Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weise, Christian: Zittauisches Theatrum. Zittau, 1683.

Bild:
<< vorherige Seite
MASANIELLO.
Erster Handlung
Neundter Aufftrit.
Roderigo, Prospero, Ferrante, Donato.
Allegro
auff der Seite.
Rod. So muß man den Pöbel mit falschen
Worten betriegen.

Ferr. Hat gleichwohl ihre Excellentz mit dero
Autorität durchgedrungen?

Rod. Unser Hauptmann wird am besten davon
zu reden wissen.

Prosp. Es ist wahr/ das Volck war ziemlich er-
hitzet/ und wofern sich niemand zu etwas resolviret
hätte/ so möchte das Werck ziemlich schlim abge-
lauffen seyn. Immittels weil ich einen Schrifft-
lichen Revers überbrachte/ Krafft dessen die Zölle
solten gemindert oder gar abgeschaffet werden/ so
nahmen sie gleichwohl das Werck in Deliberation.

Ferr. Wie aber/ wenn die Vota wieder uns
lieffen?

Alleg. Es ist war/ ich traue keinen Zettel der
nicht mit Gelde gesiegelt ist. Der Herr Hauptmann
schreibet flugs einen Brieff/ und lebet hernach zehn
Jahr/ eher gedencket/ was der Brieff zubedeu-
ten hat.

Pros. Das Volck ist gleichwohl furchtsam/ und
wenn der erste Zorn vorüber ist/ so wünschen alle
davon zuseyn/ weil sie doch die härteste Staffe be-
fürch-
MASANIELLO.
Erſter Handlung
Neundter Aufftrit.
Roderigo, Proſpero, Ferrante, Donato.
Allegro
auff der Seite.
Rod. So muß man den Poͤbel mit falſchen
Worten betriegen.

Ferr. Hat gleichwohl ihre Excellentz mit dero
Autorität durchgedrungen?

Rod. Unſer Hauptmann wird am beſten davon
zu reden wiſſen.

Proſp. Es iſt wahr/ das Volck war ziemlich er-
hitzet/ und wofern ſich niemand zu etwas reſolviret
haͤtte/ ſo moͤchte das Werck ziemlich ſchlim abge-
lauffen ſeyn. Immittels weil ich einen Schrifft-
lichen Revers uͤberbrachte/ Krafft deſſen die Zoͤlle
ſolten gemindert oder gar abgeſchaffet werden/ ſo
nahmen ſie gleichwohl das Werck in Deliberation.

Ferr. Wie aber/ wenn die Vota wieder uns
lieffen?

Alleg. Es iſt war/ ich traue keinen Zettel der
nicht mit Gelde geſiegelt iſt. Der Herr Hauptmann
ſchreibet flugs einen Brieff/ und lebet hernach zehn
Jahr/ eher gedencket/ was der Brieff zubedeu-
ten hat.

