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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Sie machten bald Bekandschafft/ und be-
schlossen die Mahlzeit beysammen einzuneh-
men/ inzwischen ließ Florindo einen Becher
Wein langen/ und brachte dem unbekanten
Cavallier eins auf Gesundheit zu: Allein wie
er darnach greissen wolte/ kam die Liebste dar-
zwischen/ ach mein Engel/ sagte sie / was will
er mit dem ungesunden Wein in dem Leibe/ er
gedencke doch/ daß er durch einen jedweden
Becher etliche Tage von seinem Alter/ und
noch einmahl so viel Bluts-Tropfen von mei-
nem Hertzen absauffen muß. Ach er thu den
Becher weg! Er schüttelt den Kopff/ und gab
zur Antwort:meine Frau/ das ist kein überfluß/
wenn man vornehmen Leuten zu bestätigung
fernerer Bekandschafft einen erleidlichen Eh-
ren-Becher bescheid thut/ ich werde darum
weder eher noch langsamer sterben/ ob ich den
Becher trincke oder auf die Erde giesse. Gleich-
wohl dieser Worte ungeacht/ grieff sie noch
härter zu/ und bat ihn/ er solte doch seine Liebste
bedencken/ welche seine Gesundheit so genau
und sorgfältig in Acht nehme. Kurtz von der
Sache zu reden/ sie brachte ihm so viel bewe-
gliche Worte für/ fing auch ein bißgen an zu
weinen/ daß der gute Herr sich muste gefan-
gen geben; und solches that sie ohn unterlaß/
wenn er einen Bissen wider ihren Willen es-

sen
B


Sie machten bald Bekandſchafft/ und be-
ſchloſſen die Mahlzeit beyſammen einzuneh-
men/ inzwiſchen ließ Florindo einen Becher
Wein langen/ und brachte dem unbekanten
Cavallier eins auf Geſundheit zu: Allein wie
er darnach greiſſen wolte/ kam die Liebſte dar-
zwiſchen/ ach mein Engel/ ſagte ſie / was will
er mit dem ungeſunden Wein in dem Leibe/ er
gedencke doch/ daß er durch einen jedweden
Becher etliche Tage von ſeinem Alter/ und
noch einmahl ſo viel Bluts-Tropfen von mei-
nem Hertzen abſauffen muß. Ach er thu den
Becher weg! Er ſchuͤttelt den Kopff/ und gab
zur Antwort:meine Frau/ das iſt kein uͤberfluß/
wenn man vornehmen Leuten zu beſtaͤtigung
fernerer Bekandſchafft einen erleidlichen Eh-
ren-Becher beſcheid thut/ ich werde darum
weder eher noch langſamer ſterben/ ob ich den
Becher trincke oder auf die Erde gieſſe. Gleich-
wohl dieſer Worte ungeacht/ grieff ſie noch
haͤrter zu/ und bat ihn/ er ſolte doch ſeine Liebſte
bedencken/ welche ſeine Geſundheit ſo genau
und ſorgfaͤltig in Acht nehme. Kurtz von der
Sache zu reden/ ſie brachte ihm ſo viel bewe-
gliche Worte fuͤr/ fing auch ein bißgen an zu
weinen/ daß der gute Herr ſich muſte gefan-
gen geben; und ſolches that ſie ohn unterlaß/
wenn er einen Biſſen wider ihren Willen eſ-

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[25/0031] Sie machten bald Bekandſchafft/ und be- ſchloſſen die Mahlzeit beyſammen einzuneh- men/ inzwiſchen ließ Florindo einen Becher Wein langen/ und brachte dem unbekanten Cavallier eins auf Geſundheit zu: Allein wie er darnach greiſſen wolte/ kam die Liebſte dar- zwiſchen/ ach mein Engel/ ſagte ſie / was will er mit dem ungeſunden Wein in dem Leibe/ er gedencke doch/ daß er durch einen jedweden Becher etliche Tage von ſeinem Alter/ und noch einmahl ſo viel Bluts-Tropfen von mei- nem Hertzen abſauffen muß. Ach er thu den Becher weg! Er ſchuͤttelt den Kopff/ und gab zur Antwort:meine Frau/ das iſt kein uͤberfluß/ wenn man vornehmen Leuten zu beſtaͤtigung fernerer Bekandſchafft einen erleidlichen Eh- ren-Becher beſcheid thut/ ich werde darum weder eher noch langſamer ſterben/ ob ich den Becher trincke oder auf die Erde gieſſe. Gleich- wohl dieſer Worte ungeacht/ grieff ſie noch haͤrter zu/ und bat ihn/ er ſolte doch ſeine Liebſte bedencken/ welche ſeine Geſundheit ſo genau und ſorgfaͤltig in Acht nehme. Kurtz von der Sache zu reden/ ſie brachte ihm ſo viel bewe- gliche Worte fuͤr/ fing auch ein bißgen an zu weinen/ daß der gute Herr ſich muſte gefan- gen geben; und ſolches that ſie ohn unterlaß/ wenn er einen Biſſen wider ihren Willen eſ- ſen B

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/31>, abgerufen am 22.03.2019.