Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754.

Bild:
<< vorherige Seite

II. Th. 2. H. Von ursprüngl. Erlangung
fremden Grunde und Boden aus sei-
ner Materie bauet, das Gebäude den
Eigenthumsherren der Materie und
des Grundes und Bodens, nach Pro-
portion, gemein sey; woferne das Ge-
bäude nicht beweglich ist,
daß es nämlich
weggenommen werden kann.

§. 238.
Vom
Pflantzen
u. Säen.

Eben dieses gilt auch vom Pflantzen
(plantatione), wodurch eine Pflantze in einen
Grund gesetzt wird, daß sie daselbst Wurtzeln
schlägt und daraus ihre Nahrung hat; wie
auch vom Säen (satione), wenn der Same
in die Erde gebracht wird, daß er daselbst
keimet und aufgehet. Man muß aber hierbey
nur dieses mercken: Daß, wenn ein einem jeden
zukommender Theil in der Gemeinschaft be-
stimmt werden soll, man darauf zu sehen
habe, wie viel die Pflantze, wenn sie gesetzt
wird, oder der Saamen, wenn er ausgesäet
wird, und der Gebrauch des Grundes nebst
der Arbeit und Wartung gilt (§. 225.).

§. 239.
Von der
Schrift
und dem
Gemähl-
de.

Auf eine gleiche Weise ist, aus eben dem
Grunde, wenn jemand auf unserem Pa-
pier, oder Pergament, ein Gedicht, eine
Geschichte, oder eine Rede geschrieben,
oder auf unsere Tafel ein Bild gemahlt
hätte, der gantze Körper, nach Pro-
portion dessen, was einem jeden gehö-
ret, gemein.
Es ist nämlich bey der Ge-
meinschaft gar nichts ungereimtes, wenn sich

das

II. Th. 2. H. Von urſpruͤngl. Erlangung
fremden Grunde und Boden aus ſei-
ner Materie bauet, das Gebaͤude den
Eigenthumsherren der Materie und
des Grundes und Bodens, nach Pro-
portion, gemein ſey; woferne das Ge-
baͤude nicht beweglich iſt,
daß es naͤmlich
weggenommen werden kann.

§. 238.
Vom
Pflantzen
u. Saͤen.

Eben dieſes gilt auch vom Pflantzen
(plantatione), wodurch eine Pflantze in einen
Grund geſetzt wird, daß ſie daſelbſt Wurtzeln
ſchlaͤgt und daraus ihre Nahrung hat; wie
auch vom Saͤen (ſatione), wenn der Same
in die Erde gebracht wird, daß er daſelbſt
keimet und aufgehet. Man muß aber hierbey
nur dieſes mercken: Daß, wenn ein einem jeden
zukommender Theil in der Gemeinſchaft be-
ſtimmt werden ſoll, man darauf zu ſehen
habe, wie viel die Pflantze, wenn ſie geſetzt
wird, oder der Saamen, wenn er ausgeſaͤet
wird, und der Gebrauch des Grundes nebſt
der Arbeit und Wartung gilt (§. 225.).

§. 239.
Von der
Schrift
und dem
Gemaͤhl-
de.

Auf eine gleiche Weiſe iſt, aus eben dem
Grunde, wenn jemand auf unſerem Pa-
pier, oder Pergament, ein Gedicht, eine
Geſchichte, oder eine Rede geſchrieben,
oder auf unſere Tafel ein Bild gemahlt
haͤtte, der gantze Koͤrper, nach Pro-
portion deſſen, was einem jeden gehoͤ-
ret, gemein.
Es iſt naͤmlich bey der Ge-
meinſchaft gar nichts ungereimtes, wenn ſich

