Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

Bild:
<< vorherige Seite


sich etwas an einem Fenster regte/ es möchte
gleich eine Muhme mit dem Kinde/ oder ein
weisser Blumen-Topff/ oder gar eine bunte
Katze seyn/ so muste der Hut vom Kopffe/ und
hätte er noch so fest gestanden. Und solches
geschah mit einer unbeschreiblichen Höfflig-
keit/ daß man nicht wuste/ ob er sich auf die Er-
de legen/ oder ob er sich sonsten seiner Bequem-
ligkeit nach/ ein bißgen außdehnen wolte.
Nach vielen weitläufftigen Umschweiffen kam
er wieder vor das Haus/ darauß er gegan-
gen war/ und Gelanor, als ein Unbekanter
selbiges Orts/ kam vor sein Wirtshaus/ ehe
er es war inne worden. Sie wunderten sich/
wie es zugienge/ und hätten sich leicht bereden
lassen ein Wirtshaus wäre dem andern ähn-
lich/ wann nicht der arme Mahler in dem Hau-
se auf einen Steine gesessen/ und die Sorgen-
seule unter den Kopff gestützet hätte.

CAP. V.

GElanor fragte was er neues zu klagen
hätte/ ob ihm die Capaun-Angst noch nit
vergangen wäre. Der gute Kumpe seuffzete
ein wenig/ endlich fieng er an/ich wolte daß der
Hencker das Spielen geholt hätte/ ehe die Kar-
tenmacher wären jung worden. Denn da
hatte ich eben ein paar Ducaten vom Herrn ge-

schenckt


ſich etwas an einem Fenſter regte/ es moͤchte
gleich eine Muhme mit dem Kinde/ oder ein
weiſſer Blumen-Topff/ oder gar eine bunte
Katze ſeyn/ ſo muſte der Hut vom Kopffe/ und
haͤtte er noch ſo feſt geſtanden. Und ſolches
geſchah mit einer unbeſchreiblichen Hoͤfflig-
keit/ daß man nicht wuſte/ ob er ſich auf die Er-
de legen/ oder ob er ſich ſonſten ſeiner Bequem-
ligkeit nach/ ein bißgen außdehnen wolte.
Nach vielen weitlaͤufftigen Umſchweiffen kam
er wieder vor das Haus/ darauß er gegan-
gen war/ und Gelanor, als ein Unbekanter
ſelbiges Orts/ kam vor ſein Wirtshaus/ ehe
er es war inne worden. Sie wunderten ſich/
wie es zugienge/ und haͤtten ſich leicht bereden
laſſen ein Wirtshaus waͤre dem andern aͤhn-
lich/ wann nicht der arme Mahler in dem Hau-
ſe auf einen Steine geſeſſen/ und die Sorgen-
ſeule unter den Kopff geſtuͤtzet haͤtte.

CAP. V.

GElanor fragte was er neues zu klagen
haͤtte/ ob ihm die Capaun-Angſt noch nit
vergangen waͤre. Der gute Kumpe ſeuffzete
ein wenig/ endlich fieng er an/ich wolte daß der
Hencker das Spielen geholt haͤtte/ ehe die Kar-
tenmacher waͤren jung worden. Denn da
hatte ich eben ein paar Ducatẽ vom Herrn ge-

