Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754.

Bild:
<< vorherige Seite

I. Th. 5. H. Von den Pflichten
dern um seinen ehrlichen Nahmen zu brin-
gen. Die Lästerer (obtrectatores) streuen
Dinge aus, die dem Lobe des andern zuwie-
der sind.

§. 151.
Von dem
Recht
andere zu
verthei-
digen, u.
ihnen bey
der Be-
strafung
zu helfen.

Der Mensch hat das Recht, nicht zu dul-
den, daß ihn jemand beleidige (§. 89.), und
also sich gegen die Beleidigung, die man ihm
zufügen will, zu wehren (§. 90.), und denje-
nigen, welcher ihn würcklich beleidiget hat,
zu strafen (§. 93.). Da wir nun andern eben
dasjenige schuldig sind, was wir uns selbst
schuldig sind (§. 133.), und die Rechte uns
von Natur gegeben sind, um der Verbind-
lichkeit ein Genüge zu leisten (§. 46.); so
haben wir auch das Recht nicht zu lei-
den, daß einer von andern beleidiget
werde; ihn gegen eine Beleidigung,
die man ihm zufügen will, zu verthei-
digen, und den Beleidiger zu strafen,
wenn der andere unserer Hülfe dazu
nöthig hat.

§. 152.
Von der
Hülfe im
Kriege.

Der Krieg bestehet (§. 98.) in der Ver-
theidigung seiner, oder daß man sich gegen
Gewalt wehret, in der Bestrafung anderer,
und in der gewaltsamen Behauptung seines
Rechts, um dasjenige zu erhalten, wozu uns
der andere vollkommen verbunden ist, und es
uns nicht gewehren will; welche letztere der Ver-
theidigung ähnlich ist (§. 90. 88.). Es ist also
von Natur erlaubt, einem andern, der

das

I. Th. 5. H. Von den Pflichten
dern um ſeinen ehrlichen Nahmen zu brin-
gen. Die Laͤſterer (obtrectatores) ſtreuen
Dinge aus, die dem Lobe des andern zuwie-
der ſind.

§. 151.
Von dem
Recht
andere zu
verthei-
digen, u.
ihnen bey
der Be-
ſtrafung
zu helfen.

Der Menſch hat das Recht, nicht zu dul-
den, daß ihn jemand beleidige (§. 89.), und
alſo ſich gegen die Beleidigung, die man ihm
zufuͤgen will, zu wehren (§. 90.), und denje-
nigen, welcher ihn wuͤrcklich beleidiget hat,
zu ſtrafen (§. 93.). Da wir nun andern eben
dasjenige ſchuldig ſind, was wir uns ſelbſt
ſchuldig ſind (§. 133.), und die Rechte uns
von Natur gegeben ſind, um der Verbind-
lichkeit ein Genuͤge zu leiſten (§. 46.); ſo
haben wir auch das Recht nicht zu lei-
den, daß einer von andern beleidiget
werde; ihn gegen eine Beleidigung,
die man ihm zufuͤgen will, zu verthei-
digen, und den Beleidiger zu ſtrafen,
wenn der andere unſerer Huͤlfe dazu
noͤthig hat.

§. 152.
Von der
Huͤlfe im
Kriege.

Der Krieg beſtehet (§. 98.) in der Ver-
theidigung ſeiner, oder daß man ſich gegen
Gewalt wehret, in der Beſtrafung anderer,
und in der gewaltſamen Behauptung ſeines
Rechts, um dasjenige zu erhalten, wozu uns
der andere vollkommen verbunden iſt, und es
uns nicht gewehren will; welche letztere der Ver-
theidigung aͤhnlich iſt (§. 90. 88.). Es iſt alſo
von Natur erlaubt, einem andern, der