das
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0184" n="148"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">II.</hi> Th. 2. H. Von ur&#x017F;pru&#x0364;ngl. Erlangung</hi></fw><lb/><hi rendition="#fr">fremden Grunde und Boden aus &#x017F;ei-<lb/>
ner Materie bauet, das Geba&#x0364;ude den<lb/>
Eigenthumsherren der Materie und<lb/>
des Grundes und Bodens, nach Pro-<lb/>
portion, gemein &#x017F;ey; woferne das Ge-<lb/>
ba&#x0364;ude nicht beweglich i&#x017F;t,</hi> daß es na&#x0364;mlich<lb/>
weggenommen werden kann.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 238.</head><lb/>
              <note place="left">Vom<lb/>
Pflantzen<lb/>
u. Sa&#x0364;en.</note>
              <p>Eben die&#x017F;es gilt auch vom <hi rendition="#fr">Pflantzen</hi><lb/><hi rendition="#aq">(plantatione),</hi> wodurch eine Pflantze in einen<lb/>
Grund ge&#x017F;etzt wird, daß &#x017F;ie da&#x017F;elb&#x017F;t Wurtzeln<lb/>
&#x017F;chla&#x0364;gt und daraus ihre Nahrung hat; wie<lb/>
auch vom <hi rendition="#fr">Sa&#x0364;en</hi> <hi rendition="#aq">(&#x017F;atione),</hi> wenn der Same<lb/>
in die Erde gebracht wird, daß er da&#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
keimet und aufgehet. Man muß aber hierbey<lb/>
nur die&#x017F;es mercken: Daß, wenn ein einem jeden<lb/>
zukommender Theil in der Gemein&#x017F;chaft be-<lb/>
&#x017F;timmt werden &#x017F;oll, man darauf zu &#x017F;ehen<lb/>
habe, wie viel die Pflantze, wenn &#x017F;ie ge&#x017F;etzt<lb/>
wird, oder der Saamen, wenn er ausge&#x017F;a&#x0364;et<lb/>
wird, und der Gebrauch des Grundes neb&#x017F;t<lb/>
der Arbeit und Wartung gilt (§. 225.).</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 239.</head><lb/>
              <note place="left">Von der<lb/>
Schrift<lb/>
und dem<lb/>
Gema&#x0364;hl-<lb/>
de.</note>
              <p>Auf eine gleiche Wei&#x017F;e <hi rendition="#fr">i&#x017F;t,</hi> aus eben dem<lb/>
Grunde, <hi rendition="#fr">wenn jemand auf un&#x017F;erem Pa-<lb/>
pier, oder Pergament, ein Gedicht, eine<lb/>
Ge&#x017F;chichte, oder eine Rede ge&#x017F;chrieben,<lb/>
oder auf un&#x017F;ere Tafel ein Bild gemahlt<lb/>
ha&#x0364;tte, der gantze Ko&#x0364;rper, nach Pro-<lb/>
portion de&#x017F;&#x017F;en, was einem jeden geho&#x0364;-<lb/>
ret, gemein.</hi> Es i&#x017F;t na&#x0364;mlich bey der Ge-<lb/>
mein&#x017F;chaft gar nichts ungereimtes, wenn &#x017F;ich<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">das</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[148/0184] II. Th. 2. H. Von urſpruͤngl. Erlangung fremden Grunde und Boden aus ſei- ner Materie bauet, das Gebaͤude den Eigenthumsherren der Materie und des Grundes und Bodens, nach Pro- portion, gemein ſey; woferne das Ge- baͤude nicht beweglich iſt, daß es naͤmlich weggenommen werden kann. §. 238. Eben dieſes gilt auch vom Pflantzen (plantatione), wodurch eine Pflantze in einen Grund geſetzt wird, daß ſie daſelbſt Wurtzeln ſchlaͤgt und daraus ihre Nahrung hat; wie auch vom Saͤen (ſatione), wenn der Same in die Erde gebracht wird, daß er daſelbſt keimet und aufgehet. Man muß aber hierbey nur dieſes mercken: Daß, wenn ein einem jeden zukommender Theil in der Gemeinſchaft be- ſtimmt werden ſoll, man darauf zu ſehen habe, wie viel die Pflantze, wenn ſie geſetzt wird, oder der Saamen, wenn er ausgeſaͤet wird, und der Gebrauch des Grundes nebſt der Arbeit und Wartung gilt (§. 225.). §. 239. Auf eine gleiche Weiſe iſt, aus eben dem Grunde, wenn jemand auf unſerem Pa- pier, oder Pergament, ein Gedicht, eine Geſchichte, oder eine Rede geſchrieben, oder auf unſere Tafel ein Bild gemahlt haͤtte, der gantze Koͤrper, nach Pro- portion deſſen, was einem jeden gehoͤ- ret, gemein. Es iſt naͤmlich bey der Ge- meinſchaft gar nichts ungereimtes, wenn ſich das

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/184
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754, S. 148. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/184>, abgerufen am 24.08.2019.