ſchenckt
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0064" n="58"/><lb/>
&#x017F;ich etwas an einem <hi rendition="#fr">F</hi>en&#x017F;ter regte/ es mo&#x0364;chte<lb/>
gleich eine Muhme mit dem Kinde/ oder ein<lb/>
wei&#x017F;&#x017F;er Blumen-Topff/ oder gar eine bunte<lb/>
Katze &#x017F;eyn/ &#x017F;o mu&#x017F;te der Hut vom Kopffe/ und<lb/>
ha&#x0364;tte er noch &#x017F;o fe&#x017F;t ge&#x017F;tanden. Und &#x017F;olches<lb/>
ge&#x017F;chah mit einer unbe&#x017F;chreiblichen Ho&#x0364;fflig-<lb/>
keit/ daß man nicht wu&#x017F;te/ ob er &#x017F;ich auf die Er-<lb/>
de legen/ oder ob er &#x017F;ich &#x017F;on&#x017F;ten &#x017F;einer Bequem-<lb/>
ligkeit nach/ ein bißgen außdehnen wolte.<lb/>
Nach vielen weitla&#x0364;ufftigen Um&#x017F;chweiffen kam<lb/>
er wieder vor das Haus/ darauß er gegan-<lb/>
gen war/ und <hi rendition="#aq">Gelanor,</hi> als ein <hi rendition="#aq">U</hi>nbekanter<lb/>
&#x017F;elbiges Orts/ kam vor &#x017F;ein Wirtshaus/ ehe<lb/>
er es war inne worden. Sie wunderten &#x017F;ich/<lb/>
wie es zugienge/ und ha&#x0364;tten &#x017F;ich leicht bereden<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en ein Wirtshaus wa&#x0364;re dem andern a&#x0364;hn-<lb/>
lich/ wann nicht der arme Mahler in dem Hau-<lb/>
&#x017F;e auf einen Steine ge&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en/ und die Sorgen-<lb/>
&#x017F;eule unter den Kopff ge&#x017F;tu&#x0364;tzet ha&#x0364;tte.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#aq">CAP. V.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#aq"><hi rendition="#in">G</hi>Elanor</hi> fragte was er neues zu klagen<lb/>
ha&#x0364;tte/ ob ihm die Capaun-Ang&#x017F;t noch nit<lb/>
vergangen wa&#x0364;re. Der gute Kumpe &#x017F;euffzete<lb/>
ein wenig/ endlich fieng er an/ich wolte daß der<lb/>
Hencker das Spielen geholt ha&#x0364;tte/ ehe die Kar-<lb/>
tenmacher wa&#x0364;ren jung worden. Denn da<lb/>
hatte ich eben ein paar Ducate&#x0303; vom Herrn ge-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;chenckt</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[58/0064] ſich etwas an einem Fenſter regte/ es moͤchte gleich eine Muhme mit dem Kinde/ oder ein weiſſer Blumen-Topff/ oder gar eine bunte Katze ſeyn/ ſo muſte der Hut vom Kopffe/ und haͤtte er noch ſo feſt geſtanden. Und ſolches geſchah mit einer unbeſchreiblichen Hoͤfflig- keit/ daß man nicht wuſte/ ob er ſich auf die Er- de legen/ oder ob er ſich ſonſten ſeiner Bequem- ligkeit nach/ ein bißgen außdehnen wolte. Nach vielen weitlaͤufftigen Umſchweiffen kam er wieder vor das Haus/ darauß er gegan- gen war/ und Gelanor, als ein Unbekanter ſelbiges Orts/ kam vor ſein Wirtshaus/ ehe er es war inne worden. Sie wunderten ſich/ wie es zugienge/ und haͤtten ſich leicht bereden laſſen ein Wirtshaus waͤre dem andern aͤhn- lich/ wann nicht der arme Mahler in dem Hau- ſe auf einen Steine geſeſſen/ und die Sorgen- ſeule unter den Kopff geſtuͤtzet haͤtte. CAP. V. GElanor fragte was er neues zu klagen haͤtte/ ob ihm die Capaun-Angſt noch nit vergangen waͤre. Der gute Kumpe ſeuffzete ein wenig/ endlich fieng er an/ich wolte daß der Hencker das Spielen geholt haͤtte/ ehe die Kar- tenmacher waͤren jung worden. Denn da hatte ich eben ein paar Ducatẽ vom Herrn ge- ſchenckt

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Bei der Ausgabe handelt es sich um die 2. Auflage… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/64
Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/64>, S. 58, abgerufen am 21.11.2017.