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Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754.

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II. Th. 7. H. Von dem Versprechen
bekannt
werden
muß, da-
mit das
Verspre-
chen gül-
tig sey.
halten (§. 317.). Wenn also der, wel-
cher einem Abwesenden etwas ver-
spricht, will, daß das Versprechen al-
sobald gültig sey, wenn es angenom-
men wird; so ist es alsobald gültig, als
es angenommen worden, obgleich die
Annehmung desselben dem Versprecher
noch nicht bekannt worden: Wenn er
aber nicht will, daß das Versprechen
gelten soll, als nur wenn ihm die An-
nehmung desselben bekannt worden;
so gilt es nicht eher, als bis ihm die
Annehmung bekannt ist. Wenn
also
der Versprecher stirbt, ehe die Anneh-
mung geschehen ist; so ist im ersten Fal-
le das Versprechen gültig, im andern
aber nicht.
Aus eben demselben Grunde
kann die Annehmung auch nach dem
Tode des Versprechers geschehen, wenn
er will daß das Versprechen, oder das,
was gegeben wird, auch nach seinem
Tode angenommen werden kann
(§.
314.). Man fraget aber, was in einem zwei-
felhaften Falle zu vermuthen sey, wenn der
Versprecher seinen Willen nicht hinlänglich
erkläret hat? Da durch das Annehmen ein
Versprechen gültig wird (§. 381.); so ist
kein Grund da, warum er wollen sollte, daß
das Versprechen alsdann erst gültig seyn solle,
wenn er die Annehmung desselben erfahren,
wofern er dieselbige leicht vermuthen kann.
Es ist aber ein Grund da, warum er es so

will,

II. Th. 7. H. Von dem Verſprechen
bekannt
werden
muß, da-
mit das
Verſpre-
chen guͤl-
tig ſey.
halten (§. 317.). Wenn alſo der, wel-
cher einem Abweſenden etwas ver-
ſpricht, will, daß das Verſprechen al-
ſobald guͤltig ſey, wenn es angenom-
men wird; ſo iſt es alſobald guͤltig, als
es angenommen worden, obgleich die
Annehmung deſſelben dem Verſprecher
noch nicht bekannt worden: Wenn er
aber nicht will, daß das Verſprechen
gelten ſoll, als nur wenn ihm die An-
nehmung deſſelben bekannt worden;
ſo gilt es nicht eher, als bis ihm die
Annehmung bekannt iſt. Wenn
alſo
der Verſprecher ſtirbt, ehe die Anneh-
mung geſchehen iſt; ſo iſt im erſten Fal-
le das Verſprechen guͤltig, im andern
aber nicht.
Aus eben demſelben Grunde
kann die Annehmung auch nach dem
Tode des Verſprechers geſchehen, wenn
er will daß das Verſprechen, oder das,
was gegeben wird, auch nach ſeinem
Tode angenommen werden kann
(§.
314.). Man fraget aber, was in einem zwei-
felhaften Falle zu vermuthen ſey, wenn der
Verſprecher ſeinen Willen nicht hinlaͤnglich
erklaͤret hat? Da durch das Annehmen ein
Verſprechen guͤltig wird (§. 381.); ſo iſt
kein Grund da, warum er wollen ſollte, daß
das Verſprechen alsdann erſt guͤltig ſeyn ſolle,
wenn er die Annehmung deſſelben erfahren,
wofern er dieſelbige leicht vermuthen kann.
Es iſt aber ein Grund da, warum er es ſo

will,
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[260/0296] II. Th. 7. H. Von dem Verſprechen halten (§. 317.). Wenn alſo der, wel- cher einem Abweſenden etwas ver- ſpricht, will, daß das Verſprechen al- ſobald guͤltig ſey, wenn es angenom- men wird; ſo iſt es alſobald guͤltig, als es angenommen worden, obgleich die Annehmung deſſelben dem Verſprecher noch nicht bekannt worden: Wenn er aber nicht will, daß das Verſprechen gelten ſoll, als nur wenn ihm die An- nehmung deſſelben bekannt worden; ſo gilt es nicht eher, als bis ihm die Annehmung bekannt iſt. Wenn alſo der Verſprecher ſtirbt, ehe die Anneh- mung geſchehen iſt; ſo iſt im erſten Fal- le das Verſprechen guͤltig, im andern aber nicht. Aus eben demſelben Grunde kann die Annehmung auch nach dem Tode des Verſprechers geſchehen, wenn er will daß das Verſprechen, oder das, was gegeben wird, auch nach ſeinem Tode angenommen werden kann (§. 314.). Man fraget aber, was in einem zwei- felhaften Falle zu vermuthen ſey, wenn der Verſprecher ſeinen Willen nicht hinlaͤnglich erklaͤret hat? Da durch das Annehmen ein Verſprechen guͤltig wird (§. 381.); ſo iſt kein Grund da, warum er wollen ſollte, daß das Verſprechen alsdann erſt guͤltig ſeyn ſolle, wenn er die Annehmung deſſelben erfahren, wofern er dieſelbige leicht vermuthen kann. Es iſt aber ein Grund da, warum er es ſo will, bekannt werden muß, da- mit das Verſpre- chen guͤl- tig ſey.

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Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754, S. 260. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/296>, abgerufen am 17.09.2019.