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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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sen'oder sonst was vornehmen wolte/ das ihr
nicht annehmlich war. Recht lächerlich stund
es/ als in währender Mahlzeit ein Mahler
kam/ und allerhand Schildereyen zu verkauf-
fen hatte. Denn als die andern etwas von
ihrem Gelde anlegten/ und dieser eines Stü-
ckes gewahr wurde/ auf welchen die Einneh-
mung der grossen Chinesischen Mauer abge-
bildet war/ beliebte er es zu kauffen. Es mag
seyn/ daß er sich in das Bild verliebte/ oder
auch daß er in der Gesellschafft nicht wolte vor
karg angesehen werden. Doch schlug sich die
Liebste bald ins Mittel/ und beredete ihn wun-
derli[che] Händel. Er solte doch sehen wie die
Farben so unscheinbar auffgetragen/ wie es
hin und wieder schon auffgesprungen/ er wäre
gewiß etliche Jahr ein Ladenhüter gewesen/
nun käme er und suchte einen Narren/ der es
über der Mahlzeit in voller Weise behalten
möchte. Sie wüste einen Mahler/ der hätte
Stücke/ denen nichtsfehlte als das Leben/
und welchen andre Taffelkleckereyen nicht das
Wasser reichten. Uber dieß wäre es Schan-
de/ daß er seine schöne Ducaten und Reichs-
thaler vor solchen Lumpenzeug solte hinschleu-
dern/ wenn es noch Doppel-Schillinge oder
küpfferne Marien-Groschen wären/ deren
man ohn dieß gern wolte loß seyn. Summa

Sum-


ſen’oder ſonſt was vornehmen wolte/ das ihr
nicht annehmlich war. Recht laͤcherlich ſtund
es/ als in waͤhrender Mahlzeit ein Mahler
kam/ und allerhand Schildereyen zu verkauf-
fen hatte. Denn als die andern etwas von
ihrem Gelde anlegten/ und dieſer eines Stuͤ-
ckes gewahr wurde/ auf welchen die Einneh-
mung der groſſen Chineſiſchen Mauer abge-
bildet war/ beliebte er es zu kauffen. Es mag
ſeyn/ daß er ſich in das Bild verliebte/ oder
auch daß er in der Geſellſchafft nicht wolte vor
karg angeſehen werden. Doch ſchlug ſich die
Liebſte bald ins Mittel/ und beredete ihn wun-
derli[che] Haͤndel. Er ſolte doch ſehen wie die
Farben ſo unſcheinbar auffgetragen/ wie es
hin und wieder ſchon auffgeſprungen/ er waͤre
gewiß etliche Jahr ein Ladenhuͤter geweſen/
nun kaͤme er und ſuchte einen Narren/ der es
uͤber der Mahlzeit in voller Weiſe behalten
moͤchte. Sie wuͤſte einen Mahler/ der haͤtte
Stuͤcke/ denen nichtsfehlte als das Leben/
und welchen andre Taffelkleckereyen nicht das
Waſſer reichten. Uber dieß waͤre es Schan-
de/ daß er ſeine ſchoͤne Ducaten und Reichs-
thaler vor ſolchen Lumpenzeug ſolte hinſchleu-
dern/ wenn es noch Doppel-Schillinge oder
kuͤpfferne Marien-Groſchen waͤren/ deren
man ohn dieß gern wolte loß ſeyn. Summa

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[26/0032] ſen’oder ſonſt was vornehmen wolte/ das ihr nicht annehmlich war. Recht laͤcherlich ſtund es/ als in waͤhrender Mahlzeit ein Mahler kam/ und allerhand Schildereyen zu verkauf- fen hatte. Denn als die andern etwas von ihrem Gelde anlegten/ und dieſer eines Stuͤ- ckes gewahr wurde/ auf welchen die Einneh- mung der groſſen Chineſiſchen Mauer abge- bildet war/ beliebte er es zu kauffen. Es mag ſeyn/ daß er ſich in das Bild verliebte/ oder auch daß er in der Geſellſchafft nicht wolte vor karg angeſehen werden. Doch ſchlug ſich die Liebſte bald ins Mittel/ und beredete ihn wun- derliche Haͤndel. Er ſolte doch ſehen wie die Farben ſo unſcheinbar auffgetragen/ wie es hin und wieder ſchon auffgeſprungen/ er waͤre gewiß etliche Jahr ein Ladenhuͤter geweſen/ nun kaͤme er und ſuchte einen Narren/ der es uͤber der Mahlzeit in voller Weiſe behalten moͤchte. Sie wuͤſte einen Mahler/ der haͤtte Stuͤcke/ denen nichtsfehlte als das Leben/ und welchen andre Taffelkleckereyen nicht das Waſſer reichten. Uber dieß waͤre es Schan- de/ daß er ſeine ſchoͤne Ducaten und Reichs- thaler vor ſolchen Lumpenzeug ſolte hinſchleu- dern/ wenn es noch Doppel-Schillinge oder kuͤpfferne Marien-Groſchen waͤren/ deren man ohn dieß gern wolte loß ſeyn. Summa Sum-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/32>, abgerufen am 21.03.2019.