Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

Bild:
<< vorherige Seite


auff dem Rücken hat. Diese Leute gehören
inter claros magis, quam inter bonos. Wie
Tacitus redet, oder wie Salustii Worte sind.
Magis vultum quam ingenium bonum ha-
bent.

CAP. IV.

SOlche Anmerckungen hatte Gelanor ü-
ber diesen vermeynten gelährten Wun-
der Mann. Jnmittelst aber/ als diese beyde
sich in der Bibliothec umsahen/ satzte es im
Wirthshause einen lächerlichen Possen. Der
Mahler hatte gesehen/ daß Gelanor den
Brieff eröffnen lassen/ und den Florindo
stracks darauff allein zu sich gezogen/ dahero
muthmassete er/ es müste was sonderliches da-
rinnen gewesen seyn/ und weil Eurylas noch
immer sein bester Patron war/ fragte er ihn
in allem Vertrauen/ was denn in dem Brieffe
vor Heimligkeiten gestanden. Eurylas, dem
nichts mehr zu wieder war/ als wenn sich ie-
mand ümb frembte Händel bekümmerte/
machte alsobald den Schluß/ er wolte dem
vorwitzigen Kerln einen artigen Wurm
schneiden. Sagte derowegen/ er hätte zwar
den Jnhalt gesehen/ doch würde er bey dem
Florindo grosse Verantwortung bekommen/
wenn er nicht reinen Mund halten wolte. End-

lich


auff dem Ruͤcken hat. Dieſe Leute gehoͤren
inter claros magis, quàm inter bonos. Wie
Tacitus redet, oder wie Saluſtii Worte ſind.
Magis vultum quàm ingenium bonum ha-
bent.

CAP. IV.

SOlche Anmerckungen hatte Gelanor uͤ-
ber dieſen vermeynten gelaͤhrten Wun-
der Mann. Jnmittelſt aber/ als dieſe beyde
ſich in der Bibliothec umſahen/ ſatzte es im
Wirthshauſe einen laͤcherlichen Poſſen. Der
Mahler hatte geſehen/ daß Gelanor den
Brieff eroͤffnen laſſen/ und den Florindo
ſtracks darauff allein zu ſich gezogen/ dahero
muthmaſſete er/ es muͤſte was ſonderliches da-
rinnen geweſen ſeyn/ und weil Eurylas noch
immer ſein beſter Patron war/ fragte er ihn
in allem Vertrauen/ was denn in dem Brieffe
vor Heimligkeiten geſtanden. Eurylas, dem
nichts mehr zu wieder war/ als wenn ſich ie-
mand uͤmb frembte Haͤndel bekuͤmmerte/
machte alſobald den Schluß/ er wolte dem
vorwitzigen Kerln einen artigen Wurm
ſchneiden. Sagte derowegen/ er haͤtte zwar
den Jnhalt geſehen/ doch wuͤrde er bey dem
Florindo groſſe Verantwortung bekommen/
wenn er nicht reinen Mund halten wolte. End-

lich
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0056" n="50"/><lb/>
auff dem Ru&#x0364;cken hat. Die&#x017F;e Leute geho&#x0364;ren<lb/><hi rendition="#aq">inter claros magis, quàm inter bonos.</hi> Wie<lb/><hi rendition="#aq">Tacitus</hi> redet, oder wie <hi rendition="#aq">Salu&#x017F;tii</hi> Worte &#x017F;ind.<lb/><hi rendition="#aq">Magis vultum quàm ingenium bonum ha-<lb/>
bent.</hi></p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#aq">CAP. IV.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">S</hi>Olche Anmerckungen hatte <hi rendition="#aq">Gelanor</hi> u&#x0364;-<lb/>
ber die&#x017F;en vermeynten gela&#x0364;hrten Wun-<lb/>
der Mann. Jnmittel&#x017F;t aber/ als die&#x017F;e beyde<lb/>
&#x017F;ich in der <hi rendition="#aq">Bibliothec</hi> um&#x017F;ahen/ &#x017F;atzte es im<lb/>
Wirthshau&#x017F;e einen la&#x0364;cherlichen Po&#x017F;&#x017F;en. Der<lb/>
Mahler hatte ge&#x017F;ehen/ daß <hi rendition="#aq">Gelanor</hi> den<lb/>
Brieff ero&#x0364;ffnen la&#x017F;&#x017F;en/ und den <hi rendition="#aq">Florindo</hi><lb/>
&#x017F;tracks darauff allein zu &#x017F;ich gezogen/ dahero<lb/>
muthma&#x017F;&#x017F;ete er/ es mu&#x0364;&#x017F;te was &#x017F;onderliches da-<lb/>
rinnen gewe&#x017F;en &#x017F;eyn/ und weil <hi rendition="#aq">Eurylas</hi> noch<lb/>
immer &#x017F;ein be&#x017F;ter Patron war/ fragte er ihn<lb/>
in allem Vertrauen/ was denn in dem Brieffe<lb/>
vor Heimligkeiten ge&#x017F;tanden. <hi rendition="#aq">Eurylas,</hi> dem<lb/>
nichts mehr zu wieder war/ als wenn &#x017F;ich ie-<lb/>
mand u&#x0364;mb frembte Ha&#x0364;ndel beku&#x0364;mmerte/<lb/>
machte al&#x017F;obald den Schluß/ er wolte dem<lb/>
vorwitzigen Kerln einen artigen Wurm<lb/>
&#x017F;chneiden. Sagte derowegen/ er ha&#x0364;tte zwar<lb/>
den Jnhalt ge&#x017F;ehen/ doch wu&#x0364;rde er bey dem<lb/><hi rendition="#aq">Florindo</hi> gro&#x017F;&#x017F;e Verantwortung bekommen/<lb/>
wenn er nicht reinen Mund halten wolte. End-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">lich</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[50/0056] auff dem Ruͤcken hat. Dieſe Leute gehoͤren inter claros magis, quàm inter bonos. Wie Tacitus redet, oder wie Saluſtii Worte ſind. Magis vultum quàm ingenium bonum ha- bent. CAP. IV. SOlche Anmerckungen hatte Gelanor uͤ- ber dieſen vermeynten gelaͤhrten Wun- der Mann. Jnmittelſt aber/ als dieſe beyde ſich in der Bibliothec umſahen/ ſatzte es im Wirthshauſe einen laͤcherlichen Poſſen. Der Mahler hatte geſehen/ daß Gelanor den Brieff eroͤffnen laſſen/ und den Florindo ſtracks darauff allein zu ſich gezogen/ dahero muthmaſſete er/ es muͤſte was ſonderliches da- rinnen geweſen ſeyn/ und weil Eurylas noch immer ſein beſter Patron war/ fragte er ihn in allem Vertrauen/ was denn in dem Brieffe vor Heimligkeiten geſtanden. Eurylas, dem nichts mehr zu wieder war/ als wenn ſich ie- mand uͤmb frembte Haͤndel bekuͤmmerte/ machte alſobald den Schluß/ er wolte dem vorwitzigen Kerln einen artigen Wurm ſchneiden. Sagte derowegen/ er haͤtte zwar den Jnhalt geſehen/ doch wuͤrde er bey dem Florindo groſſe Verantwortung bekommen/ wenn er nicht reinen Mund halten wolte. End- lich

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe handelt es sich um die 2. Auflage… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/56
Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/56>, S. 50, abgerufen am 22.11.2017.