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Winckelmann, Johann Joachim: Geschichte der Kunst des Alterthums. Bd. 2. Dresden, 1764.

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der Zeit unter den Griechen betrachtet.
mis lesen müssen Smilis *). Einer von den Schülern des Dädalus
war Endoeus 1), welcher jenem nach Creta gefolget seyn soll. Nach
dieser Fabelzeit ist eine große Lücke in der Geschichte der Künstler, und bis
auf die achtzehnte Olympias findet sich von keinem derselben Nachricht.
Damals machte sich der Maler Bularchus 2) berühmt, unter dessen Ge-
mälden eine Schlacht mit Golde aufgewogen wurde. Fast um eben die
Zeit muß Aristocles von Cydonia, aus Creta, gelebet haben: denn man
setzet ihn, ehe die Stadt Messina in Sicilien ihren alten Namen Zancle
änderte 3), welches vor der neun und zwanzigsten Olympias geschah 4).
Von demselben war zu Elis ein Hercules, welcher mit der Amazone An-
tiope, zu Pferde, um ihren Gürtel stritte. Nachher macheten sich 5) Ma-
las,
aus der Jnsel Chio, dessen Sohn Micciades, und Enkel Anther-
mus
berühmt: die Söhne dieses letztern waren Bupalus und Anther-
mus
in der sechzigsten Olympias, welche Künstler unter ihren Voreltern
bis zur ersten Olympias zähleten. Damals blüheten auch Dipoenus und
Scyllis, welche Pausanias 6) sehr irrig für Schüler des Dädalus an-
giebt; es müßte denn derselbe ein jüngerer Dädalus seyn, so wie nach dem
Phidias, ein Bildhauer dieses Namens aus Sicyon bekannt ist. Jhre
Schüler waren 7) Learchus, von Rhegium in Großgriechenland, Dory-
clidas
und Dontas, beyde Lacedämonier, und 8) Tectäus und Ange-
lio,
die einen Apollo zu Delos macheten, welches vielleicht derjenige ist,
von welchem viele Stücke nebst der Base mit der berühmten Jnschrift, noch
zu Ende des vorigen Jahrhunderts, auf der Jnsel Delos waren. Jn eben

diese
*) Man sieht in Bentleys Anmerkungen über diesen Ort, wie mancherley Muthmaßun-
gen von andern sowohl, als von ihm, über diesen Namen gemachet sind.
1) Pausan. L. I. p. 62. l. 27.
2) Plin. L. 35. c. 34.
3) Pausan. L. 5. p. 445.
4) Idem L. 4. p. 337. l. 18.
5) Plin. L. 36. c. 5.
6) Pausan. L. 2. p. 143. ad fin. p. 165. ad fin.
7) Idem L. 2. p. 251. ad fin.
8) Idem L. 2. p. 187. l. 24.
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der Zeit unter den Griechen betrachtet.
mis leſen muͤſſen Smilis *). Einer von den Schuͤlern des Daͤdalus
war Endoeus 1), welcher jenem nach Creta gefolget ſeyn ſoll. Nach
dieſer Fabelzeit iſt eine große Luͤcke in der Geſchichte der Kuͤnſtler, und bis
auf die achtzehnte Olympias findet ſich von keinem derſelben Nachricht.
Damals machte ſich der Maler Bularchus 2) beruͤhmt, unter deſſen Ge-
maͤlden eine Schlacht mit Golde aufgewogen wurde. Faſt um eben die
Zeit muß Ariſtocles von Cydonia, aus Creta, gelebet haben: denn man
ſetzet ihn, ehe die Stadt Meſſina in Sicilien ihren alten Namen Zancle
aͤnderte 3), welches vor der neun und zwanzigſten Olympias geſchah 4).
Von demſelben war zu Elis ein Hercules, welcher mit der Amazone An-
tiope, zu Pferde, um ihren Guͤrtel ſtritte. Nachher macheten ſich 5) Ma-
las,
aus der Jnſel Chio, deſſen Sohn Micciades, und Enkel Anther-
mus
beruͤhmt: die Soͤhne dieſes letztern waren Bupalus und Anther-
mus
in der ſechzigſten Olympias, welche Kuͤnſtler unter ihren Voreltern
bis zur erſten Olympias zaͤhleten. Damals bluͤheten auch Dipoenus und
Scyllis, welche Pauſanias 6) ſehr irrig fuͤr Schuͤler des Daͤdalus an-
giebt; es muͤßte denn derſelbe ein juͤngerer Daͤdalus ſeyn, ſo wie nach dem
Phidias, ein Bildhauer dieſes Namens aus Sicyon bekannt iſt. Jhre
Schuͤler waren 7) Learchus, von Rhegium in Großgriechenland, Dory-
clidas
und Dontas, beyde Lacedaͤmonier, und 8) Tectaͤus und Ange-
lio,
die einen Apollo zu Delos macheten, welches vielleicht derjenige iſt,
von welchem viele Stuͤcke nebſt der Baſe mit der beruͤhmten Jnſchrift, noch
zu Ende des vorigen Jahrhunderts, auf der Jnſel Delos waren. Jn eben

