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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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CAP. II.

FOlgenden Tag wolten sie zur Kurtzweil
sich des Bades gebrauchen/ und gingen
also etliche Stunden vor Mittage fein ge-
mach dahin. Nun meinte Florindo, weil in
seinem Dorffe alle Baurn-Jungen den Hut
vor ihm abgezogen/ so müßte ihm die gantze
Welt zu Fusse fallen/ derhalben als ihm eine
bequeme Stelle gefiel/ welche aber allbereit von
einem andern eingenommen war/ begehrte er
von ihm/ er solte doch auffstehen. Dieser gab
ihm eine hönische Mine/ und sagte nichts mehr
als: Monsieur, kan er warten? Florindo blieb
stehen und vermeinte auf so eine gute Selle
wäre noch wohl zu warten; allein wie ihm die
Zeit etwas lang ward/ fragte er noch einmahl/
wie lang er warten solte/ der sagte nichts dar-
auf/ als: er warte so lang es ihm beliebt/ Flo-
rindo
schüttelte den Kopff und beteurte hoch/
er hätte sich dergleichen Unhöfligkeit nicht
versehen. Jndem kam der Hoffmeister dar zu/
und hielt ihm verweißlich vor/ warum er mit
aller Gewalt in das Narren Register wolle
gesetzt seyn/ es wäre hier ein freyer Ort/ da die
Ersten das beste Recht hätten/ und da nie-
mand des Andern Unterthan wäre. Was?
sagte Florindo, soll einer von Adel nicht besser
respectirt werden/ als auf diese Weise? wer

weiß

CAP. II.

FOlgenden Tag wolten ſie zur Kurtzweil
ſich des Bades gebrauchen/ und gingen
alſo etliche Stunden vor Mittage fein ge-
mach dahin. Nun meinte Florindo, weil in
ſeinem Dorffe alle Baurn-Jungen den Hut
vor ihm abgezogen/ ſo muͤßte ihm die gantze
Welt zu Fuſſe fallen/ derhalben als ihm eine
bequeme Stelle gefiel/ welche aber allbereit von
einem andern eingenommen war/ begehrte er
von ihm/ er ſolte doch auffſtehen. Dieſer gab
ihm eine hoͤniſche Mine/ und ſagte nichts mehr
als: Monſieur, kan er warten? Florindo blieb
ſtehen und vermeinte auf ſo eine gute Selle
waͤre noch wohl zu warten; allein wie ihm die
Zeit etwas lang ward/ fragte er noch einmahl/
wie lang er warten ſolte/ der ſagte nichts dar-
auf/ als: er warte ſo lang es ihm beliebt/ Flo-
rindo
ſchuͤttelte den Kopff und beteurte hoch/
er haͤtte ſich dergleichen Unhoͤfligkeit nicht
verſehen. Jndem kam der Hoffmeiſter dar zu/
und hielt ihm verweißlich vor/ warum er mit
aller Gewalt in das Narren Regiſter wolle
geſetzt ſeyn/ es waͤre hier ein freyer Ort/ da die
Erſten das beſte Recht haͤtten/ und da nie-
mand des Andern Unterthan waͤre. Was?
ſagte Florindo, ſoll einer von Adel nicht beſſer
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weiß
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[32/0038] CAP. II. FOlgenden Tag wolten ſie zur Kurtzweil ſich des Bades gebrauchen/ und gingen alſo etliche Stunden vor Mittage fein ge- mach dahin. Nun meinte Florindo, weil in ſeinem Dorffe alle Baurn-Jungen den Hut vor ihm abgezogen/ ſo muͤßte ihm die gantze Welt zu Fuſſe fallen/ derhalben als ihm eine bequeme Stelle gefiel/ welche aber allbereit von einem andern eingenommen war/ begehrte er von ihm/ er ſolte doch auffſtehen. Dieſer gab ihm eine hoͤniſche Mine/ und ſagte nichts mehr als: Monſieur, kan er warten? Florindo blieb ſtehen und vermeinte auf ſo eine gute Selle waͤre noch wohl zu warten; allein wie ihm die Zeit etwas lang ward/ fragte er noch einmahl/ wie lang er warten ſolte/ der ſagte nichts dar- auf/ als: er warte ſo lang es ihm beliebt/ Flo- rindo ſchuͤttelte den Kopff und beteurte hoch/ er haͤtte ſich dergleichen Unhoͤfligkeit nicht verſehen. Jndem kam der Hoffmeiſter dar zu/ und hielt ihm verweißlich vor/ warum er mit aller Gewalt in das Narren Regiſter wolle geſetzt ſeyn/ es waͤre hier ein freyer Ort/ da die Erſten das beſte Recht haͤtten/ und da nie- mand des Andern Unterthan waͤre. Was? ſagte Florindo, ſoll einer von Adel nicht beſſer reſpectirt werden/ als auf dieſe Weiſe? wer weiß

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/38>, S. 32, abgerufen am 18.11.2017.