Fluß auf die
Brust gefallen/ und er selbst gezwungen wür-
de hier zu bleiben/ und der annehmlichen Ge-
sellschafft zu entrathen. Solche entschuldi-
gung wurde leicht angenommen/ und nachdem
das Frühstück verzehret/ und der Wirth be-
zahlet/ namen sie einen andern Wegweiser/
und reiseten auf erwehntes warmes Bad zu.
Unterwegens fieng Florindo an: Jst dieses nit
ein Anblick von einem rechtschaffenem Haupt-
Narren/ daß ein Mann/ der doch wohl in der
Welt fort kommen könte/ üm einer eiteln und
verdrießlichen Nahrung willen/ sich mit einer sol-
chen Vettel verkuppelt/ und sich zu einem ewi-
gen Sclaven macht. Und ist es nicht ein gedop-
pelter Narr/ daß er sich so eine matte krancke
Fraulässet Ohrfeigen geben/ und schmeist die alte
Hexe nicht wieder/ daß ihr alle drey Zähne vor
die Füsse fallen/ da geht nun der arme Don-
ner/ in seinen geschwärtzten Beinen/ und wer
weiß/ wie ihm das Mittagsmahl bekommen
wird. Der Hoffmeister gab sein Wort auch
dazu/ doch war dieses seine Erinnerung/ man
solte sich über den ersten Narren nicht zu sehr
verwundern/ es möchten noch grössere kommen/

bey


ſeinen Gaͤſten zu/ fragte wie ſie geſchlaffen/
und ob ſie geſonnen/ nach dem warmen Bade
zu reiſen; Es ſey ihm hertzlich leid/ daß ſeiner
Liebſten dieſe Nacht ein ſchwerer Fluß auf die
Bruſt gefallen/ und er ſelbſt gezwungen wuͤr-
de hier zu bleiben/ und der annehmlichen Ge-
ſellſchafft zu entrathen. Solche entſchuldi-
gung wurde leicht angenom̃en/ und nachdem
das Fruͤhſtuͤck verzehret/ und der Wirth be-
zahlet/ namen ſie einen andern Wegweiſer/
und reiſeten auf erwehntes warmes Bad zu.
Unterwegens fieng Florindo an: Jſt dieſes nit
ein Anblick von einem rechtſchaffenem Haupt-
Narren/ daß ein Mann/ der doch wohl in der
Welt fort kom̃en koͤnte/ uͤm einer eiteln und
verdrießlichẽ Nahrung willẽ/ ſich mit einer ſol-
chen Vettel verkuppelt/ und ſich zu einem ewi-
gen Sclavẽ macht. Und iſt es nicht ein gedop-
pelter Narr/ daß er ſich ſo eine matte krancke
Fraulaͤſſet Ohrfeigẽ gebẽ/ und ſchmeiſt die alte
Hexe nicht wieder/ daß ihr alle drey Zaͤhne vor
die Fuͤſſe fallen/ da geht nun der arme Don-
ner/ in ſeinen geſchwaͤrtzten Beinen/ und wer
weiß/ wie ihm das Mittagsmahl bekommen
wird. Der Hoffmeiſter gab ſein Wort auch
dazu/ doch war dieſes ſeine Erinnerung/ man
ſolte ſich uͤber den erſten Narren nicht zu ſehr
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[21/0027] ſeinen Gaͤſten zu/ fragte wie ſie geſchlaffen/ und ob ſie geſonnen/ nach dem warmen Bade zu reiſen; Es ſey ihm hertzlich leid/ daß ſeiner Liebſten dieſe Nacht ein ſchwerer Fluß auf die Bruſt gefallen/ und er ſelbſt gezwungen wuͤr- de hier zu bleiben/ und der annehmlichen Ge- ſellſchafft zu entrathen. Solche entſchuldi- gung wurde leicht angenom̃en/ und nachdem das Fruͤhſtuͤck verzehret/ und der Wirth be- zahlet/ namen ſie einen andern Wegweiſer/ und reiſeten auf erwehntes warmes Bad zu. Unterwegens fieng Florindo an: Jſt dieſes nit ein Anblick von einem rechtſchaffenem Haupt- Narren/ daß ein Mann/ der doch wohl in der Welt fort kom̃en koͤnte/ uͤm einer eiteln und verdrießlichẽ Nahrung willẽ/ ſich mit einer ſol- chen Vettel verkuppelt/ und ſich zu einem ewi- gen Sclavẽ macht. Und iſt es nicht ein gedop- pelter Narr/ daß er ſich ſo eine matte krancke Fraulaͤſſet Ohrfeigẽ gebẽ/ und ſchmeiſt die alte Hexe nicht wieder/ daß ihr alle drey Zaͤhne vor die Fuͤſſe fallen/ da geht nun der arme Don- ner/ in ſeinen geſchwaͤrtzten Beinen/ und wer weiß/ wie ihm das Mittagsmahl bekommen wird. Der Hoffmeiſter gab ſein Wort auch dazu/ doch war dieſes ſeine Erinnerung/ man ſolte ſich uͤber den erſten Narren nicht zu ſehr verwundern/ es moͤchten noch groͤſſere kom̃en/ bey

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/27>, abgerufen am 20.03.2019.