dieſe
*) Man ſieht in Bentleys Anmerkungen uͤber dieſen Ort, wie mancherley Muthmaßun-
gen von andern ſowohl, als von ihm, uͤber dieſen Namen gemachet ſind.
1) Pauſan. L. I. p. 62. l. 27.
2) Plin. L. 35. c. 34.
3) Pauſan. L. 5. p. 445.
4) Idem L. 4. p. 337. l. 18.
5) Plin. L. 36. c. 5.
6) Pauſan. L. 2. p. 143. ad fin. p. 165. ad fin.
7) Idem L. 2. p. 251. ad fin.
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[317/0005] der Zeit unter den Griechen betrachtet. mis leſen muͤſſen Smilis *). Einer von den Schuͤlern des Daͤdalus war Endoeus 1), welcher jenem nach Creta gefolget ſeyn ſoll. Nach dieſer Fabelzeit iſt eine große Luͤcke in der Geſchichte der Kuͤnſtler, und bis auf die achtzehnte Olympias findet ſich von keinem derſelben Nachricht. Damals machte ſich der Maler Bularchus 2) beruͤhmt, unter deſſen Ge- maͤlden eine Schlacht mit Golde aufgewogen wurde. Faſt um eben die Zeit muß Ariſtocles von Cydonia, aus Creta, gelebet haben: denn man ſetzet ihn, ehe die Stadt Meſſina in Sicilien ihren alten Namen Zancle aͤnderte 3), welches vor der neun und zwanzigſten Olympias geſchah 4). Von demſelben war zu Elis ein Hercules, welcher mit der Amazone An- tiope, zu Pferde, um ihren Guͤrtel ſtritte. Nachher macheten ſich 5) Ma- las, aus der Jnſel Chio, deſſen Sohn Micciades, und Enkel Anther- mus beruͤhmt: die Soͤhne dieſes letztern waren Bupalus und Anther- mus in der ſechzigſten Olympias, welche Kuͤnſtler unter ihren Voreltern bis zur erſten Olympias zaͤhleten. Damals bluͤheten auch Dipoenus und Scyllis, welche Pauſanias 6) ſehr irrig fuͤr Schuͤler des Daͤdalus an- giebt; es muͤßte denn derſelbe ein juͤngerer Daͤdalus ſeyn, ſo wie nach dem Phidias, ein Bildhauer dieſes Namens aus Sicyon bekannt iſt. Jhre Schuͤler waren 7) Learchus, von Rhegium in Großgriechenland, Dory- clidas und Dontas, beyde Lacedaͤmonier, und 8) Tectaͤus und Ange- lio, die einen Apollo zu Delos macheten, welches vielleicht derjenige iſt, von welchem viele Stuͤcke nebſt der Baſe mit der beruͤhmten Jnſchrift, noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts, auf der Jnſel Delos waren. Jn eben dieſe *) Man ſieht in Bentleys Anmerkungen uͤber dieſen Ort, wie mancherley Muthmaßun- gen von andern ſowohl, als von ihm, uͤber dieſen Namen gemachet ſind. 1) Pauſan. L. I. p. 62. l. 27. 2) Plin. L. 35. c. 34. 3) Pauſan. L. 5. p. 445. 4) Idem L. 4. p. 337. l. 18. 5) Plin. L. 36. c. 5. 6) Pauſan. L. 2. p. 143. ad fin. p. 165. ad fin. 7) Idem L. 2. p. 251. ad fin. 8) Idem L. 2. p. 187. l. 24. R r 3

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Zitationshilfe: Winckelmann, Johann Joachim: Geschichte der Kunst des Alterthums. Bd. 2. Dresden, 1764, S. 317. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/winckelmann_kunstgeschichte02_1764/5>, abgerufen am 25.05.2020.