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Winckelmann, Johann Joachim: Geschichte der Kunst des Alterthums. Bd. 2. Dresden, 1764.

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der Zeit unter den Griechen betrachtet.
die Landschaft Elis, welche bisher, wegen der öffentlichen Spiele, von feind-
lichen Partheyen verschonet geblieben war, und das Recht einer Freystädte
genoß, wurde von der hundert und vierzigsten Olympias an eben so, wie an-
dere Länder, von den Aetoliern heimgesuchet 1). Die Macedonier aber un-
ter dem Könige Philippus und die Achäer, verübeten das Recht der Wie-
dervergeltung fast auf eben die Weise zu Therma, der Hauptstadt der Ae-
tolier, verschoneten aber doch die Statuen und Bildnisse der Götter 2): da
aber dieser König zum zweytenmale nach Therma kam, ließ er die Statuen,
welche er vorher stehen lassen, zu Grunde richten 3). Eben dieser König
ließ in der Belagerung der Stadt Pergamus seine Wuth wider die Tempel
aus, welche er, nebst den Statuen in denselben, dermaßen zerstörete, daß
auch die Steine selbst zertrümmert wurden, um zu verhindern, daß diesel-
ben nicht zu Wiederaufbauung der Tempel dienen könnten 4): dieses giebt
Diodorus 5) dem Könige in Bithynien Schuld, welches vermuthlich ein
Versehen seyn muß. Jn dieser Stadt war ein berühmter Aesculapius vom
Phylomachus gearbeitet 6), welcher Künstler bey andern Phyroma-
chus
heißt 7). Athen war zu Anfang dieses Kriegs ruhig gewesen, weil
die Stadt gänzlich von den Maeedoniern, und von dem Könige in Aegy-
pten abhieng 8); durch diese Unthätigkeit aber waren sie von ihrem An-
sehen und Achtung unter den Griechen gänzlich heruntergefallen: und da
die Stadt von den Macedoniern abgieng, rückte König Philippus in ihr
Gebieth, verbrannte die Academie vor der Stadt, plünderte die Tempel
umher aus, und ließ auch die Gräber nicht verschonet 9). Da die Achäer
in seinen Vorschlag wider Sparta und den Tyrannen Nabis nicht willi-

gen
1) Polyb. L. 4. p. 336. 337.
2) Idem L. 5. p. 358. C. et L. 9. p. 562. D.
3) Excerpt. Polyb. L. 11. p. 45.
4) Ibid. L. 16. p. 67.
5) Excerpt. Diodor. p. 294.
6) Excerpt. Polyb. p. 169. l. 20.
7) Anthol. L. 4. c. 12. Excerpt. Diodor. p. 337. l. 22.
8) Polyb. L. 5. p. 444. A. B.
9) Excerpt. Diodor. p. 294. Liv. L. 31. c. 24.
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der Zeit unter den Griechen betrachtet.
die Landſchaft Elis, welche bisher, wegen der oͤffentlichen Spiele, von feind-
lichen Partheyen verſchonet geblieben war, und das Recht einer Freyſtaͤdte
genoß, wurde von der hundert und vierzigſten Olympias an eben ſo, wie an-
dere Laͤnder, von den Aetoliern heimgeſuchet 1). Die Macedonier aber un-
ter dem Koͤnige Philippus und die Achaͤer, veruͤbeten das Recht der Wie-
dervergeltung faſt auf eben die Weiſe zu Therma, der Hauptſtadt der Ae-
tolier, verſchoneten aber doch die Statuen und Bildniſſe der Goͤtter 2): da
aber dieſer Koͤnig zum zweytenmale nach Therma kam, ließ er die Statuen,
welche er vorher ſtehen laſſen, zu Grunde richten 3). Eben dieſer Koͤnig
ließ in der Belagerung der Stadt Pergamus ſeine Wuth wider die Tempel
aus, welche er, nebſt den Statuen in denſelben, dermaßen zerſtoͤrete, daß
auch die Steine ſelbſt zertruͤmmert wurden, um zu verhindern, daß dieſel-
ben nicht zu Wiederaufbauung der Tempel dienen koͤnnten 4): dieſes giebt
Diodorus 5) dem Koͤnige in Bithynien Schuld, welches vermuthlich ein
Verſehen ſeyn muß. Jn dieſer Stadt war ein beruͤhmter Aeſculapius vom
Phylomachus gearbeitet 6), welcher Kuͤnſtler bey andern Phyroma-
chus
heißt 7). Athen war zu Anfang dieſes Kriegs ruhig geweſen, weil
die Stadt gaͤnzlich von den Maeedoniern, und von dem Koͤnige in Aegy-
pten abhieng 8); durch dieſe Unthaͤtigkeit aber waren ſie von ihrem An-
ſehen und Achtung unter den Griechen gaͤnzlich heruntergefallen: und da
die Stadt von den Macedoniern abgieng, ruͤckte Koͤnig Philippus in ihr
Gebieth, verbrannte die Academie vor der Stadt, pluͤnderte die Tempel
umher aus, und ließ auch die Graͤber nicht verſchonet 9). Da die Achaͤer
in ſeinen Vorſchlag wider Sparta und den Tyrannen Nabis nicht willi-

