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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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manch delicat Gemüthe nicht viel Geld/ und
bliebe einen halben Tag in einer solchen Stube.
Doch die Kinder sind noch vernünftige Crea-
turen. Da sie hingegen von solchen unnü-
tzen Bestien sechsmahl mehr Unflat und Wi-
derwertigkeit aufflesen/ und endlich zur schul-
digen Danckbarkeit sich in die Hand oder
in den Finger beissen lassen. Hier fiengen sie
au von den grossen Thieren zu reden/ ob es
an hohen Höfen verantwortlich wäre/ Löwen/
Beeren/ Tigerthier/ Luchse und dergleichen
zu halten/ weil man unzehlige Exempel hät-
te/ daß sie entweder loß gerissen und Scha-
den gethan/ oder doch ihre Wanrter bißwei-
len so empfangen wären daß ihnen das Fell
über dem Kopffe herunter gehangen. Doch
sie kamen zu bald an die Stadt/ daß sie dem
discurs seine endschafft nicht gaben.

CAP. XXXVI.

JM Wirths-Hause war etliche Stun-
den zu vor eine Kutsche von 6. Perso-
nen ankommen/ also daß der Wirth eine gros-
se Taffel decken ließ. Nun befand sich unter
den Gästen ein iunger Kerl/ der wolte mit gan-
zer Gewalt ein Narr seyn/ denn da mochte
man vorbringen/ was man wolte/ so hatte er
[ein]en Possen fertig/ zwar bißweilen kam es

so


manch delicat Gemuͤthe nicht viel Geld/ und
bliebe einen halben Tag in einer ſolchẽ Stube.
Doch die Kinder ſind noch vernuͤnftige Crea-
turen. Da ſie hingegen von ſolchen unnuͤ-
tzen Beſtien ſechsmahl mehr Unflat und Wi-
derwertigkeit auffleſen/ und endlich zur ſchul-
digen Danckbarkeit ſich in die Hand oder
in den Finger beiſſen laſſen. Hier fiengen ſie
au von den groſſen Thieren zu reden/ ob es
an hohen Hoͤfen verantwortlich waͤre/ Loͤwen/
Beeren/ Tigerthier/ Luchſe und dergleichen
zu halten/ weil man unzehlige Exempel haͤt-
te/ daß ſie entweder loß geriſſen und Scha-
den gethan/ oder doch ihre Wãrter bißwei-
len ſo empfangen waͤren daß ihnen das Fell
uͤber dem Kopffe herunter gehangen. Doch
ſie kamen zu bald an die Stadt/ daß ſie dem
diſcurs ſeine endſchafft nicht gaben.

CAP. XXXVI.

JM Wirths-Hauſe war etliche Stun-
den zu vor eine Kutſche von 6. Perſo-
nen ankommen/ alſo daß der Wirth eine groſ-
ſe Taffel decken ließ. Nun befand ſich unter
den Gaͤſten ein iungeꝛ Kerl/ der wolte mit gan-
zer Gewalt ein Narr ſeyn/ denn da mochte
man vorbringen/ was man wolte/ ſo hatte er
[ein]en Poſſen fertig/ zwar bißweilen kam es

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[298/0304] manch delicat Gemuͤthe nicht viel Geld/ und bliebe einen halben Tag in einer ſolchẽ Stube. Doch die Kinder ſind noch vernuͤnftige Crea- turen. Da ſie hingegen von ſolchen unnuͤ- tzen Beſtien ſechsmahl mehr Unflat und Wi- derwertigkeit auffleſen/ und endlich zur ſchul- digen Danckbarkeit ſich in die Hand oder in den Finger beiſſen laſſen. Hier fiengen ſie au von den groſſen Thieren zu reden/ ob es an hohen Hoͤfen verantwortlich waͤre/ Loͤwen/ Beeren/ Tigerthier/ Luchſe und dergleichen zu halten/ weil man unzehlige Exempel haͤt- te/ daß ſie entweder loß geriſſen und Scha- den gethan/ oder doch ihre Wãrter bißwei- len ſo empfangen waͤren daß ihnen das Fell uͤber dem Kopffe herunter gehangen. Doch ſie kamen zu bald an die Stadt/ daß ſie dem diſcurs ſeine endſchafft nicht gaben. CAP. XXXVI. JM Wirths-Hauſe war etliche Stun- den zu vor eine Kutſche von 6. Perſo- nen ankommen/ alſo daß der Wirth eine groſ- ſe Taffel decken ließ. Nun befand ſich unter den Gaͤſten ein iungeꝛ Kerl/ der wolte mit gan- zer Gewalt ein Narr ſeyn/ denn da mochte man vorbringen/ was man wolte/ ſo hatte er einen Poſſen fertig/ zwar bißweilen kam es ſo

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 298. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/304>, abgerufen am 19.01.2020.