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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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grosse Humpen auf deß Füstlichen Hauses
Wohlergehen außsauffen/ und dabey mit dem
Mahler und etlichen Pagen auf den Tisch stei-
gen/ biß es endlich auf Nasenstüber und Kopff-
stösse hinaus lieff/ welche der Auffschneider
schwerlich würde vertragen haben/ wenn ihm
Florindo nicht ein paar Reichsthaler an den
Hals geworffen hätte. Doch schnitten ihm
die Jungen unterschiedene Löcher in die Kap-
pe/ pinckelten ihm in die Degen-Scheide/ heff-
teten ihm Hasen-Ohren an die Krempe/ mit
einem Worte/ sie thaten alles was man bey
einem perfecten Hof-Narren nicht zu ver-
gessen pflegt. Mit solchen Ceremonien schaff-
ten sie auch die volle Sau von sich/ und meyn-
te Florindo, er würde bey seinem Hoffmeister
grossen Danck verdienen/ wenn er ihm früh
Morgens die artige Action erzehlen würde.
Aber er muste wider sein Verhoffen einen
dichten Filtz mitnehmen. Was meynt ihr
wohl! sagte Gelanor, welcher die gröste Thor-
heit begangen. Der gute Mensch hat frey-
lich in das Hasen-Fett tieff genung einge-
tütscht; aber wer klug seyn will/ hat billich mit
dessen Unglücke Mitleiden/ daß er seine Ver-
nunfft nicht besser anwenden kan. So habt
ihr das Widerspiel erwiesen/ und habt euch
von diesem Narren selbst lassen zum Narren

ma-


groſſe Humpen auf deß Fuͤſtlichen Hauſes
Wohlergehen außſauffen/ und dabey mit dem
Mahler und etlichen Pagen auf den Tiſch ſtei-
gen/ biß es endlich auf Naſenſtuͤber und Kopff-
ſtoͤſſe hinaus lieff/ welche der Auffſchneider
ſchwerlich wuͤrde vertragen haben/ wenn ihm
Florindo nicht ein paar Reichsthaler an den
Hals geworffen haͤtte. Doch ſchnitten ihm
die Jungen unterſchiedene Loͤcher in die Kap-
pe/ pinckelten ihm in die Degen-Scheide/ heff-
teten ihm Haſen-Ohren an die Krempe/ mit
einem Worte/ ſie thaten alles was man bey
einem perfecten Hof-Narren nicht zu ver-
geſſen pflegt. Mit ſolchen Ceremonien ſchaff-
ten ſie auch die volle Sau von ſich/ und meyn-
te Florindo, er wuͤrde bey ſeinem Hoffmeiſter
groſſen Danck verdienen/ wenn er ihm fruͤh
Morgens die artige Action erzehlen wuͤrde.
Aber er muſte wider ſein Verhoffen einen
dichten Filtz mitnehmen. Was meynt ihr
wohl! ſagte Gelanor, welcher die groͤſte Thor-
heit begangen. Der gute Menſch hat frey-
lich in das Haſen-Fett tieff genung einge-
tuͤtſcht; aber wer klug ſeyn will/ hat billich mit
deſſen Ungluͤcke Mitleiden/ daß er ſeine Ver-
nunfft nicht beſſer anwenden kan. So habt
ihr das Widerſpiel erwieſen/ und habt euch
von dieſem Narren ſelbſt laſſen zum Narren

ma-
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[44/0050] groſſe Humpen auf deß Fuͤſtlichen Hauſes Wohlergehen außſauffen/ und dabey mit dem Mahler und etlichen Pagen auf den Tiſch ſtei- gen/ biß es endlich auf Naſenſtuͤber und Kopff- ſtoͤſſe hinaus lieff/ welche der Auffſchneider ſchwerlich wuͤrde vertragen haben/ wenn ihm Florindo nicht ein paar Reichsthaler an den Hals geworffen haͤtte. Doch ſchnitten ihm die Jungen unterſchiedene Loͤcher in die Kap- pe/ pinckelten ihm in die Degen-Scheide/ heff- teten ihm Haſen-Ohren an die Krempe/ mit einem Worte/ ſie thaten alles was man bey einem perfecten Hof-Narren nicht zu ver- geſſen pflegt. Mit ſolchen Ceremonien ſchaff- ten ſie auch die volle Sau von ſich/ und meyn- te Florindo, er wuͤrde bey ſeinem Hoffmeiſter groſſen Danck verdienen/ wenn er ihm fruͤh Morgens die artige Action erzehlen wuͤrde. Aber er muſte wider ſein Verhoffen einen dichten Filtz mitnehmen. Was meynt ihr wohl! ſagte Gelanor, welcher die groͤſte Thor- heit begangen. Der gute Menſch hat frey- lich in das Haſen-Fett tieff genung einge- tuͤtſcht; aber wer klug ſeyn will/ hat billich mit deſſen Ungluͤcke Mitleiden/ daß er ſeine Ver- nunfft nicht beſſer anwenden kan. So habt ihr das Widerſpiel erwieſen/ und habt euch von dieſem Narren ſelbſt laſſen zum Narren ma-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 44. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/50>, abgerufen am 24.03.2019.