gen
1) Polyb. L. 4. p. 336. 337.
2) Idem L. 5. p. 358. C. et L. 9. p. 562. D.
3) Excerpt. Polyb. L. 11. p. 45.
4) Ibid. L. 16. p. 67.
5) Excerpt. Diodor. p. 294.
6) Excerpt. Polyb. p. 169. l. 20.
7) Anthol. L. 4. c. 12. Excerpt. Diodor. p. 337. l. 22.
8) Polyb. L. 5. p. 444. A. B.
9) Excerpt. Diodor. p. 294. Liv. L. 31. c. 24.
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[363/0051] der Zeit unter den Griechen betrachtet. die Landſchaft Elis, welche bisher, wegen der oͤffentlichen Spiele, von feind- lichen Partheyen verſchonet geblieben war, und das Recht einer Freyſtaͤdte genoß, wurde von der hundert und vierzigſten Olympias an eben ſo, wie an- dere Laͤnder, von den Aetoliern heimgeſuchet 1). Die Macedonier aber un- ter dem Koͤnige Philippus und die Achaͤer, veruͤbeten das Recht der Wie- dervergeltung faſt auf eben die Weiſe zu Therma, der Hauptſtadt der Ae- tolier, verſchoneten aber doch die Statuen und Bildniſſe der Goͤtter 2): da aber dieſer Koͤnig zum zweytenmale nach Therma kam, ließ er die Statuen, welche er vorher ſtehen laſſen, zu Grunde richten 3). Eben dieſer Koͤnig ließ in der Belagerung der Stadt Pergamus ſeine Wuth wider die Tempel aus, welche er, nebſt den Statuen in denſelben, dermaßen zerſtoͤrete, daß auch die Steine ſelbſt zertruͤmmert wurden, um zu verhindern, daß dieſel- ben nicht zu Wiederaufbauung der Tempel dienen koͤnnten 4): dieſes giebt Diodorus 5) dem Koͤnige in Bithynien Schuld, welches vermuthlich ein Verſehen ſeyn muß. Jn dieſer Stadt war ein beruͤhmter Aeſculapius vom Phylomachus gearbeitet 6), welcher Kuͤnſtler bey andern Phyroma- chus heißt 7). Athen war zu Anfang dieſes Kriegs ruhig geweſen, weil die Stadt gaͤnzlich von den Maeedoniern, und von dem Koͤnige in Aegy- pten abhieng 8); durch dieſe Unthaͤtigkeit aber waren ſie von ihrem An- ſehen und Achtung unter den Griechen gaͤnzlich heruntergefallen: und da die Stadt von den Macedoniern abgieng, ruͤckte Koͤnig Philippus in ihr Gebieth, verbrannte die Academie vor der Stadt, pluͤnderte die Tempel umher aus, und ließ auch die Graͤber nicht verſchonet 9). Da die Achaͤer in ſeinen Vorſchlag wider Sparta und den Tyrannen Nabis nicht willi- gen 1) Polyb. L. 4. p. 336. 337. 2) Idem L. 5. p. 358. C. et L. 9. p. 562. D. 3) Excerpt. Polyb. L. 11. p. 45. 4) Ibid. L. 16. p. 67. 5) Excerpt. Diodor. p. 294. 6) Excerpt. Polyb. p. 169. l. 20. 7) Anthol. L. 4. c. 12. Excerpt. Diodor. p. 337. l. 22. 8) Polyb. L. 5. p. 444. A. B. 9) Excerpt. Diodor. p. 294. Liv. L. 31. c. 24. Z z 2

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Zitationshilfe: Winckelmann, Johann Joachim: Geschichte der Kunst des Alterthums. Bd. 2. Dresden, 1764, S. 363. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/winckelmann_kunstgeschichte02_1764/51>, abgerufen am 25.05.2020.