Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wienbarg, Ludolf: Aesthetische Feldzüge. Dem jungen Deutschland gewidmet. Hamburg, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite
Zwanzigste Vorlesung.


Die Zeiten des Epos sind vorüber, an die Stelle
des Epikers ist der Romandichter getreten, der mit
Entäußerung der epischen Maschinerie und des
Rythmus sich im allerfreiesten Element bewegt
und den in moderne Prosa, moderne Gesinnung
überpflanzten Epiker darstellt. Wir lassen aber die
Charakteristik des Romans nicht unmittelbar auf
das Epos folgen, sondern behalten uns dieselbe
für die Darstellung der Prosa vor.

Das Drama, dessen wir schon im Gegensatz
des Epos erwähnt haben, ging einst unmittelbar,
wie alle echte Poesie, aus dem Schooß des Volks,
des nationellen Geistes, der nationellen Sitte her¬
vor. Wie in Griechenland, so im Mittelalter ent¬
sprangen die ersten dramatischen Vorstellungen aus

Zwanzigſte Vorleſung.


Die Zeiten des Epos ſind voruͤber, an die Stelle
des Epikers iſt der Romandichter getreten, der mit
Entaͤußerung der epiſchen Maſchinerie und des
Rythmus ſich im allerfreieſten Element bewegt
und den in moderne Proſa, moderne Geſinnung
uͤberpflanzten Epiker darſtellt. Wir laſſen aber die
Charakteriſtik des Romans nicht unmittelbar auf
das Epos folgen, ſondern behalten uns dieſelbe
fuͤr die Darſtellung der Proſa vor.

Das Drama, deſſen wir ſchon im Gegenſatz
des Epos erwaͤhnt haben, ging einſt unmittelbar,
wie alle echte Poeſie, aus dem Schooß des Volks,
des nationellen Geiſtes, der nationellen Sitte her¬
vor. Wie in Griechenland, ſo im Mittelalter ent¬
ſprangen die erſten dramatiſchen Vorſtellungen aus

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0261" n="247"/>
      </div>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#g">Zwanzig&#x017F;te Vorle&#x017F;ung.</hi><lb/>
        </head>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>ie Zeiten des Epos &#x017F;ind voru&#x0364;ber, an die Stelle<lb/>
des Epikers i&#x017F;t der Romandichter getreten, der mit<lb/>
Enta&#x0364;ußerung der epi&#x017F;chen Ma&#x017F;chinerie und des<lb/>
Rythmus &#x017F;ich im allerfreie&#x017F;ten Element bewegt<lb/>
und den in moderne Pro&#x017F;a, moderne Ge&#x017F;innung<lb/>
u&#x0364;berpflanzten Epiker dar&#x017F;tellt. Wir la&#x017F;&#x017F;en aber die<lb/>
Charakteri&#x017F;tik des Romans nicht unmittelbar auf<lb/>
das Epos folgen, &#x017F;ondern behalten uns die&#x017F;elbe<lb/>
fu&#x0364;r die Dar&#x017F;tellung der Pro&#x017F;a vor.</p><lb/>
        <p>Das Drama, de&#x017F;&#x017F;en wir &#x017F;chon im Gegen&#x017F;atz<lb/>
des Epos erwa&#x0364;hnt haben, ging ein&#x017F;t unmittelbar,<lb/>
wie alle echte Poe&#x017F;ie, aus dem Schooß des Volks,<lb/>
des nationellen Gei&#x017F;tes, der nationellen Sitte her¬<lb/>
vor. Wie in Griechenland, &#x017F;o im Mittelalter ent¬<lb/>
&#x017F;prangen die er&#x017F;ten dramati&#x017F;chen Vor&#x017F;tellungen aus<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[247/0261] Zwanzigſte Vorleſung. Die Zeiten des Epos ſind voruͤber, an die Stelle des Epikers iſt der Romandichter getreten, der mit Entaͤußerung der epiſchen Maſchinerie und des Rythmus ſich im allerfreieſten Element bewegt und den in moderne Proſa, moderne Geſinnung uͤberpflanzten Epiker darſtellt. Wir laſſen aber die Charakteriſtik des Romans nicht unmittelbar auf das Epos folgen, ſondern behalten uns dieſelbe fuͤr die Darſtellung der Proſa vor. Das Drama, deſſen wir ſchon im Gegenſatz des Epos erwaͤhnt haben, ging einſt unmittelbar, wie alle echte Poeſie, aus dem Schooß des Volks, des nationellen Geiſtes, der nationellen Sitte her¬ vor. Wie in Griechenland, ſo im Mittelalter ent¬ ſprangen die erſten dramatiſchen Vorſtellungen aus

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wienbarg_feldzuege_1834
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wienbarg_feldzuege_1834/261
Zitationshilfe: Wienbarg, Ludolf: Aesthetische Feldzüge. Dem jungen Deutschland gewidmet. Hamburg, 1834, S. 247. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wienbarg_feldzuege_1834/261>, abgerufen am 24.04.2019.