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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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sammen auf einem Platz vor dem Thore re-
venge
suchten. Was wolte der Hoffmeister
thun/ der Karren war in den Koth gestossen/
und ohne Müh konte man nicht zurücke. Der-
halben blieb er bey der Resolution, und hatte
Florindo das Glück/ daß er im dritten Gange
dem unbekanten Eisenfresser eines in den Arm
versetzte. Darauff ward die Sache vertra-
gen/und ob zwar der Beschädigte sich vorbe-
hielt weitere satisfaction zu suchen/ gab ihm
doch Gelanor höfflich zu verstehen/ er würde
nicht begehren/ daß sie als reisende Personen
seinetwegen etliche Wochen verziehen solten:
sie würden inzwischen niemahls vor ihm er-
schrecken/ und allezeit parat seyn ihm auffzu-
warten/ hiermit verfügte sich ein ieder nach
Hause/ und gieng Florindo mit seiner Gesell-
schafft wieder in deß gedachten Priesters Lo-
sament. Nun hatte der Priester von dem
gantzem Handel schon Nachricht bekommen/
und als sie zu der Mahlzeit eilten/ und den
Wirth gern bey sich haben wolten/ hatte er gu-
te Gelegenheit davon zu reden. Florindo zwar
ließ sich/ als ein tapfferer Cavallier herauß/
er sey noch sein Tage vor keinem erschrocken/
wolle auch ins künfftige in kein Mäuseloch
kriechen. Galanor gieng etwas gelinder/ und
vermeinte es wäre eine schlechte Ehre nach

Streit


ſammen auf einem Platz vor dem Thore re-
venge
ſuchten. Was wolte der Hoffmeiſter
thun/ der Karren war in den Koth geſtoſſen/
und ohne Muͤh konte man nicht zuruͤcke. Der-
halben blieb er bey der Reſolution, und hatte
Florindo das Gluͤck/ daß er im dritten Gange
dem unbekanten Eiſenfreſſer eines in den Arm
verſetzte. Darauff ward die Sache vertra-
gen/und ob zwar der Beſchaͤdigte ſich vorbe-
hielt weitere ſatisfaction zu ſuchen/ gab ihm
doch Gelanor hoͤfflich zu verſtehen/ er wuͤrde
nicht begehren/ daß ſie als reiſende Perſonen
ſeinetwegen etliche Wochen verziehen ſolten:
ſie wuͤrden inzwiſchen niemahls vor ihm er-
ſchrecken/ und allezeit parat ſeyn ihm auffzu-
warten/ hiermit verfuͤgte ſich ein ieder nach
Hauſe/ und gieng Florindo mit ſeiner Geſell-
ſchafft wieder in deß gedachten Prieſters Lo-
ſament. Nun hatte der Prieſter von dem
gantzem Handel ſchon Nachricht bekommen/
und als ſie zu der Mahlzeit eilten/ und den
Wirth gern bey ſich haben wolten/ hatte er gu-
te Gelegenheit davon zu reden. Florindo zwar
ließ ſich/ als ein tapfferer Cavallier herauß/
er ſey noch ſein Tage vor keinem erſchrocken/
wolle auch ins kuͤnfftige in kein Maͤuſeloch
kriechen. Galanor gieng etwas gelinder/ und
vermeinte es waͤre eine ſchlechte Ehre nach

Streit
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[34/0040] ſammen auf einem Platz vor dem Thore re- venge ſuchten. Was wolte der Hoffmeiſter thun/ der Karren war in den Koth geſtoſſen/ und ohne Muͤh konte man nicht zuruͤcke. Der- halben blieb er bey der Reſolution, und hatte Florindo das Gluͤck/ daß er im dritten Gange dem unbekanten Eiſenfreſſer eines in den Arm verſetzte. Darauff ward die Sache vertra- gen/und ob zwar der Beſchaͤdigte ſich vorbe- hielt weitere ſatisfaction zu ſuchen/ gab ihm doch Gelanor hoͤfflich zu verſtehen/ er wuͤrde nicht begehren/ daß ſie als reiſende Perſonen ſeinetwegen etliche Wochen verziehen ſolten: ſie wuͤrden inzwiſchen niemahls vor ihm er- ſchrecken/ und allezeit parat ſeyn ihm auffzu- warten/ hiermit verfuͤgte ſich ein ieder nach Hauſe/ und gieng Florindo mit ſeiner Geſell- ſchafft wieder in deß gedachten Prieſters Lo- ſament. Nun hatte der Prieſter von dem gantzem Handel ſchon Nachricht bekommen/ und als ſie zu der Mahlzeit eilten/ und den Wirth gern bey ſich haben wolten/ hatte er gu- te Gelegenheit davon zu reden. Florindo zwar ließ ſich/ als ein tapfferer Cavallier herauß/ er ſey noch ſein Tage vor keinem erſchrocken/ wolle auch ins kuͤnfftige in kein Maͤuſeloch kriechen. Galanor gieng etwas gelinder/ und vermeinte es waͤre eine ſchlechte Ehre nach Streit

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 34. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/40>, abgerufen am 21.03.2019.