Proſ. Das Volck iſt gleichwohl furchtſam/ und
wenn der erſte Zorn voruͤber iſt/ ſo wuͤnſchen alle
davon zuſeyn/ weil ſie doch die haͤrteſte Staffe be-
fuͤrch-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0370" n="29"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#aq">MASANIELLO.</hi> </hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#in">E</hi>r&#x017F;ter <hi rendition="#in">H</hi>andlung</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Neundter Aufftrit.</hi> </head><lb/>
            <stage> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#aq">Roderigo, Pro&#x017F;pero, Ferrante, Donato.<lb/>
Allegro</hi> <hi rendition="#fr">auff der Seite.</hi> </hi> </stage><lb/>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Rod.</hi> </speaker>
              <p>So muß man den Po&#x0364;bel mit fal&#x017F;chen<lb/>
Worten betriegen.</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Ferr.</hi> </speaker>
              <p>Hat gleichwohl ihre <hi rendition="#aq">Excellen</hi>tz mit dero<lb/><hi rendition="#aq">Autorität</hi> durchgedrungen?</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Rod.</hi> </speaker>
              <p>Un&#x017F;er Hauptmann wird am be&#x017F;ten davon<lb/>
zu reden wi&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Pro&#x017F;p.</hi> </speaker>
              <p>Es i&#x017F;t wahr/ das Volck war ziemlich er-<lb/>
hitzet/ und wofern &#x017F;ich niemand zu etwas <hi rendition="#aq">re&#x017F;olviret</hi><lb/>
ha&#x0364;tte/ &#x017F;o mo&#x0364;chte das Werck ziemlich &#x017F;chlim abge-<lb/>
lauffen &#x017F;eyn. Immittels weil ich einen Schrifft-<lb/>
lichen <hi rendition="#aq">Revers</hi> u&#x0364;berbrachte/ Krafft de&#x017F;&#x017F;en die Zo&#x0364;lle<lb/>
&#x017F;olten gemindert oder gar abge&#x017F;chaffet werden/ &#x017F;o<lb/>
nahmen &#x017F;ie gleichwohl das Werck in <hi rendition="#aq">Deliberation.</hi></p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Ferr.</hi> </speaker>
              <p>Wie aber/ wenn die <hi rendition="#aq">Vota</hi> wieder uns<lb/>
lieffen?</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Alleg.</hi> </speaker>
              <p>Es i&#x017F;t war/ ich traue keinen Zettel der<lb/>
nicht mit Gelde ge&#x017F;iegelt i&#x017F;t. Der Herr Hauptmann<lb/>
&#x017F;chreibet flugs einen Brieff/ und lebet hernach zehn<lb/>
Jahr/ eher gedencket/ was der Brieff zubedeu-<lb/>
ten hat.</p><lb/>
            </sp>
            <sp>
              <speaker> <hi rendition="#aq">Pro&#x017F;.</hi> </speaker>
              <p>Das Volck i&#x017F;t gleichwohl furcht&#x017F;am/ und<lb/>
wenn der er&#x017F;te Zorn voru&#x0364;ber i&#x017F;t/ &#x017F;o wu&#x0364;n&#x017F;chen alle<lb/>
davon zu&#x017F;eyn/ weil &#x017F;ie doch die ha&#x0364;rte&#x017F;te Staffe be-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">fu&#x0364;rch-</fw><lb/></p>
            </sp>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[29/0370] MASANIELLO. Erſter Handlung Neundter Aufftrit. Roderigo, Proſpero, Ferrante, Donato. Allegro auff der Seite. Rod. So muß man den Poͤbel mit falſchen Worten betriegen. Ferr. Hat gleichwohl ihre Excellentz mit dero Autorität durchgedrungen? Rod. Unſer Hauptmann wird am beſten davon zu reden wiſſen. Proſp. Es iſt wahr/ das Volck war ziemlich er- hitzet/ und wofern ſich niemand zu etwas reſolviret haͤtte/ ſo moͤchte das Werck ziemlich ſchlim abge- lauffen ſeyn. Immittels weil ich einen Schrifft- lichen Revers uͤberbrachte/ Krafft deſſen die Zoͤlle ſolten gemindert oder gar abgeſchaffet werden/ ſo nahmen ſie gleichwohl das Werck in Deliberation. Ferr. Wie aber/ wenn die Vota wieder uns lieffen? Alleg. Es iſt war/ ich traue keinen Zettel der nicht mit Gelde geſiegelt iſt. Der Herr Hauptmann ſchreibet flugs einen Brieff/ und lebet hernach zehn Jahr/ eher gedencket/ was der Brieff zubedeu- ten hat. Proſ. Das Volck iſt gleichwohl furchtſam/ und wenn der erſte Zorn voruͤber iſt/ ſo wuͤnſchen alle davon zuſeyn/ weil ſie doch die haͤrteſte Staffe be- fuͤrch-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_theatrum_1683
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/weise_theatrum_1683/370
Zitationshilfe: Weise, Christian: Zittauisches Theatrum. Zittau, 1683, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_theatrum_1683/370>, abgerufen am 17.10.2019.