Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710.

Bild:
<< vorherige Seite

Anfangs-Gründe
eines anderen Cörpers unbeweglich ist/
beyde aber mit diesem schnelle fort bewe-
get werden; so scheinen sich die zu bey-
den Seiten unbewegliche Cörper uns
entgegen zu bewegen.

Beweiß.

Wenn ihr auf einem Schiffe fahret/ so
scheinen sich die Ufer und die Bäume an den-
selben euch entgegen zu bewegen. Eben so
scheinen auch die Bäume euch entgegen zu
kommen und vorbey zu gehen/ wenn ihr schnel-
le auf einem Postwagen fahret. Man soll
die Ursache sagen/ woher dieses komme.

Jndem ihr auf dem Schiffe oder Wagen
schnelle fahret/ so wird die Lage des Auges ge-
gen die zu den Seiten liegende Cörper geän-
dert. Dannenhero kan das Bild von den-
selben nicht immer auf einer Stelle im Auge
bleiben/ und weil die Bewegung des Leibes
geschwinde geschiehet/ muß auch das Bild
von einer Stelle geschwinde auf die andere
fortrücken/ ia die alten Bilder müssen immer
verschwinden/ und neue in deren Stelle kom-
men. Derowegen scheinen sich die im Auge
abgebildeten Sachen/ das ist/ die zu beyden
Seiten unbeweglich stehende Cörper uns
entgegen zu bewegen/ und vorbey zu gehen (§.
27). W. Z. E.

Anmerckung.

95. Es kan auch zuweilen scheinen/ als wenn ein
unbeweglicher Cörper euch entgegen käme. Z. E.

Jhr

Anfangs-Gruͤnde
eines anderen Coͤrpers unbeweglich iſt/
beyde aber mit dieſem ſchnelle fort bewe-
get werden; ſo ſcheinen ſich die zu bey-
den Seiten unbewegliche Coͤrper uns
entgegen zu bewegen.

Beweiß.

Wenn ihr auf einem Schiffe fahret/ ſo
ſcheinen ſich die Ufer und die Baͤume an den-
ſelben euch entgegen zu bewegen. Eben ſo
ſcheinen auch die Baͤume euch entgegen zu
kommen und vorbey zu gehen/ wenn ihr ſchnel-
le auf einem Poſtwagen fahret. Man ſoll
die Urſache ſagen/ woher dieſes komme.

Jndem ihr auf dem Schiffe oder Wagen
ſchnelle fahret/ ſo wird die Lage des Auges ge-
gen die zu den Seiten liegende Coͤrper geaͤn-
dert. Dannenhero kan das Bild von den-
ſelben nicht immer auf einer Stelle im Auge
bleiben/ und weil die Bewegung des Leibes
geſchwinde geſchiehet/ muß auch das Bild
von einer Stelle geſchwinde auf die andere
fortruͤcken/ ia die alten Bilder muͤſſen immer
verſchwinden/ und neue in deren Stelle kom-
men. Derowegen ſcheinen ſich die im Auge
abgebildeten Sachen/ das iſt/ die zu beyden
Seiten unbeweglich ſtehende Coͤrper uns
entgegen zu bewegen/ und vorbey zu gehen (§.
27). W. Z. E.

Anmerckung.

