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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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che noch im blinden Heidenthum lebten/ war
es kein Wunder/ daß dergleichen Duell ge-
hegt wurden; denn sie stunden in dem Aber-
glauben/ als müste bey der besten Sache auch
nothwendig das beste Glück seyn. Nun aber
wir Christen aus der hellen Erfahrung ver-
gewissert sind/ daß offt die ärgsten Zäncker und
Stäncker denen unschuldigsten und frömsten
Leuten überlegen seyn/ und daß mancher an
statt gesuchter satisfaction sein Leben in die
Schantze geschlagen/ so scheinet es ja wunder-
lich/ daß man noch ferner in seine eigene Ge-
fahr hinein rennen will. Da wäre es eine
Sache/ wenn der provocant seine drey Kreutz-
hiebe auf gut Schweitzerisch dürffte vorauß
thun/ als denn möchte es zu gleichen Theilen
gehen. Gelano[r] fing ihm diese Rede auf/ und
sagte/ ihr Herren Geistlichen/ ihr habt gut re-
den/ indem ihr auf euren Hartzkappen das
privilegium habt/ daß ihr euch nicht wehren
dürfft/und man hat es nun erfahren/ daß es
grossen Doctoribus nichts am Handwerck scha-
det/ wenn sie sich gleich unter einan der Schelm
und Diebe heissen. Tu, si hic esses, aliter sen-
tires.
Es muß wohl mancher mit machen/
der sonst schlechte Lust darzu hat. Die Ge-
wonheit ist ein starcker Strom/ dem ein schlech-
ter Baum nicht widerstehen kan. Der Prie-

ster
B vij


che noch im blinden Heidenthum lebten/ war
es kein Wunder/ daß dergleichen Duell ge-
hegt wurden; denn ſie ſtunden in dem Aber-
glauben/ als muͤſte bey der beſten Sache auch
nothwendig das beſte Gluͤck ſeyn. Nun aber
wir Chriſten aus der hellen Erfahrung ver-
gewiſſert ſind/ daß offt die aͤrgſten Zaͤncker und
Staͤncker denen unſchuldigſten und froͤmſten
Leuten uͤberlegen ſeyn/ und daß mancher an
ſtatt geſuchter ſatisfaction ſein Leben in die
Schantze geſchlagen/ ſo ſcheinet es ja wunder-
lich/ daß man noch ferner in ſeine eigene Ge-
fahr hinein rennen will. Da waͤre es eine
Sache/ wenn der provocant ſeine drey Kreutz-
hiebe auf gut Schweitzeriſch duͤrffte vorauß
thun/ als denn moͤchte es zu gleichen Theilen
gehen. Gelano[r] fing ihm dieſe Rede auf/ und
ſagte/ ihr Herren Geiſtlichen/ ihr habt gut re-
den/ indem ihr auf euren Hartzkappen das
privilegium habt/ daß ihr euch nicht wehren
duͤrfft/und man hat es nun erfahren/ daß es
groſſẽ Doctoribus nichts am Handwerck ſcha-
det/ weñ ſie ſich gleich unter einan der Schelm
und Diebe heiſſen. Tu, ſi hic eſſes, aliter ſen-
tires.
Es muß wohl mancher mit machen/
der ſonſt ſchlechte Luſt darzu hat. Die Ge-
wonheit iſt ein ſtarcker Strom/ dem ein ſchlech-
ter Baum nicht widerſtehen kan. Der Prie-

ſter
B vij
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[37/0043] che noch im blinden Heidenthum lebten/ war es kein Wunder/ daß dergleichen Duell ge- hegt wurden; denn ſie ſtunden in dem Aber- glauben/ als muͤſte bey der beſten Sache auch nothwendig das beſte Gluͤck ſeyn. Nun aber wir Chriſten aus der hellen Erfahrung ver- gewiſſert ſind/ daß offt die aͤrgſten Zaͤncker und Staͤncker denen unſchuldigſten und froͤmſten Leuten uͤberlegen ſeyn/ und daß mancher an ſtatt geſuchter ſatisfaction ſein Leben in die Schantze geſchlagen/ ſo ſcheinet es ja wunder- lich/ daß man noch ferner in ſeine eigene Ge- fahr hinein rennen will. Da waͤre es eine Sache/ wenn der provocant ſeine drey Kreutz- hiebe auf gut Schweitzeriſch duͤrffte vorauß thun/ als denn moͤchte es zu gleichen Theilen gehen. Gelanor fing ihm dieſe Rede auf/ und ſagte/ ihr Herren Geiſtlichen/ ihr habt gut re- den/ indem ihr auf euren Hartzkappen das privilegium habt/ daß ihr euch nicht wehren duͤrfft/und man hat es nun erfahren/ daß es groſſẽ Doctoribus nichts am Handwerck ſcha- det/ weñ ſie ſich gleich unter einan der Schelm und Diebe heiſſen. Tu, ſi hic eſſes, aliter ſen- tires. Es muß wohl mancher mit machen/ der ſonſt ſchlechte Luſt darzu hat. Die Ge- wonheit iſt ein ſtarcker Strom/ dem ein ſchlech- ter Baum nicht widerſtehen kan. Der Prie- ſter B vij

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/43>, abgerufen am 20.03.2019.