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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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sich/ als verstünde er die Rede nicht/ und nahm
bald Abschied/ mit wiederholter Bitte/ das
Losament nach ihrem Willen zu brauchen Da
gieng es nun an ein Lachen/ über die Frucht-
barkeit des Weibes/ die nicht viel anders auß-
sah/ als ein alter Meeraffe/ und konte man fast
errathen/ warum der Mann seine hertzaller-
liebste Gemahlin nicht gern erzürnen wolte/ in-
dem er ohn allen Zweifel die Beysorge haben
muste/ als möchte sich die angefangene Frucht-
barkeit durch den Zorn wieder zerschlagen.
Absonderlich wuste Eurylas, der alte durch-
triebene Susannenbruder/ viel Historien auf
diesen Schlag beyzubringen. Es habe ein-
mahl eines Schiffers Frau an ihren Mann so
hertzinniglich gedacht/ und in solchen Gedan-
cken habe sie einen Eißzapffen vom Röhr-Ka-
sten abgebrochen und verschluckt/ also daß sie
bloß von dieser Einbildung durch Hülffe des
Eißzapffens schwanger worden/ und ein arti-
ges schönes weißhäriges Knäbgen an die
Welt gebracht. Eine andere habe nur auf
ihres abwesenden Mannes Gesundheit ge-
truncken/ und alsobald hätte sie den Segen
ihres Leibes empfunden. Wieder eine an-
dere hätte sich an Hechts-Lebern/ und noch eine
andre an Heringsköpffen fruchtbar gegessen.
Endlich kam die application, die gute Frau

müste
B iij


ſich/ als verſtuͤnde er die Rede nicht/ und nahm
bald Abſchied/ mit wiederholter Bitte/ das
Loſament nach ihrem Willen zu brauchen Da
gieng es nun an ein Lachen/ uͤber die Frucht-
barkeit des Weibes/ die nicht viel anders auß-
ſah/ als ein alter Meeraffe/ und konte man faſt
errathen/ warum der Mann ſeine hertzaller-
liebſte Gemahlin nicht gern erzuͤrnen wolte/ in-
dem er ohn allen Zweifel die Beyſorge haben
muſte/ als moͤchte ſich die angefangene Frucht-
barkeit durch den Zorn wieder zerſchlagen.
Abſonderlich wuſte Eurylas, der alte durch-
triebene Suſannenbruder/ viel Hiſtorien auf
dieſen Schlag beyzubringen. Es habe ein-
mahl eines Schiffers Frau an ihren Mann ſo
hertzinniglich gedacht/ und in ſolchen Gedan-
cken habe ſie einen Eißzapffen vom Roͤhr-Ka-
ſten abgebrochen und verſchluckt/ alſo daß ſie
bloß von dieſer Einbildung durch Huͤlffe des
Eißzapffens ſchwanger worden/ und ein arti-
ges ſchoͤnes weißhaͤriges Knaͤbgen an die
Welt gebracht. Eine andere habe nur auf
ihres abweſenden Mannes Geſundheit ge-
truncken/ und alſobald haͤtte ſie den Segen
ihres Leibes empfunden. Wieder eine an-
dere haͤtte ſich an Hechts-Lebern/ und noch eine
andre an Heringskoͤpffen fruchtbar gegeſſen.
Endlich kam die application, die gute Frau

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[29/0035] ſich/ als verſtuͤnde er die Rede nicht/ und nahm bald Abſchied/ mit wiederholter Bitte/ das Loſament nach ihrem Willen zu brauchen Da gieng es nun an ein Lachen/ uͤber die Frucht- barkeit des Weibes/ die nicht viel anders auß- ſah/ als ein alter Meeraffe/ und konte man faſt errathen/ warum der Mann ſeine hertzaller- liebſte Gemahlin nicht gern erzuͤrnen wolte/ in- dem er ohn allen Zweifel die Beyſorge haben muſte/ als moͤchte ſich die angefangene Frucht- barkeit durch den Zorn wieder zerſchlagen. Abſonderlich wuſte Eurylas, der alte durch- triebene Suſannenbruder/ viel Hiſtorien auf dieſen Schlag beyzubringen. Es habe ein- mahl eines Schiffers Frau an ihren Mann ſo hertzinniglich gedacht/ und in ſolchen Gedan- cken habe ſie einen Eißzapffen vom Roͤhr-Ka- ſten abgebrochen und verſchluckt/ alſo daß ſie bloß von dieſer Einbildung durch Huͤlffe des Eißzapffens ſchwanger worden/ und ein arti- ges ſchoͤnes weißhaͤriges Knaͤbgen an die Welt gebracht. Eine andere habe nur auf ihres abweſenden Mannes Geſundheit ge- truncken/ und alſobald haͤtte ſie den Segen ihres Leibes empfunden. Wieder eine an- dere haͤtte ſich an Hechts-Lebern/ und noch eine andre an Heringskoͤpffen fruchtbar gegeſſen. Endlich kam die application, die gute Frau muͤſte B iij

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/35>, abgerufen am 18.03.2019.