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Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Aristoteles und Athen. Bd. 2. Berlin, 1893.

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11.
TIMHMATA PARECOMENOI.


In dem vertrage, durch den die versöhnung zwischen stadt und
hafen 403 herbeigeführt ward, sind die Dreissig, die zehn (d. h. die ersten,
zu denen Pheidon, nicht die diallaktai, zu denen Rhinon gehörte1), die
elf und die zehn im Peiraieus von der amnestie ausgenommen, und auch
sie nicht, wenn sie rechenschaft ablegen und decharge erhalten. rechen-
schaft wird abgelegt von den beamten der partei des hafens vor dieser,
von denen der städter aber nicht vor diesen, sondern vor den timemata
parekhomenoi. so steht es in dem documente 39, 6. die demokraten
des hafens sind sieger, hinter ihnen steht die macht der spartanischen
regierung; sie sind bevorzugt, denn sie nehmen ihren beamten selbst
die rechenschaft ab. die gegenpartei ist nicht so günstig gestellt; da
werden die richter aus einer classe genommen, sind also sowol städter aus-,
wie leute des hafens eingeschlossen. es fragt sich, was heisst timemata
parekhesthai. oder eigentlich fragt es sich nicht, denn nach opla pare-
khesthai, das Drakon und die 400 und Thukydides so oft gebrauchen,
sind es die welche in der lage sind, die timemata zu leisten, zu prae-
stiren, und timemata sind die eingeschätzten stufen des einkommens
seit Solon. also sind die timemata parekhomenoi die steuerfähigen
bürger, die bürger der drei oberen classen. in der tendenz, der aus-
schliessung des proletariates, deckt sich diese bezeichnung mit der be-
schränkung der politischen rechte auf die opla parekhomenoi; aber der

1) Lysias wagt bereits 403 auf die confusion beider zehnercollegien zu rechnen.
er sagt von Pheidon 12, 58 airetheis umas diallaxai kai katagagein: das war nur
der auftrag der zweiten zehn, wenn auch bei der wahl der ersten viele gehofft
haben mochten, dass es zu einer versöhnung käme. um so begreiflicher ist es, dass
spätere die zehnercollegien verwechseln.
11.
TIMHMATA PARECOMENOI.


In dem vertrage, durch den die versöhnung zwischen stadt und
hafen 403 herbeigeführt ward, sind die Dreiſsig, die zehn (d. h. die ersten,
zu denen Pheidon, nicht die διαλλακταί, zu denen Rhinon gehörte1), die
elf und die zehn im Peiraieus von der amnestie ausgenommen, und auch
sie nicht, wenn sie rechenschaft ablegen und decharge erhalten. rechen-
schaft wird abgelegt von den beamten der partei des hafens vor dieser,
von denen der städter aber nicht vor diesen, sondern vor den τιμήματα
παϱεχόμενοι. so steht es in dem documente 39, 6. die demokraten
des hafens sind sieger, hinter ihnen steht die macht der spartanischen
regierung; sie sind bevorzugt, denn sie nehmen ihren beamten selbst
die rechenschaft ab. die gegenpartei ist nicht so günstig gestellt; da
werden die richter aus einer classe genommen, sind also sowol städter aus-,
wie leute des hafens eingeschlossen. es fragt sich, was heiſst τιμήματα
παϱέχεσϑαι. oder eigentlich fragt es sich nicht, denn nach ὅπλα παϱέ-
χεσϑαι, das Drakon und die 400 und Thukydides so oft gebrauchen,
sind es die welche in der lage sind, die τιμήματα zu leisten, zu prae-
stiren, und τιμήματα sind die eingeschätzten stufen des einkommens
seit Solon. also sind die τιμήματα παϱεχόμενοι die steuerfähigen
bürger, die bürger der drei oberen classen. in der tendenz, der aus-
schlieſsung des proletariates, deckt sich diese bezeichnung mit der be-
schränkung der politischen rechte auf die ὅπλα παϱεχόμενοι; aber der

1) Lysias wagt bereits 403 auf die confusion beider zehnercollegien zu rechnen.
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der auftrag der zweiten zehn, wenn auch bei der wahl der ersten viele gehofft
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[[217]/0227] 11. TIMHMATA PARECOMENOI. In dem vertrage, durch den die versöhnung zwischen stadt und hafen 403 herbeigeführt ward, sind die Dreiſsig, die zehn (d. h. die ersten, zu denen Pheidon, nicht die διαλλακταί, zu denen Rhinon gehörte 1), die elf und die zehn im Peiraieus von der amnestie ausgenommen, und auch sie nicht, wenn sie rechenschaft ablegen und decharge erhalten. rechen- schaft wird abgelegt von den beamten der partei des hafens vor dieser, von denen der städter aber nicht vor diesen, sondern vor den τιμήματα παϱεχόμενοι. so steht es in dem documente 39, 6. die demokraten des hafens sind sieger, hinter ihnen steht die macht der spartanischen regierung; sie sind bevorzugt, denn sie nehmen ihren beamten selbst die rechenschaft ab. die gegenpartei ist nicht so günstig gestellt; da werden die richter aus einer classe genommen, sind also sowol städter aus-, wie leute des hafens eingeschlossen. es fragt sich, was heiſst τιμήματα παϱέχεσϑαι. oder eigentlich fragt es sich nicht, denn nach ὅπλα παϱέ- χεσϑαι, das Drakon und die 400 und Thukydides so oft gebrauchen, sind es die welche in der lage sind, die τιμήματα zu leisten, zu prae- stiren, und τιμήματα sind die eingeschätzten stufen des einkommens seit Solon. also sind die τιμήματα παϱεχόμενοι die steuerfähigen bürger, die bürger der drei oberen classen. in der tendenz, der aus- schlieſsung des proletariates, deckt sich diese bezeichnung mit der be- schränkung der politischen rechte auf die ὅπλα παϱεχόμενοι; aber der 1) Lysias wagt bereits 403 auf die confusion beider zehnercollegien zu rechnen. er sagt von Pheidon 12, 58 αἱϱεϑεὶς ὑμᾶς διαλλάξαι καὶ καταγαγεῖν: das war nur der auftrag der zweiten zehn, wenn auch bei der wahl der ersten viele gehofft haben mochten, daſs es zu einer versöhnung käme. um so begreiflicher ist es, daſs spätere die zehnercollegien verwechseln.

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Zitationshilfe: Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Aristoteles und Athen. Bd. 2. Berlin, 1893, S. [217]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wilamowitz_aristoteles02_1893/227>, abgerufen am 19.04.2019.