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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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ach könte ich ietzt dreissig Jahr jünger wer-
den!

CAP. VII.

FLorindo hatte alle die Erzehlungen mit
grosser Lust angehöret/ Gelanor auch ließ
sich die artlichen Begebenheiten nicht übel
gefallen/ doch hatte dieser etliche Lehren darü-
ber abgefast welche dem Florindo gantz in ge-
heim communicirt worden/ also daß kein
Mensch solcher biß auf diese Stunde habhafft
werden kan. Derhalben wird der geneigte
Leser auch zu frieden seyn/ daß hier etwas mit
Stillschweigen übergangen wird. Es möch-
ten sich etliche Leute der Sache annehmen/ die
man nicht gern erzürnen will: Und wer will
sich an allen alten Gasconiern das Maul ver-
brennen. Wir gehen in unserer Erzehlung
fort/ und geben unsern narrenbegierigen Per-
sonen das Geleite. Diese hatten sich auf des
Wirths Einrathen in einen berühmten Lust-
garten verfügt/ und wolten die Herrligkeit
desselben Ortes auch mitnehmen. Aber
Gelanor sagte den halben Theil von seinen
Gedancken nicht/ dann so offt der Gärtner mit
seinen frembden Gewanchsen herpralte/ wie ei-
nes 10. das andere 20. das dritte 50. das vierd-
te gar hundert Thaler zu stehen käme/ hielt er

allzeit


ach koͤnte ich ietzt dreiſſig Jahr juͤnger wer-
den!

CAP. VII.

FLorindo hatte alle die Erzehlungen mit
groſſer Luſt angehoͤret/ Gelanor auch ließ
ſich die artlichen Begebenheiten nicht uͤbel
gefallen/ doch hatte dieſer etliche Lehren daruͤ-
ber abgefaſt welche dem Florindo gantz in ge-
heim communicirt worden/ alſo daß kein
Menſch ſolcher biß auf dieſe Stunde habhafft
werden kan. Derhalben wird der geneigte
Leſer auch zu frieden ſeyn/ daß hier etwas mit
Stillſchweigen übergangen wird. Es moͤch-
ten ſich etliche Leute der Sache annehmen/ die
man nicht gern erzuͤrnen will: Und wer will
ſich an allen alten Gaſconiern das Maul ver-
brennen. Wir gehen in unſerer Erzehlung
fort/ und geben unſern narrenbegierigen Per-
ſonen das Geleite. Dieſe hatten ſich auf des
Wirths Einrathen in einen beruͤhmten Luſt-
garten verfuͤgt/ und wolten die Herrligkeit
deſſelben Ortes auch mitnehmen. Aber
Gelanor ſagte den halben Theil von ſeinen
Gedancken nicht/ dann ſo offt der Gaͤrtner mit
ſeinen frembden Gewāchſen herpralte/ wie ei-
nes 10. das andere 20. das dritte 50. das vierd-
te gar hundert Thaler zu ſtehen kaͤme/ hielt er

allzeit
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[82/0088] ach koͤnte ich ietzt dreiſſig Jahr juͤnger wer- den! CAP. VII. FLorindo hatte alle die Erzehlungen mit groſſer Luſt angehoͤret/ Gelanor auch ließ ſich die artlichen Begebenheiten nicht uͤbel gefallen/ doch hatte dieſer etliche Lehren daruͤ- ber abgefaſt welche dem Florindo gantz in ge- heim communicirt worden/ alſo daß kein Menſch ſolcher biß auf dieſe Stunde habhafft werden kan. Derhalben wird der geneigte Leſer auch zu frieden ſeyn/ daß hier etwas mit Stillſchweigen übergangen wird. Es moͤch- ten ſich etliche Leute der Sache annehmen/ die man nicht gern erzuͤrnen will: Und wer will ſich an allen alten Gaſconiern das Maul ver- brennen. Wir gehen in unſerer Erzehlung fort/ und geben unſern narrenbegierigen Per- ſonen das Geleite. Dieſe hatten ſich auf des Wirths Einrathen in einen beruͤhmten Luſt- garten verfuͤgt/ und wolten die Herrligkeit deſſelben Ortes auch mitnehmen. Aber Gelanor ſagte den halben Theil von ſeinen Gedancken nicht/ dann ſo offt der Gaͤrtner mit ſeinen frembden Gewāchſen herpralte/ wie ei- nes 10. das andere 20. das dritte 50. das vierd- te gar hundert Thaler zu ſtehen kaͤme/ hielt er allzeit

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 82. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/88>, abgerufen am 20.10.2019.