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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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tiges Ansuchen deß Türckischen Käysers wäre
Grandvezier worden/ so wolte ich in der Ste-
phans Kirche zu Wien dem Mahomet zu Eh-
ren die künfftige Pfingst-Predigt halten lassen.
Doch der Hencker hat die Jesuiten erdacht/
die mich keinmahl vor ihre Käyserliche Maj.
gelassen haben. Jch wolte ein Mittel vorge-
schlagen haben/ daß dem Bluthund in Con-
stantinopel
solte angst und bange worden
seyn. Denn wie leicht wäre es gethan/ daß
ein Befehl aus bracht würde/ alle Mönche und
Nonnen solten etliche mal bey sammen schlaf-
fen/ und Kinder zeugen/ darauß in 20. Jahren
eine vollständige Armee könte formirt wer-
den. Es schiene/ als könte der possierliche Sau-
sewind kein Ende finden/ so sehr hatte er sich im
discurse vertieffet/ doch machte Gelanor einen
Auffstand/ welcher einen Boten wegen auf-
senbleibendes Wechsels noch vor Tages ab-
fertigen solte. Jnzwischen machte sich Flo-
rindo,
nach dem er etwas freyere Lufft bekom-
men/ über den Politicum her/ verwunderte sich
über die sonderbahre Weisheit/ und wünschte
ihn zum Hoffmeister zu haben. Dem Kerln
wackelte das Hertz vor Freuden und weil er
ihn vor einen jungen Fürsten hielt/ ließ er sich
desto eher zu solcher Charge behandeln. Da
gieng es nun an ein Vexieren/ er muste etliche

grosse


tiges Anſuchen deß Tuͤrckiſchen Kaͤyſers waͤre
Grandvezier worden/ ſo wolte ich in der Ste-
phans Kirche zu Wien dem Mahomet zu Eh-
ren die kuͤnfftige Pfingſt-Predigt haltẽ laſſen.
Doch der Hencker hat die Jeſuiten erdacht/
die mich keinmahl vor ihre Kaͤyſerliche Maj.
gelaſſen haben. Jch wolte ein Mittel vorge-
ſchlagen haben/ daß dem Bluthund in Con-
ſtantinopel
ſolte angſt und bange worden
ſeyn. Denn wie leicht waͤre es gethan/ daß
ein Befehl aus bracht wuͤrde/ alle Moͤnche und
Nonnen ſolten etliche mal bey ſammen ſchlaf-
fen/ und Kinder zeugen/ darauß in 20. Jahren
eine vollſtaͤndige Armee koͤnte formirt wer-
den. Es ſchiene/ als koͤnte der poſſierliche Sau-
ſewind kein Ende finden/ ſo ſehr hatte er ſich im
diſcurſe vertieffet/ doch machte Gelanor einen
Auffſtand/ welcher einen Boten wegen auf-
ſenbleibendes Wechſels noch vor Tages ab-
fertigen ſolte. Jnzwiſchen machte ſich Flo-
rindo,
nach dem er etwas freyere Lufft bekom-
men/ uͤber den Politicum her/ verwunderte ſich
uͤber die ſonderbahre Weisheit/ und wuͤnſchte
ihn zum Hoffmeiſter zu haben. Dem Kerln
wackelte das Hertz vor Freuden und weil er
ihn vor einen jungen Fuͤrſten hielt/ ließ er ſich
deſto eher zu ſolcher Charge behandeln. Da
gieng es nun an ein Vexieren/ er muſte etliche

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[43/0049] tiges Anſuchen deß Tuͤrckiſchen Kaͤyſers waͤre Grandvezier worden/ ſo wolte ich in der Ste- phans Kirche zu Wien dem Mahomet zu Eh- ren die kuͤnfftige Pfingſt-Predigt haltẽ laſſen. Doch der Hencker hat die Jeſuiten erdacht/ die mich keinmahl vor ihre Kaͤyſerliche Maj. gelaſſen haben. Jch wolte ein Mittel vorge- ſchlagen haben/ daß dem Bluthund in Con- ſtantinopel ſolte angſt und bange worden ſeyn. Denn wie leicht waͤre es gethan/ daß ein Befehl aus bracht wuͤrde/ alle Moͤnche und Nonnen ſolten etliche mal bey ſammen ſchlaf- fen/ und Kinder zeugen/ darauß in 20. Jahren eine vollſtaͤndige Armee koͤnte formirt wer- den. Es ſchiene/ als koͤnte der poſſierliche Sau- ſewind kein Ende finden/ ſo ſehr hatte er ſich im diſcurſe vertieffet/ doch machte Gelanor einen Auffſtand/ welcher einen Boten wegen auf- ſenbleibendes Wechſels noch vor Tages ab- fertigen ſolte. Jnzwiſchen machte ſich Flo- rindo, nach dem er etwas freyere Lufft bekom- men/ uͤber den Politicum her/ verwunderte ſich uͤber die ſonderbahre Weisheit/ und wuͤnſchte ihn zum Hoffmeiſter zu haben. Dem Kerln wackelte das Hertz vor Freuden und weil er ihn vor einen jungen Fuͤrſten hielt/ ließ er ſich deſto eher zu ſolcher Charge behandeln. Da gieng es nun an ein Vexieren/ er muſte etliche groſſe

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 43. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/49>, abgerufen am 21.03.2019.