das
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0132" n="96"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">I.</hi> Th. 5. H. Von den Pflichten</hi></fw><lb/>
dern um &#x017F;einen ehrlichen Nahmen zu brin-<lb/>
gen. <hi rendition="#fr">Die La&#x0364;&#x017F;terer</hi> <hi rendition="#aq">(obtrectatores)</hi> &#x017F;treuen<lb/>
Dinge aus, die dem Lobe des andern zuwie-<lb/>
der &#x017F;ind.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 151.</head><lb/>
              <note place="left">Von dem<lb/>
Recht<lb/>
andere zu<lb/>
verthei-<lb/>
digen, u.<lb/>
ihnen bey<lb/>
der Be-<lb/>
&#x017F;trafung<lb/>
zu helfen.</note>
              <p>Der Men&#x017F;ch hat das Recht, nicht zu dul-<lb/>
den, daß ihn jemand beleidige (§. 89.), und<lb/>
al&#x017F;o &#x017F;ich gegen die Beleidigung, die man ihm<lb/>
zufu&#x0364;gen will, zu wehren (§. 90.), und denje-<lb/>
nigen, welcher ihn wu&#x0364;rcklich beleidiget hat,<lb/>
zu &#x017F;trafen (§. 93.). Da wir nun andern eben<lb/>
dasjenige &#x017F;chuldig &#x017F;ind, was wir uns &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
&#x017F;chuldig &#x017F;ind (§. 133.), und die Rechte uns<lb/>
von Natur gegeben &#x017F;ind, um der Verbind-<lb/>
lichkeit ein Genu&#x0364;ge zu lei&#x017F;ten (§. 46.); &#x017F;o<lb/><hi rendition="#fr">haben wir</hi> auch <hi rendition="#fr">das Recht nicht zu lei-<lb/>
den, daß einer von andern beleidiget<lb/>
werde; ihn gegen eine Beleidigung,<lb/>
die man ihm zufu&#x0364;gen will, zu verthei-<lb/>
digen, und den Beleidiger zu &#x017F;trafen,<lb/>
wenn der andere un&#x017F;erer Hu&#x0364;lfe dazu<lb/>
no&#x0364;thig hat.</hi></p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 152.</head><lb/>
              <note place="left">Von der<lb/>
Hu&#x0364;lfe im<lb/>
Kriege.</note>
              <p>Der Krieg be&#x017F;tehet (§. 98.) in der Ver-<lb/>
theidigung &#x017F;einer, oder daß man &#x017F;ich gegen<lb/>
Gewalt wehret, in der Be&#x017F;trafung anderer,<lb/>
und in der gewalt&#x017F;amen Behauptung &#x017F;eines<lb/>
Rechts, um dasjenige zu erhalten, wozu uns<lb/>
der andere vollkommen verbunden i&#x017F;t, und es<lb/>
uns nicht gewehren will; welche letztere der Ver-<lb/>
theidigung a&#x0364;hnlich i&#x017F;t (§. 90. 88.). <hi rendition="#fr">Es i&#x017F;t</hi> al&#x017F;o<lb/><hi rendition="#fr">von Natur erlaubt, einem andern, der</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">das</hi></fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[96/0132] I. Th. 5. H. Von den Pflichten dern um ſeinen ehrlichen Nahmen zu brin- gen. Die Laͤſterer (obtrectatores) ſtreuen Dinge aus, die dem Lobe des andern zuwie- der ſind. §. 151. Der Menſch hat das Recht, nicht zu dul- den, daß ihn jemand beleidige (§. 89.), und alſo ſich gegen die Beleidigung, die man ihm zufuͤgen will, zu wehren (§. 90.), und denje- nigen, welcher ihn wuͤrcklich beleidiget hat, zu ſtrafen (§. 93.). Da wir nun andern eben dasjenige ſchuldig ſind, was wir uns ſelbſt ſchuldig ſind (§. 133.), und die Rechte uns von Natur gegeben ſind, um der Verbind- lichkeit ein Genuͤge zu leiſten (§. 46.); ſo haben wir auch das Recht nicht zu lei- den, daß einer von andern beleidiget werde; ihn gegen eine Beleidigung, die man ihm zufuͤgen will, zu verthei- digen, und den Beleidiger zu ſtrafen, wenn der andere unſerer Huͤlfe dazu noͤthig hat. §. 152. Der Krieg beſtehet (§. 98.) in der Ver- theidigung ſeiner, oder daß man ſich gegen Gewalt wehret, in der Beſtrafung anderer, und in der gewaltſamen Behauptung ſeines Rechts, um dasjenige zu erhalten, wozu uns der andere vollkommen verbunden iſt, und es uns nicht gewehren will; welche letztere der Ver- theidigung aͤhnlich iſt (§. 90. 88.). Es iſt alſo von Natur erlaubt, einem andern, der das

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/132
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754, S. 96. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/132>, abgerufen am 18.08.2019.