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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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als daß er einen Teufel heraus und zehen hin-
gegen wieder hinein schlägt. Er muß sie doch
einen Weg wie den andern umb sich leiden/
und wer wird mit ihrer Bosheit ärger ge-
strafft/ als der Mann selber. Eine geringe
Schwachheit wolte er nicht vertragen/ nun
muß er eine übermäßige Boßheit einfressen/
und kommt so zu reden auß dem Staube in
die Mühle/ aus dem Regen in die Trauffe. Es
ist nicht ohn/ Alexander M. beim Curtio hat
es auch vor gut erkannt/ daß ein Mann seine
Frau schlagen möchte: allein es bleibet doch
dabey/ was ein vornehmer Consistorial Rath
gesagt: wer die Frau schlägt/ der ist ein elen-
der Mann; wer sie aber aus geringen Uhrsa-
chen schlägt/ der ist gedoppelt elende.

Jn dergleichen Discursen hielt sich die Com-
Pagn
ie auf biß sie vor das Städtgen gelan-
geten/ allwo des Wirthes Aussage nach das
warme Bad anzutreffen war: Nun hatten
sich eben viel Leute eingefunden/ welche die
Frülings-Cur daselbst gebrauchen wolten/
daß also wegen der Quartiere grosse Ungele-
genheit war. Nach vielen Bemühungen ka-
men sie bey einem Priester in das Losament/
und funden einen vornehmen Cavallier, der
sich mit seiner Liebste etliche Stunden zuvor
eben in selbigem Hause einquartieret hatte.

Sie


als daß er einen Teufel heraus und zehen hin-
gegen wieder hinein ſchlaͤgt. Er muß ſie doch
einen Weg wie den andern umb ſich leiden/
und wer wird mit ihrer Bosheit aͤrger ge-
ſtrafft/ als der Mann ſelber. Eine geringe
Schwachheit wolte er nicht vertragen/ nun
muß er eine uͤbermaͤßige Boßheit einfreſſen/
und kommt ſo zu reden auß dem Staube in
die Muͤhle/ aus dem Regen in die Trauffe. Es
iſt nicht ohn/ Alexander M. beim Curtio hat
es auch vor gut erkannt/ daß ein Mann ſeine
Frau ſchlagen moͤchte: allein es bleibet doch
dabey/ was ein vornehmer Conſiſtorial Rath
geſagt: wer die Frau ſchlaͤgt/ der iſt ein elen-
der Mann; wer ſie aber aus geringen Uhrſa-
chen ſchlaͤgt/ der iſt gedoppelt elende.

Jn dergleichen Diſcurſen hielt ſich die Com-
Pagn
ie auf biß ſie vor das Staͤdtgen gelan-
geten/ allwo des Wirthes Auſſage nach das
warme Bad anzutreffen war: Nun hatten
ſich eben viel Leute eingefunden/ welche die
Fruͤlings-Cur daſelbſt gebrauchen wolten/
daß alſo wegen der Quartiere groſſe Ungele-
genheit war. Nach vielen Bemuͤhungen ka-
men ſie bey einem Prieſter in das Loſament/
und funden einen vornehmen Cavallier, der
ſich mit ſeiner Liebſte etliche Stunden zuvor
eben in ſelbigem Hauſe einquartieret hatte.

Sie
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[24/0030] als daß er einen Teufel heraus und zehen hin- gegen wieder hinein ſchlaͤgt. Er muß ſie doch einen Weg wie den andern umb ſich leiden/ und wer wird mit ihrer Bosheit aͤrger ge- ſtrafft/ als der Mann ſelber. Eine geringe Schwachheit wolte er nicht vertragen/ nun muß er eine uͤbermaͤßige Boßheit einfreſſen/ und kommt ſo zu reden auß dem Staube in die Muͤhle/ aus dem Regen in die Trauffe. Es iſt nicht ohn/ Alexander M. beim Curtio hat es auch vor gut erkannt/ daß ein Mann ſeine Frau ſchlagen moͤchte: allein es bleibet doch dabey/ was ein vornehmer Conſiſtorial Rath geſagt: wer die Frau ſchlaͤgt/ der iſt ein elen- der Mann; wer ſie aber aus geringen Uhrſa- chen ſchlaͤgt/ der iſt gedoppelt elende. Jn dergleichen Diſcurſen hielt ſich die Com- Pagnie auf biß ſie vor das Staͤdtgen gelan- geten/ allwo des Wirthes Auſſage nach das warme Bad anzutreffen war: Nun hatten ſich eben viel Leute eingefunden/ welche die Fruͤlings-Cur daſelbſt gebrauchen wolten/ daß alſo wegen der Quartiere groſſe Ungele- genheit war. Nach vielen Bemuͤhungen ka- men ſie bey einem Prieſter in das Loſament/ und funden einen vornehmen Cavallier, der ſich mit ſeiner Liebſte etliche Stunden zuvor eben in ſelbigem Hauſe einquartieret hatte. Sie

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/30>, abgerufen am 19.03.2019.