95. Es kan auch zuweilen ſcheinen/ als wenn ein
unbeweglicher Coͤrper euch entgegen kaͤme. Z. E.

Jhr
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p>
              <pb facs="#f0046" n="38"/>
              <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Anfangs-Gru&#x0364;nde</hi> </fw><lb/> <hi rendition="#fr">eines anderen Co&#x0364;rpers unbeweglich i&#x017F;t/<lb/>
beyde aber mit die&#x017F;em &#x017F;chnelle fort bewe-<lb/>
get werden; &#x017F;o &#x017F;cheinen &#x017F;ich die zu bey-<lb/>
den Seiten unbewegliche Co&#x0364;rper uns<lb/>
entgegen zu bewegen.</hi> </p><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">Beweiß.</hi> </head><lb/>
              <p>Wenn ihr auf einem Schiffe fahret/ &#x017F;o<lb/>
&#x017F;cheinen &#x017F;ich die Ufer und die Ba&#x0364;ume an den-<lb/>
&#x017F;elben euch entgegen zu bewegen. Eben &#x017F;o<lb/>
&#x017F;cheinen auch die Ba&#x0364;ume euch entgegen zu<lb/>
kommen und vorbey zu gehen/ wenn ihr &#x017F;chnel-<lb/>
le auf einem Po&#x017F;twagen fahret. Man &#x017F;oll<lb/>
die Ur&#x017F;ache &#x017F;agen/ woher die&#x017F;es komme.</p><lb/>
              <p>Jndem ihr auf dem Schiffe oder Wagen<lb/>
&#x017F;chnelle fahret/ &#x017F;o wird die Lage des Auges ge-<lb/>
gen die zu den Seiten liegende Co&#x0364;rper gea&#x0364;n-<lb/>
dert. Dannenhero kan das Bild von den-<lb/>
&#x017F;elben nicht immer auf einer Stelle im Auge<lb/>
bleiben/ und weil die Bewegung des Leibes<lb/>
ge&#x017F;chwinde ge&#x017F;chiehet/ muß auch das Bild<lb/>
von einer Stelle ge&#x017F;chwinde auf die andere<lb/>
fortru&#x0364;cken/ ia die alten Bilder mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en immer<lb/>
ver&#x017F;chwinden/ und neue in deren Stelle kom-<lb/>
men. Derowegen &#x017F;cheinen &#x017F;ich die im Auge<lb/>
abgebildeten Sachen/ das i&#x017F;t/ die zu beyden<lb/>
Seiten unbeweglich &#x017F;tehende Co&#x0364;rper uns<lb/>
entgegen zu bewegen/ und vorbey zu gehen (§.<lb/>
27). W. Z. E.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">Anmerckung.</hi> </head><lb/>
              <p>95. Es kan auch zuweilen &#x017F;cheinen/ als wenn ein<lb/>
unbeweglicher Co&#x0364;rper euch entgegen ka&#x0364;me. Z. E.<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Jhr</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[38/0046] Anfangs-Gruͤnde eines anderen Coͤrpers unbeweglich iſt/ beyde aber mit dieſem ſchnelle fort bewe- get werden; ſo ſcheinen ſich die zu bey- den Seiten unbewegliche Coͤrper uns entgegen zu bewegen. Beweiß. Wenn ihr auf einem Schiffe fahret/ ſo ſcheinen ſich die Ufer und die Baͤume an den- ſelben euch entgegen zu bewegen. Eben ſo ſcheinen auch die Baͤume euch entgegen zu kommen und vorbey zu gehen/ wenn ihr ſchnel- le auf einem Poſtwagen fahret. Man ſoll die Urſache ſagen/ woher dieſes komme. Jndem ihr auf dem Schiffe oder Wagen ſchnelle fahret/ ſo wird die Lage des Auges ge- gen die zu den Seiten liegende Coͤrper geaͤn- dert. Dannenhero kan das Bild von den- ſelben nicht immer auf einer Stelle im Auge bleiben/ und weil die Bewegung des Leibes geſchwinde geſchiehet/ muß auch das Bild von einer Stelle geſchwinde auf die andere fortruͤcken/ ia die alten Bilder muͤſſen immer verſchwinden/ und neue in deren Stelle kom- men. Derowegen ſcheinen ſich die im Auge abgebildeten Sachen/ das iſt/ die zu beyden Seiten unbeweglich ſtehende Coͤrper uns entgegen zu bewegen/ und vorbey zu gehen (§. 27). W. Z. E. Anmerckung. 95. Es kan auch zuweilen ſcheinen/ als wenn ein unbeweglicher Coͤrper euch entgegen kaͤme. Z. E. Jhr

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710/46
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Der Anfangs-Gründe Aller Mathematischen Wiessenschaften. Bd. 3. Halle (Saale), 1710. , S. 38. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_anfangsgruende03_1710/46>, abgerufen am 15.10.2019.