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Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710.

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der Optick.
schiedener Farbe in verschiedener Proportion mit ein-
ander vermieschet werden.

Die 4. Anmerckung.

66. Wenn ihr das bedencket/ was bisher von den
Farben gesaget worden; so wird es euch nicht wunder-
lich vorkommen/ daß die aus dem Nephritischen Hol-
tze (ligno nephritico) mit Wasser ausgezogene Tin-
ctur blau aussiehet/ wenn ihr das Auge zwieschen dem
Lichte und der Tinctur habet/ hingegen braune/ auch
so sie starck ist/ roth/ wenn die Tinctur zwieschen dem
Lichte und dem Auge stehet/ ingleichen daß die blaue
Farbe in helle/ und beynahe purpur-rothe verwandelt
wird/ wenn ihr die Tinctur gegen etwas weisses haltet/
Z. E. gegen die Handblätter oder das Schnupftuch.
Es werden euch auch nicht mehr die seltsamen Verän-
derungen/ die man mit gefärbtem Wasser oder ande-
ren Säften vornehmen kan/ befrembden: Derglei-
chen Boyle in seinem Tractate von den Farben in gros-
ser Menge beschrieben. Jch habe auch in den Leipzi-
ger Actis 1709. p. 321. 322 derselben einige beschrie-
ben/ und nach der Zeit noch andere gefunden. Jch
habe daselbst absonderlich einen etwas weitläuftigen
Proceß angegeben/ wie man der Nephritischen Tin-
tur ihre wunderbahre Farben benehmen und wieder
geben könne. Jch muß aber erinnern/ daß/ wenn
ich in angezogenem Orte sage/ man könne der Nephri-
tischen Tinctur die durch das Vitriol-Oele genomme-
nen Farben nicht wiedergeben/ wenn man Oleum Tar-
tari per deliquium
hinein tröpfle/ und ein weni-
ges Wasser/ darinnen Sal tartari aufgelöset worden/
hinein gieße; solches nur zu verstehen sey/ wenn man
wenige Tropfen dazu thue. Denn sonst bringet so
wol das Oleum Tartari per deliquium, als das Sal tar-
tari
allein die verlohrenen Farben der Nephritischen
Tinctur wieder/ wenn viel hinein gegossen wird: wie
ich mehr als einmal in vieler Gegenwart solches gezei-
get habe. Unerachtet aber auf eine viel leichtere Wei-

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der Optick.
ſchiedener Farbe in verſchiedener Proportion mit ein-
ander vermieſchet werden.

Die 4. Anmerckung.

66. Wenn ihr das bedencket/ was bisher von den
Farben geſaget worden; ſo wird es euch nicht wunder-
lich vorkommen/ daß die aus dem Nephritiſchen Hol-
tze (ligno nephritico) mit Waſſer ausgezogene Tin-
ctur blau ausſiehet/ wenn ihr das Auge zwieſchen dem
Lichte und der Tinctur habet/ hingegen braune/ auch
ſo ſie ſtarck iſt/ roth/ wenn die Tinctur zwieſchen dem
Lichte und dem Auge ſtehet/ ingleichen daß die blaue
Farbe in helle/ und beynahe purpur-rothe verwandelt
wird/ wenn ihr die Tinctur gegen etwas weiſſes haltet/
Z. E. gegen die Handblaͤtter oder das Schnupftuch.
Es werden euch auch nicht mehr die ſeltſamen Veraͤn-
derungen/ die man mit gefaͤrbtem Waſſer oder ande-
ren Saͤften vornehmen kan/ befrembden: Derglei-
chen Boyle in ſeinem Tractate von den Farben in groſ-
ſer Menge beſchrieben. Jch habe auch in den Leipzi-
ger Actis 1709. p. 321. 322 derſelben einige beſchrie-
ben/ und nach der Zeit noch andere gefunden. Jch
habe daſelbſt abſonderlich einen etwas weitlaͤuftigen
Proceß angegeben/ wie man der Nephritiſchen Tin-
tur ihre wunderbahre Farben benehmen und wieder
geben koͤnne. Jch muß aber erinnern/ daß/ wenn
ich in angezogenem Orte ſage/ man koͤnne der Nephri-
tiſchen Tinctur die durch das Vitriol-Oele genomme-
nen Farben nicht wiedergeben/ wenn man Oleum Tar-
tari per deliquium
hinein troͤpfle/ und ein weni-
ges Waſſer/ darinnen Sal tartari aufgeloͤſet worden/
hinein gieße; ſolches nur zu verſtehen ſey/ wenn man
wenige Tropfen dazu thue. Denn ſonſt bringet ſo
wol das Oleum Tartari per deliquium, als das Sal tar-
tari
allein die verlohrenen Farben der Nephritiſchen
Tinctur wieder/ wenn viel hinein gegoſſen wird: wie
ich mehr als einmal in vieler Gegenwart ſolches gezei-
get habe. Unerachtet aber auf eine viel leichtere Wei-

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[27/0035] der Optick. ſchiedener Farbe in verſchiedener Proportion mit ein- ander vermieſchet werden. Die 4. Anmerckung. 66. Wenn ihr das bedencket/ was bisher von den Farben geſaget worden; ſo wird es euch nicht wunder- lich vorkommen/ daß die aus dem Nephritiſchen Hol- tze (ligno nephritico) mit Waſſer ausgezogene Tin- ctur blau ausſiehet/ wenn ihr das Auge zwieſchen dem Lichte und der Tinctur habet/ hingegen braune/ auch ſo ſie ſtarck iſt/ roth/ wenn die Tinctur zwieſchen dem Lichte und dem Auge ſtehet/ ingleichen daß die blaue Farbe in helle/ und beynahe purpur-rothe verwandelt wird/ wenn ihr die Tinctur gegen etwas weiſſes haltet/ Z. E. gegen die Handblaͤtter oder das Schnupftuch. Es werden euch auch nicht mehr die ſeltſamen Veraͤn- derungen/ die man mit gefaͤrbtem Waſſer oder ande- ren Saͤften vornehmen kan/ befrembden: Derglei- chen Boyle in ſeinem Tractate von den Farben in groſ- ſer Menge beſchrieben. Jch habe auch in den Leipzi- ger Actis 1709. p. 321. 322 derſelben einige beſchrie- ben/ und nach der Zeit noch andere gefunden. Jch habe daſelbſt abſonderlich einen etwas weitlaͤuftigen Proceß angegeben/ wie man der Nephritiſchen Tin- tur ihre wunderbahre Farben benehmen und wieder geben koͤnne. Jch muß aber erinnern/ daß/ wenn ich in angezogenem Orte ſage/ man koͤnne der Nephri- tiſchen Tinctur die durch das Vitriol-Oele genomme- nen Farben nicht wiedergeben/ wenn man Oleum Tar- tari per deliquium hinein troͤpfle/ und ein weni- ges Waſſer/ darinnen Sal tartari aufgeloͤſet worden/ hinein gieße; ſolches nur zu verſtehen ſey/ wenn man wenige Tropfen dazu thue. Denn ſonſt bringet ſo wol das Oleum Tartari per deliquium, als das Sal tar- tari allein die verlohrenen Farben der Nephritiſchen Tinctur wieder/ wenn viel hinein gegoſſen wird: wie ich mehr als einmal in vieler Gegenwart ſolches gezei- get habe. Unerachtet aber auf eine viel leichtere Wei- ſe C 2

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Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710. , S. 27. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710/35>, abgerufen am 14.10.2019.