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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Doch kommt er nur dahin/ wohin der
Gaul begehrt.

Florindo sahe die Kunststücke mit sonder-
lichen Freuden an/ und vermeinte nun/ es wäre
seine mühsame Reise glücklich abgelauffen/ und
würde er nun innerhalb 14. Tagen seine Lieb-
ste zu sehen bekommen. Aber Gelanor halff
ihm bald aus dem Traume/ es wäre noch lan-
ge nicht an dem/ daß er von dem ärgsten Nar-
ren in der Welt urtheilen könte/ ob er schon et-
liche Proben von rechtschaffenen Weiber-
Narren angetroffen hätte. Er müßte noch
weiter dran / ehe er die Zahl auf neun und
neuntzig brächte. Ja Eurylas brachte einen
artigen Possen zu Marckte/ Jn Warheit/ sag-
te er/ Mons. Florindo, wo er sich seine Liebste
zu sehr einnehmen läst/ so müssen wir über die
drey Felder noch eines bauen/ da er hinein ge-
mahlt wird. Gelanor lachte und bot sich an
die Uberschrifft zu machen: Der Mahler selbst
trat ihm ins Gesichte/ als wolte er schon auf
den Grund-Riß studiren Mit einem Worte/
der Händel wurden so viel/ daß Florindo zu-
sagte/ er wolte die Liebste zu Hause des ihrigen
gern warten lassen/ sie solten ihn nur nicht in
das Narren-Register mit einschreiben/ wegen
der Reise möchte es nach ihrem Gefallen lang
oder kurtz währen.

CAP.
B jv

Doch kommt er nur dahin/ wohin der
Gaul begehrt.

Florindo ſahe die Kunſtſtuͤcke mit ſonder-
lichen Freuden an/ und vermeinte nun/ es waͤre
ſeine muͤhſame Reiſe glücklich abgelauffen/ und
wuͤrde er nun innerhalb 14. Tagen ſeine Lieb-
ſte zu ſehen bekommen. Aber Gelanor halff
ihm bald aus dem Traume/ es waͤre noch lan-
ge nicht an dem/ daß er von dem aͤrgſten Nar-
ren in der Welt urtheilen koͤnte/ ob er ſchon et-
liche Proben von rechtſchaffenen Weiber-
Narren angetroffen haͤtte. Er muͤßte noch
weiter dran / ehe er die Zahl auf neun und
neuntzig braͤchte. Ja Eurylas brachte einen
artigen Poſſen zu Marckte/ Jn Warheit/ ſag-
te er/ Monſ. Florindo, wo er ſich ſeine Liebſte
zu ſehr einnehmen laͤſt/ ſo muͤſſen wir uͤber die
drey Felder noch eines bauen/ da er hinein ge-
mahlt wird. Gelanor lachte und bot ſich an
die Uberſchrifft zu machen: Der Mahler ſelbſt
trat ihm ins Geſichte/ als wolte er ſchon auf
den Grund-Riß ſtudiren Mit einem Worte/
der Haͤndel wurden ſo viel/ daß Florindo zu-
ſagte/ er wolte die Liebſte zu Hauſe des ihrigen
gern warten laſſen/ ſie ſolten ihn nur nicht in
das Narren-Regiſter mit einſchreiben/ wegen
der Reiſe moͤchte es nach ihrem Gefallen lang
oder kurtz waͤhren.

CAP.
B jv
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[31/0037] Doch kommt er nur dahin/ wohin der Gaul begehrt. Florindo ſahe die Kunſtſtuͤcke mit ſonder- lichen Freuden an/ und vermeinte nun/ es waͤre ſeine muͤhſame Reiſe glücklich abgelauffen/ und wuͤrde er nun innerhalb 14. Tagen ſeine Lieb- ſte zu ſehen bekommen. Aber Gelanor halff ihm bald aus dem Traume/ es waͤre noch lan- ge nicht an dem/ daß er von dem aͤrgſten Nar- ren in der Welt urtheilen koͤnte/ ob er ſchon et- liche Proben von rechtſchaffenen Weiber- Narren angetroffen haͤtte. Er muͤßte noch weiter dran / ehe er die Zahl auf neun und neuntzig braͤchte. Ja Eurylas brachte einen artigen Poſſen zu Marckte/ Jn Warheit/ ſag- te er/ Monſ. Florindo, wo er ſich ſeine Liebſte zu ſehr einnehmen laͤſt/ ſo muͤſſen wir uͤber die drey Felder noch eines bauen/ da er hinein ge- mahlt wird. Gelanor lachte und bot ſich an die Uberſchrifft zu machen: Der Mahler ſelbſt trat ihm ins Geſichte/ als wolte er ſchon auf den Grund-Riß ſtudiren Mit einem Worte/ der Haͤndel wurden ſo viel/ daß Florindo zu- ſagte/ er wolte die Liebſte zu Hauſe des ihrigen gern warten laſſen/ ſie ſolten ihn nur nicht in das Narren-Regiſter mit einſchreiben/ wegen der Reiſe moͤchte es nach ihrem Gefallen lang oder kurtz waͤhren. CAP. B jv

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/37>, abgerufen am 25.03.2019.